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Wird die Rolex-Affäre zur Nagelprobe für Renzi?

Minister Maurizio Lupi: Wegen «Geschenk» für Sohn in der Kritik. Keystone

Ein Skandal belastet die Regierung Renzi in Italien. Gegen rund 50 Verdächtige wird wegen Schmiergeldzahlungen ermittelt. Und der Sohn eines Ministers liess sich zum Uni-Abschluss eine Rolex schenken.

Veröffentlicht am 17.03.2015

Eine Rolex und ein Minister - Italien wird von einer neuen Korruptionsaffäre erschüttert. Medienberichten vom Dienstag zufolge geht es dabei um Bestechungen und falsche Ausschreibungen im grossen Stil bei öffentlichen Projekten.

Ermittelt werde gegen rund 50 Verdächtige; vier von ihnen wurden demnach bereits festgenommen. Unter ihnen sei der frühere Abteilungsleiter für Ausschreibungen im Infrastrukturministerium, Ercole Incalza. Am Montag war bekannt geworden, dass die italienische Justiz wegen Schmiergeldzahlungen in Milliardenhöhe ermittelt, die die Kosten für öffentliche Aufträge um bis zu 40 Prozent verteuert haben sollen.

Eine Rolex zum Hochschulabschluss

Einer der prominentesten Namen im Zusammenhang mit der Affäre ist Verkehrs- und Infrastrukturminister Maurizio Lupi. Sein Sohn Luca liess sich den Berichten zufolge von einem befreundeten Unternehmer zum Hochschulabschluss eine teure Luxusuhr schenken und mit einem Job in einem Unternehmen versorgen.

Minister Lupi schloss in einem Interview mit der Zeitung «La Repubblica» am Dienstag einen Rücktritt jedoch aus. «Wenn er sie mir angeboten hätte, hätte ich sie abgelehnt», sagte Lupi mit Blick auf die geschenkte Rolex. Zugleich betonte er: «Nein, ich habe nicht an Rücktritt gedacht, obwohl ich mich, angesichts der unfairen Anschuldigungen gegen meinen Sohn, gefragt habe, ob es das alles wert ist.»

«Geschenk eines Familienfreundes»

Lupi bezeichnete das rund 10'000 Euro teure Geschenk an seinen Sohn als Diplom-Geschenk eines Familienfreundes. Bei dem Job für seinen Sohn handle es sich lediglich um eine mit «1300 Euro netto pro Monat» bezahlte Arbeit während der Wartezeit auf ein US-Arbeitsvisum für seinen Sohn.

Trotz aller Beschwichtigungen sah sich Regierungschef Matteo Renzi gezwungen, sich zu der Affäre zu äussern. Er kündigte härtere Strafen für jeden an, der sich bestechen lasse oder zu bestechen versuche. Lupi gehört der neuen Mitte-rechts-Partei Nuovo Centrodestra an, die mit Renzi eine Koalition bildet.

(sda/gku)

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