Vor Schweizer Gerichten sind im vergangenen Jahr 64 Fälle von Wirtschaftskriminalität verhandelt worden, das sind fünf weniger als 2011. Die Gesamtschadenshöhe nahm um 4,3 Prozent auf 497,5 Millionen Franken ab, wie aus einer Erhebung von KPMG Schweiz hervorgeht.

Bei den meisten Fällen ging es um Veruntreuung (18 Fälle) und ungetreue Geschäftsbesorgung (11). Am häufigsten gaben die Beschuldigten an, das Geld zur Finanzierung ihres Lebenswandels oder zur Überbrückung von finanziellen Engpässsen verwendet zu haben.

Zürich baut «Spitzenposition» aus

Die meisten Fälle wurden vor Gerichten im Kanton Zürich verhandelt. Die Fallzahl stieg von 23 im Jahr 2011 auf 30, was einer Steigerung von über 30 Prozent entspricht. Auch bezüglich des Gesamtschadens liegt die Finanzmetropole mit 178,7 Millionen Franken an der Spitze, gefolgt von der Zentralschweiz mit 132,5 Millionen Franken.

In dieser Region fiel auch die höchste Schadenssumme an. Dabei ging es um Betrug und Geldwäscherei mit einer Deliktsumme von insgesamt 72,2 Millionen Franken. Das Zuger Obergericht verurteilte den Hauptangeklagten zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken.

Anzeige

Viele Täter gehören dem Kader an

Von den verurteilten Tätern übten 24 eine Kaderfunktion aus, neun wurden als gewerbsmässige Betrüger eingestuft. Bei elf Personen handelte es sich um einfache Angestellte.

Am meisten von der Wirtschaftskriminalität betroffen war wie bereits im Vorjahr die Opfergruppe der Investoren. Sie wurden um insgesamt 312,3 Millionen Franken geprellt.

Die Basis der diesjährigen «KPMG Forensic Fraud Barometer» bilden Wirtschaftsfälle mit einer Deliktsumme von mindestens 50'000 Franken, die 2012 vor einem Schweizer Strafgericht abgeschlossen und über die in der Presse berichtet wurde.

KPMG betont, dass die von Wirtschaftskriminalität betroffenen Unternehmen «lange nicht alle Fälle vor Gericht bringen». Das Beratungsunternehmen geht deshalb von einer hohen Dunkelziffer aus und rechnet damit, dass die Anzahl Fälle insgesamt weiter steigen wird.

(vst/rcv/sda)