«Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) wird 164 Millionen Franken an den Kanton Zürich und 82 Millionen Franken an seine Gemeinden ausschütten. Inklusive Entschädigung für die Abgeltung des Dotationskapitals von 34 Millionen Franken beläuft sich die gesamte Ausschüttung auf 280 Millionen Franken», heisst es in der Medienmitteilung der ZKB. Das sind fast 30 Prozent oder 89 Millionen Franken weniger. Zuletzt war die Gewinnausschüttung 2005 niedriger.

Diese Millionen fehlen nun in den Budgets des Kantons und der Gemeinden. Der Kanton Zürich budgetierte mit Einnahmen in Höhe von 220 Millionen, wie Roger Keller, Sprecher der Finanzdirektion bestätigt. Die tiefere Ausschüttung hinterlässt eine Lücke von 56 Millionen. Doch es gibt einen Lichtblick. Der Kanton erhält in diesem Jahr zusätzliche, nicht budgetierte 117 Millionen von der Schweizerischen Nationalbank. Insofern werden die ZKB-Mindereinnahmen durch die SNB-Mehreinnahmen gedeckt.

Gewinnausschüttung könnte weiter sinken

Das indes ist nur ein Einmaleffekt. Die SNB wird dem Kanton im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich nicht mit einem Millionenzustupf unter die Arme greifen können. Die Aufhebung des Mindestkurses hat der Nationalbank ein Devisenloch von fast 50 Milliarden geschlagen. Die nächste Dividende könnte daher ausfallen. Und die Gewinne der Zürcher Kantonalbank werden wohl weiter sinken. Dies umso mehr, weil die Bank den Grossteil der Erträge im Zinsgeschäft erwirtschaftet und das Niedrigstzinsumfeld noch lange anhalten wird.

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«Für das Geschäftsjahr 2015 rechnet die Zürcher Kantonalbank mit anhaltenden Unsicherheiten», heisst es denn auch in der Medienmitteilung. Die überraschende Aufhebung des Euro-Mindestkurses zum Franken und die Verschiebung des Dreimonats-Libor-Zielbandes hätten zu grossen Verwerfungen an den Märkten geführt. «Dieses schwierige Umfeld dürfte im laufenden Jahr deutliche Auswirkungen auf den Geschäftsgang der Zürcher Kantonalbank haben und sämtliche Ertragspfeiler der Bank belasten.» Im Klartext heisst das: Die Gewinnausschüttung könnte noch weiter zurückgehen. Auch ZKB-Pressesprecher Igor Moser hält das für ein mögliches Szenario. Es sei aber schwer, die genaue Entwicklung abzuschätzen.

Millionenloch auch bei Gemeinden

Dass die ZKB weniger Geld verteilt, lastet auch auf den Budgets der Gemeinden. Die Stadt Zürich hat 29 Millionen budgetiert – und erhält wohl 7 Millionen weniger. Was das genau bedeutet, kann Sprecher Patrick Pons nicht sagen. Aber: «Alle Mindereinnahmen schmerzen». Ähnlich klingt es in Winterthur. Für dieses Jahr sind 8,3 Millionen budgetiert. Die Zahl orientiere sich am Schnitt der letzten drei Jahre, sagt Informationschef Andreas Friolet. Nun fällt die Gewinnausschüttung aber deutlich tiefer aus. Pro Einwohner erhält jede Gemeinde rund 57 Franken. Entsprechend summiert sich der Betrag für Winterthur auf knapp 6,2 Millionen. Das sind zwei Millionen weniger als im Budget.

Was in Zürich gilt, gilt teilweise auch in anderen Kantonen. Für die Kantonalbanken von Bern, Glarus, Graubünden, Luzern und Schwyz liegen bereits Zahlen vor. Alle konnten den Gewinn steigern. Die Kantone als Mehrheitsaktionäre können sich derzeit noch über einen Geldregen freuen. Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank wird das zu erwartende Zinsergebnis 2015 aber auch für diese Banken beeinflussen. Manche sind zwar optimistisch: Die Graubündner Kantonalbank rechnet auch für 2015 mit einer unveränderten Dividendenausschüttung, sagt CEO Alois Vinzens.

Vorsichtiger Ausblick

Die Mehrheit ist aber vorsichtig: Die Luzerner Kantonalbank erwirtschaftete 2014 einen leicht höheren Gewinn als noch im Vorjahr. Weil der Kanton Luzern mit 61,5 Prozent Mehrheitsaktionär ist, warten fast 60 Millionen Dividende auf ihn. Ob diese Summe auch im nächsten Jahr gesprochen wird, ist unklar. Roger Müller, Pressesprecher der Bank, will keinen Ausblick wagen. In den Medienunterlagen heisst es lediglich: «Die LUKB steuert ihre Zinsänderungsrisiken mittels Zinsderivaten. Dabei hängen vor allem in den Jahren 2015 und 2016 die zu erwartenden Zinserträge wesentlich von der Entwicklung der Liborsätze ab. Da nicht beurteilt werden kann, wie dauerhaft die Zinssatzreduktion der letzten Wochen ist, kann die LUKB deren Auswirkungen nicht abschliessend beurteilen.»

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Und auch die Berner Kantonalbank dämpft die Erwartungen. Der Jahresgewinn vor Steuern wuchs nur minimal. Für 2015 heisst es: «Die anhaltende Tiefzinsphase wird weiterhin auf die Margen im Bankgeschäft drücken. Die BEKB sieht zurzeit keine Trendwende bei den Zinsen. Dadurch stehen vor allem die Erträge aus dem Zinsgeschäft weiter unter Druck. Der konsequenten Anstrengung auf der Kostenseite kommt daher weiterhin grosse Bedeutung zu.»