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Konservativ
Zu teuer: Nationalrat stellt sich gegen Elternzeit

Kinderbetreuung: Mutterschaftsurlaub alleine fördert das traditionelle Familienmodell. Keystone

Der Nationalrat lehnt eine Auszeit für beide Eltern nach der Geburt eines Kindes ab. Doch das Thema bleibt auf der Agenda. Im Juli wurde eine Volksinitiative zum Vaterschaftsurlaub eingereicht.

Veröffentlicht am 12.09.2017

Der Nationalrat ist gegen eine Auszeit für beide Eltern nach der Geburt eines Kindes. Er lehnte am Montag mit 124 zu 65 Stimmen eine parlamentarische Initiative der Berner GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy ab.

Bertschy wollte die heutige Mutterschaftsentschädigung von 14 Wochen um eine Vaterschaftsentschädigung von maximal ebenfalls 14 Wochen ergänzen und eine Elternzeit schaffen. Die Vaterschaftsentschädigung sollte nur gewährt werden, wenn beide Eltern nach der Geburt des Kindes weiterarbeiten. Dies komme der Wirtschaft zugute, sagte sie.

Mutterschaftsurlaub stärkt traditionelles Familienmodell

Ihrer Ansicht nach fördert die geltende Regelung mit Mutterschaftsurlaub das traditionelle Familienmodell, weil sie voraussetzt, dass nach einer Geburt ausschliesslich die Mütter und nicht die Väter bei der Arbeit ausfallen. Vätern werde es zudem verwehrt, sich früh aktiv in die Kinderbetreuung einzubringen.

Die Vaterschaftsentschädigung sollte aber nur gewährt werden, wenn beide Eltern nach der Geburt wieder arbeiten. Finanziert worden wäre die Elternzeit über Lohnabgaben oder aus Steuermitteln.

Viele abgelehnte Vorstösse

Der Mehrheit der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) gingen die Kosten zu weit. Auslagen von 1,4 Milliarden Franken müssten über Lohnprozente finanziert werden, was die Arbeitskosten erhöhen würde. Sie erinnerte an «mehr als zwei Dutzend» von den Räten abgelehnte Vorstösse zum Elternurlaub.

Eine von Thomas Weibel (GLP/ZH) angeführte Minderheit unterstützte die Initiative. «Längere Erwerbsunterbrüche nach der Geburt würden mit dem heutigen Modell einseitig den Müttern angelastet», sagte Weibel. Frauen reduzierten in der Folge ihre Pensen oder stiegen ganz aus dem Arbeitsmarkt aus.

Auf der Agenda bleibt das Thema. In absehbarer Zeit werden zunächst die Räte und dann das Volk im Rahmen der im Juli eingereichten Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub - zum Nutzen der ganzen Familie» über vier Wochen Vaterschaftsurlaub befinden können.

(sda/gku)

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