Der aktuelle Ausbruch von Ebola löst weltweit Ängste aus. Zahlreiche Flughäfen haben ihre Sicherheitsmassnahmen verschärft. Dabei sind nicht nur die akuten Auswirkungen, sondern vor allem die langfristige Vorsorge bei der gefährlichen Seuche von Bedeutung.

Bis vor kurzem stand die Suche nach Therapien für Ebola weit unten auf der Prioritätenliste von Ärzten und Pharmaindustrie. Zu selten waren die Ausbrüche und zu gering die Opferzahlen im Vergleich zu anderen Krankheiten wie Malaria. Zum Vergleich: An Ebola starben seit der Entdeckung 1976 einige tausend Menschen. Malaria dagegen fordert jedes Jahr weltweit mehr als eine Million Opfer. Trotzdem existiert bis heute kein Impfstoff gegen Malaria. Klar, dass Ebola von der Forschung bislang eher als zweitrangig betrachtet wurde.

Wirtschaftliche und soziale Katastrophe

Dies könnte nun aber ändern. Der aktuelle Ausbruch in Westafrika habe ein neues Ausmass erreicht, sagt Peter Piot, einer der Mitentdecker von Ebola vor fast 40 Jahren. «Die Seuche droht Westafrika in eine wirtschaftliche und soziale Katastrophe zu stürzen», so der Mediziner gegenüber CNN. Er fordert die möglichst rasche Entwicklung eines Impfstoffes.

Mit der heutigen Mobilität kann Ebola zum globalen Problem werden. Er sei überzeugt, dass «wir rund um die Welt Ebola Infektionen erleben werden», sagt denn auch Sanjay Gupta, Medizinexperte von CNN. Die USA liessen Kent Brantly, einen Arzt der sich in Liberia angesteckt hat, nach Hause holen um ihn besser behandeln zu können. Ein zweites US-Opfer, eine Missionarin, soll am Dienstag ebenfalls zurückgebracht werden.

Ausser Kontrolle

Der heutige Afrika-Gipfel in Washington wird dabei zu einem ersten Test für die Wirksamkeit der Vorkehrungen gegen die Krankheit. Delegationen aus rund fünfzig afrikanischen Staaten kommen in die USA. «Wir nehmen Ebola sehr ernst», sagte Barack Obama vergangene Woche gegenüber Reportern. Panik wegen dem Gipfel sei aber fehl am Platz. «Nur drei der fünfzig Staaten sind vom Ausbruch betroffen», so der US-Präsident.

In Liberia, Sierra Leone und Guinea sind bis zum Sonntag 730 Menschen gestorben und 1350 Menschen erkrankt, meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO. Dazu wächst die Angst vor einer weiteren Ausbreitung der Seuche. Für Experten ist klar, dass angesteckte Menschen auch nach Europa oder in die USA reisen könnten, ohne dass die Krankheit entdeckt würde. Die ersten Symptome der Krankheit zeigen sich laut WHO beim aktuellen Ausbruch erst vier bis sechs Tage nach der Ansteckung – diese Zeit reicht heute aus, um fast jeden Ort auf der Welt zu erreichen.

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Versorgung und Information

Bei der Bekämpfung von Ebola stehen zwei Strategien im Zentrum. Kurzfristig steht die Behandlung der Symptome von Erkrankten und die Eindämmung der Ausbreitung im Vordergrund. Ebola ist ein hämorrhagisches Fieber, zum Tod führen dabei insbesondere Blutungen im Magen-Darm-Kanal, der Milz und in der Lunge. Es ist deshalb wichtig, die Patienten mit Flüssigkeit zu versorgt werden und die Blutungen auf effiziente Art zu stoppen.

Um eine weitere Ausbreitung einzudämmen gilt die Information der betroffenen Bevölkerung als zentral. Viele Menschen in Afrika misstrauten dem medizinischen Hilfspersonal, sagt CNN-Experte Gupta: «Die Leute fragen sich, was die Mediziner wollen, wenn ja doch keine Impfung existiert.»

Wann kommt der Impfstoff?

Obwohl die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC glaubt, den Ebola-Ausbruch in Westafrika mit sekundären Massnahmen innert weniger Wochen stoppen zu können, forden viele Stimmen: Längerfristig muss ein Impfstoff her. In zahlreichen Labors wird inzwischen unter Hochdruck nach einem solchen Impfstoff gesucht.

Erste Tierversuche in den USA waren bereits vielversprechend. Wissenschaftlern der US-Armee gelang es schon im Jahre 2003, Mäuse durch Injektion von virusähnlichen Partikeln zu immunisieren. Und in diesem Herbst könnte laut CNN ein Vakzin an Menschen getestet werden. «Bei einer Todesrate von bis zu 90 Prozent, braucht es diese Tests so schnell wie möglich», findet Peter Piot. Mögliche Nebenwirkungen seien bei einer derart tödlichen Krankheit eher zweitrangig.

Impfung für Tiere und weitere Medikamente

Vielversprechend ist auch der Ansatz der Impfung von Tieren. Diese könnte beispielsweise durch Köder erfolgen. US-Forscher vermuten, dass Flughunde und Fledermäuse die Seuche auf die Menschen übertragen können, ohne selbst Krankheitssymptome zu zeigen. Praktisch ist dabei, dass solche Impfstoffe geringere Hürden für die Zulassung hätten.

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Bei den Medikamenten gegen Ebola ist man noch weniger weit als bei den Impfungen. Zwar wurde 2010 ein Medikament, das die Virusreplikation hemmt, erfolgreich an Affen getestet. Dabei überlebten 60 Prozent der Rhesusaffen und 100 Prozent der vorher infizierten Makaken. Von einer Zulassung dieses Medikaments ist man aber noch weit entfernt.