Der Begriff Resilienz ist seit einigen Jahren auch der breiten Öffentlichkeit bekannt und wird oft als innere Widerstandskraft umschrieben. Wichtig dabei ist, dass Resilienz keine angeborene Eigenschaft ist, sondern jeder Mensch bringt unterschiedliche Voraussetzungen dafür mit. Resilienz ist also trainierbar, in ­jedem Alter und in jeder Lebenslage. Der Resilienz-Ansatz ist lösungs- und ressourcenorientiert und wechselt somit die oft übliche Perspektive von der Defizitorientierung auf die Ressourcenorientierung. «Der Resilienz-Ansatz zielt auf die Stärken und Fähigkeiten und die individuellen Kapazitäten zur Stressbewältigung», wie Stephanie Borgert in ihrem Buch «Resilienz im Projektmanagement» schreibt.

Die Bedeutung des Themas in Unternehmen nimmt seit einigen Jahren zu, denn rund jede vierte erwerbstätige Person empfindet Stress am Arbeitsplatz. Der Anteil emotional erschöpfter Personen tendiert gegen 30 Prozent, wie die Erhebung des Job-Stress- Index 2018 von Gesundheitsförderung Schweiz zeigt. Diese Produktivitätsverluste kosten die Arbeitgeber rund 6,5 Milliarden Franken pro Jahr.

Betriebliche Voraussetzungen

Alle angefragten Versicherungsgesellschaften sind sich einig, dass die Führungskräfte bei der Resilienz­förderung eine entscheidende Rolle spielen. Die Allianz Suisse sensibilisiert ihre Kaderleute in Führungs­seminaren, damit sie das Thema Resilienz in den Teams verankern und individuell ansprechen. Ebenso handhaben es die Axa und die CSS.

Angesprochen auf die betrieb­lichen Voraussetzungen, mit denen die Resilienzfähigkeit der Mitarbeitenden gefördert werden kann, nennt Axa eine «offene und vertrauensvolle Unternehmenskultur, in der Themen wie Gesundheit ernst genommen und auch Tabuthemen angesprochen werden». Auch die Mobiliar sieht die Basis in einer Kultur der Zusammenarbeit, in der Offenheit und Vertrauen fun­damental sind. Für die Allianz Suisse ist es «entscheidend, dass das Mana­gement sich zur Relevanz dieses Themengebietes bekennt und die entsprechenden Massnahmen vorantreibt».

Die CSS findet, dass Offenheit, auch von der Führungsetage her, äusserst relevant sei für solche Themen und deren Gewichtung. Allerdings denkt CSS-Personalentwick­lerin Désirée Gasser, dass das Thema Resilienz noch in den Kinderschuhen steckt und oft kritisch betrachtet wird – auch wenn die Seminare sehr gut besucht seien und es positives Feedback gebe. «Unsere Gesellschaft ist stark auf Leistung getrimmt. Schnell, viel, gut arbeiten steht immer noch im Fokus», ist Gasser überzeugt. «Themen wie Resilienz werden zwar aufgenommen, aber viele Leute erkennen noch zu wenig, wie viel Potenzial und Präventionsmöglichkeiten hier drinstecken.» 

 

 

Den gesamten Beitrag lesen Sie in der Mai-Ausgabe der «Schweizer Versicherung».

Cover SV 5
Quelle: Schweizer Versicherung