Emmanuel Macron ist nicht nur der jüngste Mann an der Spitze Frankreichs seit Napoleon, er hat auch eine äusserst junge Bewegung im Rücken. En Marche gibt es erst seit einem Jahr und nun hält ihr Kandidat Einzug ins Elysée.

Anfang Juni wartet aber bereits die nächste Bewährungsprobe auf die Neupartei, die unter dem Namen «La République en Marche!» in die Zukunft geht: Die Franzosen wählen ihr neues Parlament. Um seine Vision für Frankreich umsetzen zu können, braucht Macron auch dort eine Mehrheit. Wer aber sind die Kandidaten, die sich unter der Fahne von En Marche zur Wahl stellen?

Eine Frage der Auslegung

Gesucht sind 577 Kandidaten: Zur Hälfte soll das Kandidatenfeld aus Frauen bestehen. Ebenfalls die Hälfte sollen neu in der Politik sein. Diese sollten aus der Zivilgesellschaft kommen und erwerbstätig sein, so Macron Anfang Februar zu den Anforderungen an die En-Marche-Truppe.

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Sein Lager scheint in diesem Punkt aber uneins. Jean-Paul Delevoye, der die Kandidatenauswahl leitet, legte am Tag nach der Präsidentschaftswahl die Bedingung sehr lose aus: Es bedeute lediglich, dass die Kandidaten zum ersten Mal an der Parlamentswahl teilnähmen. Sie dürften aber bereits zum Bürgermeister oder auf einen anderen Posten gewählt worden sein. Der Generalsekretär von En Marche, Richard Ferrand, ruderte am Montagabend wieder zurück: Diese Kandidaten dürften kein Mandat jeglicher Art haben.

Jedermann ist willkommen

Weiter verlangt En Marche von ihren Leuten eine reine Weste – ein Strafregistereintrag macht alle Ambitionen zunichte. Die politische Vergangenheit dagegen soll kein Hinderungsgrund sein. En Marche will ein Sammelbecken sein für alle, welche die Werte der Bewegung unterstützen. Dazu müssen die Kandidaten den Transformationsplan unterstützen und Macrons Vertrag mit der Nation unterschreiben. Damit will der neue Präsident verhindern, dass seine neue Bewegung trotz ihrer Heterogenität zerfällt.

Letztere Punkte sorgen allerdings für Verwirrung: Dürfen nun Kandidaten von «La République en Marche!» ihre frühere Parteizugehörigkeit behalten? Als En Marche noch eine Bewegung war, ging es vor allem darum eine möglichst breite Basis zu schaffen. Die Mitgliedschaft war entsprechend locker – links und rechts waren gleicherweise willkommen. Offenbar soll diese Flexibilität weiter bestehen: Niemand müsse sein Parteibüchlein abgeben, versichert Macron. Administrativ müssen sich die Kandidaten aber der neuen Heimat anschliessen, schliesslich geht es dabei auch um Geld: Politische Subventionen werden nach Parteistärke vergeben.

Einschränkungen wird es aber dennoch geben. So hat die Führung von «Les Républicains» bereits gedroht, Überläufer auszuschliessen. Bei den Sozialisten ist man sich noch nicht einig. Klar ist aber, dass die Situation zu ziemlich absurden Szenarien führen würde: So könnte es Wahlkreise geben, in denen sich die Bürger zwischen einem Sozialisten und einem En-Marche-Sozialisten entscheiden müssten.

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Hunderte Kandidaten sind noch unbekannt

Weniger problematisch präsentiert sich die Kandidatensuche. Rund 14'000 Bewerbungen potenzieller Kandidaten sind eingegangen. Wer es auf die Wahlzettel schafft, muss zuerst ein Komitee überzeugen und dann von einem Parteigremium abgesegnet werden.

Ende April standen nach Parteiangaben bereits 400 bis 450 Kandidaten fest, bekannt sind allerdings bisher nur 14. Diese aber bekamen einen Grossauftritt im französischen Fernsehen. Dabei lobte der damalige Präsidentschaftskandidat die Gruppe als beispielhaft für seine Bewegung: Vom Soziologen über eine Spitaldirektorin und einen Bauern bis zur Personaldirektorin ist die Spannbreite gross. Vier von ihnen werden in ihren Wahlkreisen gegen Republikaner antreten müssen und zehn gegen Sozialisten – davon einige hochrangige Vertreter der Partei.

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Ursprünglich sollten noch vor dem zweiten Wahlgang weitere Köpfe öffentlich werden. Nun soll es aber erst am Donnerstagmittag so weit sein. Durchgesickert ist bereits die – wahrscheinliche – Kandidatur von Sozialist Manuel Valls als En-Marche-Mann.

Schweizer Macronisten sind siegessicher

Auch in der Schweiz sind die Franzosen im Juni wieder zur Wahl aufgerufen. In der Deutschschweiz haben am vergangenen Sonntag neun von zehn Wählern ihre Stimme Macron gegeben. Über die ganze Schweiz gesehen waren es 85,5 Prozent. Kein Wunder, zeigt sich Joachim Son, Repräsentant der Macron-Bewegung im Auslandwahlkreis Schweiz/Liechtenstein optimistisch. Am 4. oder dann in der zweiten Runde am 18. Juni soll es gelingen, Claudine Schmid von «Les Républicains» in der Nationalversammlung mit ihrem Kandidaten zu ersetzen.

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Nach eigenen Angaben sind in der Schweiz mit 15 Lokalkomitees und 1500 Mitgliedern vertreten. Joachim Son hofft, selbst in der Schweiz für En Marche antreten zu dürfen. Doch auch wenn schliesslich einer seiner Mitstreiter ausgewählt werde, will er weitermachen und sich für den Kandidaten einsetzen, versichert er gegenüber handelszeitung.ch. Er glaubt denn auch an den Erfolg – Macron werde mit einer absoluten Mehrheit im Parlament regieren können.