Die Szenen muteten grotesk an, damals 2008 am Zürcher Bellevue. Öffentlicher Raum wurde zum Hoheitsgebiet der Uefa und die Fanzone Sponsorengebiet. Menschen wurden nach unautorisiertem Essen und Trinken durchsucht und sogar das lokale Radio wurde in seinem mobilen Studio gezwungen, Marken, die nicht Uefa-Partner waren, abzukleben.

Der EM-Veranstalter wollte überall mitreden und mitverdienen. So sollten Public-Viewing-Veranstalter Lizenzgebühren an die Uefa zahlen. Dies hat der Verband der Gastwirte, GastroSuisse, nicht auf sich sitzen lassen und ist vor Gericht gezogen. Wie gestern bekannt wurde, haben die Wirte die Uefa und die Fifa nach sechs Jahren Kampf gleich mit besiegt. GastroSuisse-Präsident Klaus Künzli jubelt im «Sonntagsblick»: «Wunderbar! Fifa und Uefa dürfen nun den Wirten überhaupt keine Vorschriften mehr machen.»

Fifa und Uefa stehen im Abseits

Der Entscheid ist offenbar schon Ende des letzten Jahres gefallen, der Uefa war die Ruhe gerade recht. Der Fifa kurz vor dem WM-Jahr wohl auch. Zudem dürften die beiden Fussballverbände mit Sitz in der Schweiz kein Interesse daran haben, dass sich das Urteil schnell herumspricht. Der Entscheid ist auch als Sieg der regionalen Anbieter zu werten. So freut sich Reto Preisig, Chef der Traditionsbrauerei Schützengarten in St. Gallen: «Als wichtiger Getränkepartner für Wirte und Organisatoren von Public Viewings begrüssen wir natürlich diesen Entscheid.» Und fügt an: «Es gibt keinen Grund, umtriebige Gastronomen in der Produktwahl und mit Werbevorschriften zusätzlich einzuschränken, zumal sie ja die TV-Rechte schon über die Suisa-Gebühren abgelten.»

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Grosse Veranstalter für WM 2014 in den Startlöchern

In Zürich und Winterthur wird es auch dieses Jahr grosse Public-Viewing-Veranstaltungen geben. Der Entscheid gegen die Fussballverbände ist für viele ein wenig spät bekannt geworden. So ist in der Stadt Zürich die Eingabefrist für Public Viewing am Freitag, 28. Februar, abgelaufen. Gastronom Rolf Hiltl ist mit seinem Projekt auf Kurs. Im Maag-Areal sollen bis zu 5000 Fussballfans die Spiele in Brasilien verfolgen können. «Wir hatten Kontakt mit der Fifa und ich habe gespürt, dass sie lockerer damit umgehen, deshalb haben wir  frei geplant für das Hiltl Public Viewing im Maag-Areal.» Das Urteil gegen die Verbände und ihre Daumenschrauben dürfte auf dem Zürich Berg schon bekannt gewesen sein.

Winti-Arena für Juni startklar

In Winterthur freut sich Oliver Wyss, der seit 2006 die Winti-Arena mitorganisiert. «Dieser Entscheid freut mich. Es ist ein Entscheid zugunsten der privaten Veranstalter». Diese hätten von den offiziellen Sponsoren ohnehin nichts. «Wir profitieren von der WM – aber nicht von den WM-Hauptsponsoren, diese zahlen ja auch nichts an unsere Veranstaltung.»  Der Gerichtsentscheid gegen die Allmacht von Uefa und Fifa nimmt Druck von möglichen Veranstaltern von Public Viewing.

Bis zum Anpfiff des Eröffnung-Spieles könnten jetzt, wo der Arm der Fifa gestutzt ist, noch einige Lust auf das Organisieren eines Fussballeventes bekommen. Bei der Stadtpolizei in Winterthur rechnen die Verantwortlichen nicht mit einer Flut von Gesuchen. Vereinzelt würden aber noch Gesuche eingehen, ist sich die Winterthurer Polizei sicher.

Dem Fussballspass im Juni steht neben den Anspielzeiten fast nichts mehr im Weg.