Der neue Labour-Chef Jeremy Corbyn wird von seinen Anhängern als Heilsbringer gefeiert. In seiner eigenen Partei halten ihn aber viele – darunter Ex-Premierminister Tony Blair – für den Labour-Totengräber. Der 66-jährige Engländer, schmal und bärtig, gehört seit Jahrzehnten zum linken Rand der britischen Sozialdemokraten.

In seinen 32 Jahren im britischen Unterhaus blieb Corbyn stets Hinterbänkler. Er erarbeitet sich schnell einen Ruf als notorischer Rebell.

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Gegner des Irakkriegs

Mehr als 500 Mal soll der Sohn eines Ingenieurs und einer Mathematiklehrerin gegen die Parteilinie gestimmt haben. Unter anderem war er ein erbitterter Gegner des Irakkriegs und des von Tony Blair vertretenen wirtschaftsfreundlichen New-Labour-Kurses.

Der Abgeordnete des Londoner Wahlkreises Islington Nord will unter anderem die Bahn wieder verstaatlichen, den Sparkurs beenden, Reiche höher besteuern und die britischen Atomwaffen abschaffen. In der Kritik stand und steht er für seine Haltung zur radikalislamischen Hamas und zur Schiitenmiliz Hisbollah, die er öffentlich als «Freunde» bezeichnet hat. Davon hat er sich inzwischen distanziert.

Aufrichtig und direkt

Mit seinen pastellfarbenen Hemden und beigen Jacketts wirkt Corbyn wie ein Sozialkundelehrer. Er gilt als aufrichtig und direkt – die Eigenschaft, die seine Anhänger am meisten bewundern.

Zu seinen Wahlkampfautritten kamen Tausende, es war die Rede von einer «Corbynmania». Kritiker halten ihn für ungeeignet als Premierminister und befürchten, dass er mit seinen – für britische Verhältnisse – radikalen Positionen die Labour-Partei spalten werde.

(sda/ise)