Wie - oder ob - Investoren handeln können, ohne dabei nachteilige Preisbewegungen auszulösen, ist zu einem erheblichen Problem geworden, nachdem Anleihen weltweit in den vergangenen Monaten einen Kurstaucher vollzogen. Das hat unter anderem zur Folge, dass Liquidität oder deren Mangel zu neuen und überraschenden Verwerfungen an den Märkten führt.

Spanien zum Beispiel muss für Langläufer über 30 Jahre mehr zahlen als Italien, und das, obwohl das Königreich auf der iberischen Halbinsel von den Ratingagenturen als sicherer eingestuft wird. Der Grund: Italiens Bondmarkt hat das doppelte Volumen, verglichen mit Spaniens - und verfügt deshalb über die grössere Liquidität.

Phänomen kommt weltweit vor

Ähnliches lässt sich weltweit beobachten: Anleihen aus kleineren Märkten, etwa Finnland, Singapur und Kanada, fallen bei Anlegern in Ungnade. Vor dem Hintergrund der Vorbereitungen der Zinsanhebung durch die US-Notenbank wollen Investoren gewiss sein, dass sie zügig verkaufen können, sollten die Bondmärkte volatil werden.

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«Liquidität ist das erste Kriterium bei der Länderauswahl«, sagte Olivier de Larouziere, Leiter europäische Zinsstrategie bei Natixis Asset Management mit rund 367 Milliarden Dollar (324 Milliarden Euro) verwaltetem Vermögen.

Die US-Aufsicht wappnet sich

Sorgen, dass die Liquidität austrocknet, haben zugenommen. Denn einige Marktteilnehmer haben im Zuge des weltweiten Kursrutsches an den Bondmärkten, der im April schlagartig erfolgte und mehr als eine halbe Billion Dollar an Wert von Staatsanleihen vernichtete, das Geschehen als einmalig in einer Generation bezeichnet.

Aberdeen Asset Management hat bereits mitgeteilt, die Gesellschaft habe zur Finanzierung möglicher Mittelabflüsse eine Kreditlinie über 500 Millionen Dollar vereinbart. In den USA werden sich Aufsichtsbehörden mit Vertretern von Wall-Street-Häusern treffen. Gegenstand der Gespräche wird sein, wie vermieden werden kann, dass im Nachgang der Krise beschlossene Regulierungen und Notenbankbeschlüsse eine Kernschmelze auslösen, wenn die nächste Verkaufswelle kommt.

Auch Finnland leidet

Einige Investoren wollen nicht darauf warten, das zu erleben. In Spanien verlangen sie für das Halten der Papiere höhere Risikoprämien, nachdem der Handel mit Schatzwechseln im April auf den niedrigsten Stand seit mindestens 2012 zurückgegangen ist. Bloomberg-Daten belegen die Entwicklung. Der sogenannte Bid-Ask Spread, also die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufgeboten ist bei zehnjährigen spanischen Anleihen doppelt so hoch wie bei italienischen Papieren.

Natixis bevorzugt im Souverains Euro Fonds 30-jährige italienische Staatsanleihen gegenüber spanischen Titeln gleicher Laufzeit, sagte de Larouziere.

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Nicht bloss Spanien leidet unter der Verkaufswelle am Bondmarkt, die Mitte April einsetzte. Der Renditeaufschlag, den Käufer für finnische Anleihen fordern, gegenüber Bundesanleihen, wo der Bondmarkt etwa um ein Zehnfaches grösser ist, hat sich nahezu verdreifacht.

Entscheidend ist die Grösse

«Bondmärkte mit hohem Rating, die relativ klein sind, können relativ illiquide werden», sagte Chris Wightman, Fondsmanager bei Wells Fargo Asset Management in London, der 493 Milliarden Dollar verwaltet. «Das Bereithalten von Liquidität für unsere Kunden ist ein überragendes Anlagekriterium für uns.»

Auch in Asien sind ähnliche Divergenzen zu beobachten. Hier betrifft es Singapur und Australien, die beiden Emittenten der Region mit den höchsten Rating-Einstufungen. Singapurs zehnjährige Benchmarkbonds haben sich im vergangenen Monat unterdurchschnittlich entwickelt, gegenüber dem grösseren, liquideren australischen Markt. Australien sei immer noch liquid, sagte Kei Katayama, der bei Daiwa SB Investments in Tokio Nicht-Yen-Schuldpapiere handelt. «Das ist einer der entscheidenden Gründe, den Fokus auf dem australischen Markt für Festverzinsliche zu behalten.»

Die Rendite der zehnjährigen australischen Benchmarkanleihe ist im vergangenen Monat um etwa drei Basispunkte auf 2,95 Prozent gestiegen, während jene Singapurs um etwa 20 Basispunkte kletterte.

(bloomberg/mbü)