Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug hat gegen den früheren Zuger Finanzvorstand Ivo Romer (FDP) Anklage erhoben. Romer werden Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung am Vermögen einer wohlhabenden Witwe vorgeworfen. Der Deliktsbetrag beläuft sich auf mehrere Millionen Franken.

Die Anklage lautet zudem auf ungetreue Geschäftsbesorgung zu Lasten einer von der Witwe gegründeten Stiftung. Dem 51-jährigen Romer wird vorgeworfen, in seiner Funktion als einziger Stiftungsrat Stiftungsvermögen zweckwidrig entfremdet zu haben.

Auch Geldwäschereivorwurf

Romer muss sich auch wegen Urkundenfälschung und Geldwäscherei verantworten, wie die Strafverfolgungsbehörden mitteilten.

Dass gegen den ehemaligen Zuger Stadtrat Anklage erhoben wird, stand bereits im Sommer fest. Damals schloss die Zuger Staatsanwaltschaft ihre Untersuchung in diesem Fall ab. Wann sich Romer vor dem Strafgericht Zug verantworten muss, ist noch offen.

Medienbericht als Auslöser der «Affäre Romer»

Die sogenannte «Affäre Romer» war im Dezember 2012 nach einem Bericht der «Weltwoche» ins Rollen gekommen. Gemäss der Wochenzeitung soll der FDP-Mann, der nebenamtlich als Vermögensverwalter arbeitete, vom Vermögen einer älteren Frau mehrere Millionen Franken abgezweigt haben.

Nachdem die Frau 96-jährig gestorben war, reichten die Erben Strafanzeige gegen Romer ein. Darauf eröffnete die Zuger Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung. Es kam zu Hausdurchsuchungen an mehreren Orten.

Romer trat unter dem öffentlichen Druck von seinem politischen Amt zurück, bestritt aber stets die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Mit dem "Fall Romer" befasste sich auch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK).

Diese klärte im Auftrag des Stadtparlamentes ab, weshalb die Frau nicht - wie mehrfach von ihrer Familie gefordert - unter Vormundschaft gestellt wurde. Auch die Rolle des Gesamtstadtrates nahm die PUK unter die Lupe.

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Gesamtstadtrat entlastet

Der im August 2014 veröffentlichte PUK-Bericht entlastete den Gesamtstadtrat. Dieser hatte kurz vor dem Tod der Frau von den Vorkommnissen um Romer erfahren. Nach Ansicht der PUK lag das Problem vielmehr bei der Vormundschaftsbehörde. Diese habe viel zu lange nichts unternommen.

Ursache für diese Untätigkeit sei aber nicht fachliches Unvermögen gewesen, sondern ungenügende Organisation, falsche Loyalität und schlechtes Kommunikationsverhalten. Eine grosse Schwierigkeit sah die PUK auch in der Tatsache, dass Romer in seiner Funktion als Stadtrat automatisch auch Mitglied der Vormundschaftsbehörde war.

(sda/chb)