Eben erst verlor der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse den Kampf gegen die Abzocker-Initiative. Und schon droht ihm neues Ungemach. Drei Viertel der Schweizer Bürger heissen die Mindestlohn-Initiative gut. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Link Instituts im Auftrag des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Er hat das Volksbegehren auch eingereicht. Für die Studie wurden 1010 Schweizerinnen und Schweizer befragt.

Die Volksinitiative «Für den Schutz fairer Löhne» verlangt einen gesetzlichen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde. Er soll für alle Branchen und in allen Landesteile gelten. Ferner sollen Bund und Kantone Mindestlöhne in Gesamtarbeitsverträgen fördern Der Bundesrat sprach sich im Januar gegen die Initiative aus und verzichtete auch auf einen Gegenvorschlag. Er teile zwar das Ziel der Initianten, die Armut zu bekämpfen. Ein Mindestlohn sei dafür aber kein geeignetes Mittel.

Ehrgeiz zerstört?

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann relativierte gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» die Umfrage-Ergebnisse: Wenn die Befragten zwischen etwas mehr Lohn oder einer gesicherten Arbeitsstelle abwägen müssten, dann sähen die Antworten wohl anders aus, sagte er. Die Initiative würde mehr Leute in die Arbeitslosigkeit schicken, denn sie habe zwei negative Effekte: «Erstens würden die Unternehmen zurückhaltender mit Neueinstellungen und zweitens nehmen wir den jungen Leuten einen gewissen Ehrgeiz weg, an sich und ihrer Karriere zu arbeiten», sagte Schneider-Ammann.

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(se/sda)