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Justiz
Whistleblower Elmer soll 4,5 Jahre in Haft

Julian Assange und Rudolf Elmer: Datenübergabe im Jahr 2011.  Keystone

Whistleblower Rudolf Elmer hat Wikileaks-Gründer Julian Assange Tausende Daten über Schwarzgeldsünder geliefert. Die Staatsanwaltschaft will ihn härter bestrafen als UBS-Datenlieferant Birkenfeld.

Von Lukas Hässig
am 01.10.2014

Die Zürcher Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte fordert für Wikileaks-Informanten Rudolf Elmer, Ex-Kadermann der Bank Julius Bär, viereinhalb Jahre Zuchthaus und ein «maximales Berufsverbot als Bankangestellter». Dies geht aus der Anklageschrift vom 30. Juni hervor, die der Handelszeitung vorliegt. Der Prozess findet am 10. Dezember am Bezirksgericht Zürich statt.

Für den Robin Hood von Swiss Banking, wie sich Elmer gerne bezeichnet, würde das Urteil die Strafe des anderen grossen Whistleblowers rund um das Ende des Bankgeheimnisses übertreffen. Bradley Birkenfeld, der vor sieben Jahren die US-Ermittlungen gegen die UBS initiierte, war 2009 zu 40 Monaten Haft verurteilt und nach 30 Monaten entlassen worden.

Bankgeheimnis verletzt, Urkunden gefälscht

In der 33-seitigen Anklageschrift wirft die Zürcher Staatsanwalt Elmer vor, mehrfach das Schweizer Bankgeheimnis verletzt zu haben. Zudem soll er Urkunden gefälscht haben. Die Taten fallen gemäss Anklage in die Zeit von Ende 2007 bis Ende 2008. Im Zentrum steht Elmers Zusammenarbeit mit Wikileaks, der Offenlegungs-Plattform von Julian Assange. Elmer war für den kometenhaften Aufstieg von Wikileaks eine zentrale Figur. Die «Whistleblower»-Site publizierte ab 2008 gegen 40 Dossiers mit Daten über Offshore-Konstrukte von Bär-Kunden.

Laut dem Staatsanwalt kommt als Quelle nur einer in Frage. «Die Dokumente aus dem operativen Geschäft, mit denen diese Fälle belegt und untermauert wurden, hat der Beschuldigte aus seinem Datenbestand geliefert», schreibt der Ermittler in der Anklage. «(Elmer) allein – und nicht Dritte – hat Wikileaks die Dokumentensätze zur Verfügung gestellt». Julius Bär hält sich mit Äusserungen zurück. «Wir kommentieren weder ein laufendes Gerichtsverfahren noch Aussagen von Verfahrensbeteiligten» , sagte eine Sprecherin von Julius Bär gegenüber der Handelszeitung.

Vom Strafmass überrascht

Der Angeschuldigte bestreitet die Taten dagegen nicht. Vielmehr, sagt Elmer, mache seine geforderte Bestrafung klar, dass «die Kundendaten auf Wikileaks echt» seien. Dagegen habe die Bank Bär lange deren Authentizität bestritten.

Zu der Forderung nach 42 Monaten unbedingter Haft meint Elmer, dass ihn das Strafmass überrasche. Er sei nicht vorbestraft. Tatsächlich ist ein seit Jahren laufendes erstes Verfahren immer noch hängig. Als Schwerverbrecher sieht er sich auf keinen Fall. «Birkenfeld wurde für Beihilfe von Steuerbetrug bestraft, mich will man für meinen zivilen Ungehorsam bestrafen.» Er habe die Steuerbehörden in Bern und Zürich mit Daten versorgt, die danach zu «Straf- und Bussverfahren» gegen Steuersünder geführt hätten.

Zwei CDs mit 2000 Schwarzgeld-Sündern

Ausgelöst hatte Elmer das jetzige Strafverfahren selbst. An einem vielbeachteten Medienanlass in London übergab er Wikileaks-Chef Assange zwei CDs mit Namen von 2000 Schwarzgeld-Sündern. Später behauptete er, die CDs seien leer gewesen. Die Behörden sind jedoch überzeugt, dass sich darauf geschützte Kundeninformationen der Bank Bär befanden.

Zwei Tage nach dem Londoner Auftritt stand Elmer am 19. Januar 2011 ein erstes Mal in der Schweiz vor dem Richter. Am gleichen Abend wurde er verhaftet und sechs Monate lang in U-Haft gehalten. Nun steht der Prozess an. Entscheidend wird sein, ob der Staatsanwalt belegen kann, dass Elmer dem Schweizer Bankgeheimnis untersteht. An die Kundendaten war der Banker in seiner Funktion als Vizechef des Bär-Ablegers auf den Cayman Islands gekommen.

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