Zur Finanzierung eines Baubooms vor der Fussballweltmeisterschaft 2022 zapfen die Banken des Austragungslands Katar den Fremdkapitalmarkt an. Die Kredithäuser des Emirats planen, mehr als sechs Milliarden Dollar aufzunehmen, während der einbrechende Ölpreis die Einlagen des Staats vermindert.

«Die Halbierung des Ölpreises hat die staatlichen Einlagen verringert, doch die Erwartung eines beträchtlichen Anstiegs der künftigen Kreditnachfrage bedeutet, dass die katarischen Banken ihr Fremdkapital erhöhen werden», sagt Akber Khan, Direktor im Bereich Vermögensverwaltung bei Al Rayan Investment. «Die Banken müssen an den Anleihenmarkt gehen.»

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182 Milliarden für Infrastrukturbauten

Die Aktionäre der Al Khaliji Commercial Bank QSC billigten am 25. Februar ein Anleihenprogramm über 2,5 Milliarden Dollar, und Qatar National Bank SAQ arrangierte nach eigenen Angaben vom 17. März ein drei Milliarden Dollar schweres Darlehen. Qatar International Islamic Bank dürfte eine Sukuk, eine islamische Anleihe, begeben, wie die Bank am 19. Februar mitteilte. Die Einlagen des Staates bei den katarischen Banken hatten sich in den fünf Jahren bis Februar 2014 mehr als verdreifacht, bevor sie im folgenden Jahr um vier Prozent fielen, zeigen Zentralbank-Daten.

Katar, ein Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), investiert als Gastgeber der WM bis 2019 etwa 182 Milliarden Dollar in Strassen, Stadien und andere Infrastruktureinrichtungen. Die Banken werden ihre Kreditvergabe im Jahr 2018 wahrscheinlich auf 239 Milliarden Dollar steigern, um den Bedarf einer Bevölkerung zur decken, die im vergangenen Jahr um 9,5 Prozent zugenommen hat, hiess es in einem Bericht der Qatar National Bank vom Februar.

Quasi-Garantie erhöht Rating

Fitch Ratings erhöhte im März die Bonitätsnote von sieben katarischen Banken und begründete das mit der «Aussicht auf Unterstützung im Bedarfsfall durch staatliche Stellen in Katar für heimische Banken». Der lokale Staatsfonds Qatar Investment Authority erwarb Anteile an allen acht Banken, die an der Börse Doha notiert sind. Seine Beteiligungen an diesen Finanzhäusern liegt zwischen 17 Prozent und 50 Prozent, zeigen Börsendaten.

«Die Banken könnten bei den Emissionen in diesem Jahr aktiver sein, da wir eine gewisse relative Schwäche an den lokalen Depositenmärkten in der Golfregion erwarten», erklärt F. Timucin Engin, Direktor für Ratings von Finanzinstituten bei Standard & Poor’s Ratings Services.

Staatliche Hilfe als Grund zur Sorge

Die Unsicherheit über das Ausmass der staatlichen Unterstützung für die Banken gibt nach Aussage von Fahmi Alghussein, Chef des Vermögensverwalters Amwal QSC, einigen Investoren Anlass zur Sorge. Diese Unsicherheit habe zusammen mit mangelnden Normen und Vorschriften für Sukuk-Emissionen das Wachstum an den Anleihemärkten in der Region gebremst.

«Wenn wir etwas aus der Finanzkrise gelernt haben, dann dass es einen Unterschied zwischen impliziten und expliziten Staatsgarantien gibt», sagt Alghussein. «Sofern es nicht explizit ist, sollten Käufer auf der Hut sein.»

Höhere Fremdfinanzierungskosten

Die staatlichen Einlagen bei den Banken in Katar sind gefallen, während der Ölpreis seit seinem Hoch vom Juni um fast die Hälfte eingebrochen ist. Zudem dürften die Fremdfinanzierungskosten in diesem Jahr steigen, wenn die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins anhebt. Die meisten Ökonomen rechneten in einer Bloomberg-Umfrage vom 3. bis 9. April damit, dass die erste Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung im September vorgenommen wird.

«Die katarischen Banken werden als sichere Anlagen betrachtet», sagt Ataf Ahmed, Vermögensverwaltungschef bei QInvest LLC in Doha. Eine potenzielle Zinserhöhung sei das grösste Risiko für islamische Anleihen. Doch QInvest wird seiner Aussage nach «wahrscheinlich einige Sukuk katarischer Banken halten, als defensive Ausrichtung in unseren Kundenportfolios und Fonds.»

(bloomberg/ise)