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Wie Trumps Steuerreform der Schweiz schaden kann

Donald Trump: Er möchte US-Firmen steuerlich entlasten. Keystone

Donald Trump will die Steuern für Unternehmen massiv senken. Droht der Schweiz nun ein Exodus von US-Firmen? Der Chef der Handelskammer Schweiz-USA über die neuen Gefahren für die hiesige Wirtschaft.

Von Marc Bürgi
am 27.04.2017

Am Mittwoch gab Donald Trump seine Pläne für eine Steuerreform bekannt: Der US-Präsident will insbesondere die Steuern für Unternehmen drastisch senken. Nicht nur sollen die Sätze für sie von 35 auf 15 Prozent sinken. Vielen Firmen winkt eine zusätzliche Entlastung, weil sie zu Hause künftig nur noch in den USA erzielte Gewinne versteuern sollen.

handelszeitung.ch wollte vom Geschäftsführer der Handelskammer Schweiz-USA wissen, was für Konsequenzen Trumps Vorhaben für die Schweiz hätte. Für Martin Naville ist klar: Die Schweiz steht durch diese Ankündigung zusätzlich unter Druck, die Unternehmenssteuern zu senken.

In der Schweiz ist die Unternehmenssteuerreform III an der Urne gescheitert. Und jetzt kündet US-Präsident Donald Trump eine grosse Steuerreform an. Kommt dieser Plan von Trump für die Schweiz in einem schlechten Moment?
Martin Naville*: Wir wissen ja noch nicht, ob die Reform überhaupt zustande kommt. US-Präsident Ronald Reagan benötigte für seine Steuerreform fast zwei Jahre. Wenn Trump nun auch so lange braucht, haben wir in der Schweiz hoffentlich eine Lösung gefunden. Wenn hingegen die Reform in den USA in einem Jahr gelingt, erwischt es die Schweiz sicher in einem schlechten Moment.
 
Wird Trump seine Pläne umsetzen können?
Trumps Pläne sind eine sehr unpräzise Zusammenfassung seiner Wahlkampfversprechen. Sie enthalten noch überhaupt keine Details. Es ist eine grobe Zusammenstellung, die im US-Parlament auf sehr grossen Widerstand stossen wird. Es ist mehr eine maximale Verhandlungsposition vom Weissen Haus als ein realistischer Steuerplan.
 
Was sind die Folgen für die Schweiz, falls die Reform in dieser Form gelingen sollte?
Falls es zu einer massiven US-Steuersenkung kommt, würden US-Firmen wohl bestimmte Funktionen zurück in die USA verlegen. Der Steuerwettbewerb in Europa – zwischen Irland, Grossbritannien oder der Schweiz – würde sich verschärfen. Die Schweiz ist in einer relativ schlechten Position, weil es unklar ist, wie es nach dem Scheitern der Unternehmenssteuerreform III in der Steuerpolitik weitergeht. Die US-Steuerreform ist aber noch lange nicht Realität.
 
Sind viele US-Firmen nur in der Schweiz, um Steuern zu sparen?
Es gibt alles. Manche US-Firmen forschen in der Schweiz, beispielsweise Google, Medtronic, IBM oder Disney. Für diese Unternehmen sind die Steuersätze nicht wichtig. Es gibt aber auch Firmen, für welche die Steuern ein ganz wichtiger Faktor sind. Falls die Steuern in den USA massiv sinken oder in der Schweiz stark steigen, würden sich sicher einige davon überlegen, wegzuziehen. Entscheidend sind aber nicht nur die Steuersätze, sondern auch die Planbarkeit. Wenn sich die Steuersituation in den USA in den nächsten zwölf Monaten klärt, und die Situation in der Schweiz noch immer unklar ist, wird die Schweiz zusätzlich geschwächt.
 
Droht in der Schweiz ein Exodus von US-Firmen?
Nein, kurzfristig nicht. Die Firmen zahlen mindestens bis Ende 2018 gleich viele Steuern wie im letzten Jahr. Und man weiss nicht, was sich bei den Steuern in den USA ändern wird. Aktuell haben die Firmen also keinen Grund, wegzuziehen. Aber natürlich machen die Firmen Planspiele. Es ist klar, dass sich die Situation ungünstig für die Schweiz entwickeln könnte.

*Martin Naville ist CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer AmCham in Zürich. Die Organisation setzt sich für die Wirtschaftsbeziehung zwischen der Schweiz und den USA ein. Naville, Jahrgang 1959, leitet die Handelskammer seit 2004.

 

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