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Wo die Steuerlast besonders hoch ist – und wo tief

Auf einen Blick: Anteil der Steuerlast am BIP
Auf einen Blick: Anteil der Steuerlast am BIPQuelle: Screenshot: Our World in Data

Neue Daten der OECD zeigen, wie sich die Steuerquote in 80 Staaten entwickelt hat. Hier können Sie sich durchklicken.

Veröffentlicht am 02.08.2018

Wie hoch ist die Steuerbelastung in den einzelnen Ländern? Wie steht die Schweiz da? Solche Fragen führen bekanntlich gern zu homerischen Diskussionen. Meint man jetzt die Fiskalquote, die Spitzensteuersätze, die Firmensteuern, die Individualsteuern? Wie berücksichtigt man Gebühren, Zwangsabgaben, sozialstaatliche Lohnabzüge?

Forscher der OECD in Paris haben nun einen globalen Vergleich erarbeitet, der eine der unstrittigsten Messlatten hinlegt: die Steuerquote. Also die Summe aller Steuern in einem Land im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt.

Insgesamt 80 Staaten kamen dabei ins Visier, von Australien bis Venezuela. Und vor allem zeigt die «Global Revenue Statistics Database» aus Paris, wie sich der Anteil der Steuern in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt hat – konkret: seit dem Jahr 2000. 

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Einige Ergebnisse:

  • Insgesamt beansprucht die Steuerlast zwischen 10,8 Prozent des BIP (im Kongo) und 45,9 Prozent (in Dänemark).
  • Im Schnitt der OECD-Staaten liegt der Wert bei 34 Prozent. Insgesamt hat sich diese Quote zwischen dem Jahr 2000 und 2015 nicht verändert. Oder anders: Etwa die Hälfte der Industriestaaten erhöhte die Steuerlast, die andere Hälfte senkte sie.
  • Zu den Ländern mit steigender Steuerbelastung gehört die Schweiz: Hier stieg der Wert von 23,6 Prozent im Jahr 2000 auf 27,8 Prozent im Jahr 2015. 
  • Damit landet die Schweiz aber immer noch deutlich unter dem OECD-Schnitt – und noch deutlicher unter dem Durchschnitt aller 80 Staaten, die im neuen Report erfasst wurden.
  • Insgesamt, also bei allen 80 beobachteten Ländern, nimmt der Anteil des Staates zu. Seit dem Jahr 2000 stieg die Steuerlast in drei Vierteln der Staaten, wobei dieser Anteil hier wiederum bei einem Viertel mehr als 5 Prozent des BIP ausmachte. Die klarsten Steuer-Anstiege lassen sich vor allem in Afrika und Lateinamerika feststellen.

Attraktiv ist nun, dass die Daten durch die Online-Publikation «Our World in Data» des Institute for New Economic Thinking der Universität Oxford aufgearbeitet wurden. Jetzt sind sie interaktiv greifbar: Jeder kann sie jeder einfach und angepasst durchstöbern – und die gewünschten Länder neben andere Vergleichsstaaten stellen.

Natürlich kann man auch da einwenden, dass europäische Äpfel mit asiatischen Mangos verglichen werden. Oder dass – zum Beispiel in der Schweiz – die AHV-Beiträge, die Arbeitslosenversicherungen und die Krankenkassenprämien bei diesem Messsystem nicht auftauchen, obwohl sie einen gewissen Steuer-Charakter haben. Oder dass andererseits die Krippenplätze hierzulande privat bezahlt werden müssen.

Aber es geht hier ja auch nicht um einen Wettbewerb nach dem Motto: Je tiefer, desto besser. Es geht um reine Statistik. Und dabei zeigt schon der flüchtige Querblick, dass es sowohl unter den erfolgreichen und wohlhabenden Staaten wie unter den ärmeren und benachteiligten Ländern beides gibt. Nämlich solche mit einer tiefen Steuerlast als auch solche mit einem überdurchschnittlichen Steuer-Anteil. Hier Kongo, da Dänemark. Hier Chile, da Frankreich. Hier Irland, da Finnland.

(rap)