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Blockchain im Audit – wird nun alles anders?

Deloitte
Quelle: Deloitte

Die Kurskapriolen des Bitcoins und anderer Kryptowährungen haben Schlagzeilen gemacht. Die dahinterstehende Blockchain kann aber viel mehr. Sie kann bei der Prüfung helfen, wird aber selbst auch Prüfobjekt.

Veröffentlicht am 03.10.2018

Niemand kann derzeit die wirtschaftliche Zukunft des Bitcoin oder von Ethereum vorhersagen. Blockchain wird aber bestehen bleiben: Experten sehen darin einen Paradigmenwandel mit disruptivem Potenzial für die Art und Weise, wie wir zukünftig Werte und Rechte übertragen. Es stellt sich die Frage, welches Potenzial Blockchain für die Wirtschaftsprüfung entfalten wird.
Kapitalmärkte funktionieren nur, wenn Kapitalgeber anhand zuverlässiger Informationen Investitionsentscheidungen treffen können. Darum müssen insbesondere die Jahresabschlüsse frei von materiellen Fehlern sein. Die Jahresabschlussprüfungen leisten dabei einen wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung gesetzeskonformer Rechnungen, welche die Informationsbasis für Investitionsentscheidungen bilden. 

Anforderung an Prüfung nicht angetastet

Wenngleich die umfassende und innovative Nutzung von Informationstechnologie jetzt und in Zukunft das moderne Rechnungswesen prägt, bilden die Grundsätze ordnungsgemässer Buchführung und Erstellung von gesetzeskonformen Jahresabschlüssen weiterhin den massgeblichen und technologieunabhängigen Beurteilungsrahmen für die Jahresabschlussprüfung durch den Wirtschaftsprüfer.
Die Blockchain ist vereinfacht ausgedrückt eine Datenbank aller aktuellen Besitzverhältnisse an einer genau bezeichneten Sache sowie aller historischen Besitzwechsel. Diese können bei Vorliegen vereinbarter Bedingungen im Rahmen sogenannter Smart Contracts auch automatisiert vollzogen werden.
So könnte eine Blockchain zukünftig die Grundbücher als transparentes Register von Eigentumsverhältnissen an Grundstücken ersetzen. Die Ziele dieses historischen Beispiels eines dem Blockchain-Prinzip entsprechenden so genannten Shared Ledger bleiben aber von der technologischen Fortentwicklung unberührt.

Blockchain kein Ersatz für Rechnungslegung

Auch im Rechnungswesen wird die Blockchain-Technologie zwar einen wesentlichen Einfluss auf die Abbildung rechnungslegungsrelevanter Transaktionen innerhalb und zwischen Unternehmen haben. Blockchain wird aber nicht die Notwendigkeit einer Rechnungslegung ersetzen, die frei von materiellen Fehlern die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens darstellt.
Wenn wir uns mit den technischen Aspekten eines Smart Contract befassen, stellt sich die Frage nach dem Zeitpunkt der Prüfung. Man kann die Prüfung vor Beginn der automatisierten Ausführung der Berechnungen durchführen; denn sobald der Smart Contract zu laufen begonnen hat, führt er sich selbständig aus. Oder der übliche verzögerte Auditansatz ist nach wie vor noch gültig ist – ähnlich einer Fehlerberichtsprüfung oder anderen automatisierten Auditverfahren.
Entsprechend ändern sich zwar die Vorgehensweisen in der Jahresabschlussprüfung, die prüferischen Fragestellungen behalten aber weiterhin ihre Gültigkeit. Wenn zum Beispiel die Eigentumsrechte an digitalisierten Musiktiteln in einer Blockchain verwaltet werden, wird es dem Jahresabschlussprüfer unmittelbar möglich sein, sämtliche in der Blockchain abgebildeten Besitzverhältnisse und -wechsel des betrachteten Prüfungszeitraums nachzuvollziehen.

Prüfung am Beispiel Musikrechte

Durch die Blockchain-Technologie wird ein Grossteil der typischerweise zeitaufwendigen Datenextraktions- und Vorbereitungsschritte der Jahresabschlussprüfung minimiert. Im Hinblick auf die prüferische Beurteilung der Bilanzierung der Musikrechte zu einem Stichtag ergeben sich weiterhin unter anderem folgende illustrativen Fragestellungen: 

  • Entspricht der Zeitpunkt des in der Blockchain vollzogenen „dinglichen“ Eigentumswechsels an dem Musikstück dem von den Vertragsparteien intendierten Zeitpunkt?
  • Inwieweit ist der abgebildete Eigentumswechsel jenseits der Validität im Sinne der Blockchain-Technologie auch vertragsrechtlich wirksam vollzogen wurde.
  • Welcher Wert ist dem Musikstück zum Bilanzstichtag beizumessen? Bewertungsrelevante Informationen sind nicht immer vollständig in der Blockchain abbildbar.
  • Mit welcher Intention wurde seitens des Bilanzierenden der Eigentumswechsel vollzogen, damit der entsprechende Ausweis des Eigentumsrechts prüferisch beurteilt werden kann?

Neben diesen unmittelbar aus den Aussagen in der Rechnungslegung resultierenden Fragestellungen ergeben sich zusätzliche Fragen zur Funktionsweise und Zuverlässigkeit der eingesetzten Blockchain. Diese hängen insbesondere davon ab, ob es sich bei der Blockchain um eine zugangsfreie oder um eine zugangsbeschränkte Blockchain (so genannte Konsortium-Blockchain) handelt, die zum Beispiel ausschliesslich die am Handel mit Eigentumsrechten an Musiktiteln beteiligten Geschäftspartner erfasst.
In diesem Fall werden die teilnehmenden Geschäftspartner sich auf eine Reihe von technischen Protokollen und Standards für diese Konsortium-Blockchain geeinigt haben, die massgeblich für die Transaktionsverarbeitung sind. Hierzu sind entsprechende interne Kontrollen einzurichten und zu überwachen, die dafür sorgen, dass die Transaktionsverarbeitung im Sinne dieser Protokolle und Standards erfolgt. Die Protokolle und Standards sowie deren Überwachung sind in die Prüfung einzubeziehen.

Prüfer stärken Vertrauen in Blockchain

Insbesondere für die Konsortium-Blockchains existieren bereits diverse Anwendungsfälle z. B. in der Finanzindustrie und der Logistik. Die von den Mitgliedern des Konsortiums vereinbarten oder von einem Blockchain-Dienstleister vorgegebenen Protokolle und Standards erfassen dabei insbesondere Themen zur technischen Administration, Zugriffsrechteverwaltung und zum Schiedsverfahren.
Aufgrund der Relevanz der im Konsortium geltenden Protokolle und Standards für die Jahresabschlussprüfungen der einzelnen Teilnehmer des Konsortiums können künftig Wirtschaftsprüfer durch das Konsortium damit beauftragt werden, an zentraler Stelle Prüfungshandlungen durchzuführen. Dies unterstützt die Teilnehmer in der Überwachung der Blockchain und schafft das erforderliche Vertrauen, das letztlich Voraussetzung für die Verbreitung der Blockchain-Technologie ist.
 

Von Joelle Herbette, Partner, und Marco Grossi, Director, Audit & Assurance Deloitte Schweiz