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Blockchain-Technologie
Der grosse Hype

Blockchain-Technologie und vor allem Cryptowährungen erfahren derzeit einen richtigen Hype
Kryptowährungen wie Bitcoin basieren auf der Blockchain-Technologie. Die Gemeinden am Zugersee sind mittlerweile ein Anziehungspunkt für einschlägige Fintechs geworden und Zug wird bereits als Crypto Valley bezeichnet.Quelle: ZVG

Erste Banken führen neue Services auf der Basis von Blockchain-Technologie ein. Es bestehen indes noch technologische und kommerzielle Risiken. Es fehlt auch an griffigen Regeln im Bereich der Kryptowährungen und Initial Coin Offerings.

Von Matthias Niklowitz
am 14.03.2018

Es begann mit einer Parodie auf den Bitcoin: Ende 2013 wurde der Dogecoin lanciert. Die Bezeichnung leitet sich vom japanischen Shiba-Inu-Hund ab, der in Japan gerne als Maskottchen gehalten wird. Die Währung wurde bis auf einmal für eine Spendenaktion für die Olympiateilnahme eines Sportlers nie wirklich genutzt. Anfang 2018 erreichte der Wert aller umlaufenden Dogecoins 2 Milliarden US-Dollar, nach der jüngsten harschen Korrektur ist die Bewertung immer noch bei einer Milliarde Dollar. Selbst der Erfinder, Billy Markus aus dem US-Bundesstaat Oregon, kann sich diese Schwankungen nicht erklären, wie er an der Money-2020-Konferenz erklärte. Und das ist nicht das einzige skurrile Beispiel: Die New Yorker Getränkefirma Long Island Iced Tea Corp. sah einen geradezu explodierenden Aktienkurs, nachdem sie sich auf «Long Blockchain Corp.» umbenannt hatte. 
Solche Fälle sind nicht nur Ausdruck einer Spekulationsblase. Die Blockchain-Technologie ist im Mainstream angekommen, jedenfalls medial. Seit Sommer 2017 berichten selbst Tageszeitungen regelmässig über die steigenden - und seit Anfang 2018 auch über die stark fallenden - Preise von Kryptowährungen wie dem Bitcoin. Parallel dazu gibt es Beiträge zu den Initial Coin Offerings (ICOs), mit denen sich junge Firmen auch aus der Schweiz Kapital direkt organisieren. Etliche junge Entwickler, die sich an den Branchen-Meet-ups in Zürich völlig unauffällig und unaufgeregt bewegen, sind dadurch innert Monaten zu mehrfachen Millionären aufgestiegen. Einer der schweizerischen Stars der Branche ist Richard Olsen, der die Handelsplattform Lykke aufgebaut hatte.

 

Unregulierte Parallelwährungen

Treffpunkt der Branche war Mitte Januar St. Moritz. Dort fand die erste Crypto-Finance-Konferenz statt; die teilweise sehr mondäne, handverlesene Teilnehmerschar liess sich nicht durch die Ticket-Preise von 3700 Euro abschrecken. Vertreten waren laut Finews auch Julius-Bär-Nachfahre Raymond J. Bär, der Hedge-Fund-Pionier Rainer-Marc Frey und der Grossindus­trielle Jorge Paulo Lemann. Einige der 160 Teilnehmer hätten gegenüber den Veranstaltern kundgetan, dass sie kein Problem mit den Zugangspreisen hätten – sie würden auch das Dreifache auslegen, damit diese Veranstaltung noch exklusiver gehalten werden könne. Als grösste praktische Pro­bleme erwiesen sich gemäss den Veranstaltern die beschränkte Anzahl der Flugzeug-Abstellplätze auf dem nahe gelegenen Flugplatz Samedan sowie die ebenfalls zu geringe Anzahl an gros­sen Suiten im Suvretta-Haus.
Gemäss «Financial Times», die in St. Moritz als einer der wenigen Me­dienvertreter zugelassen war, war die Stimmung trotz misslicher Rahmenbedingungen sehr gut. Der Bitcoin-Preis hat seit Anfang 2018 deutlich korrigiert und ein Versprechen nicht eingelöst: Der Preis fiel im Januar weitgehend parallel zu den wichtigsten konkurrierenden konventionellen Assets Aktien, Bonds und zum US-Dollar. Noch schmerzlicher war die Tatsache, dass der Bitcoin fiel und der Goldpreis gleichzeitig stieg. Dabei, so die Verfechter, sollte die bekannteste und grösste Kryptowährung theoretisch ein idealer «Safe Haven» bei fallenden Preisen von konventionellen Assets sein, zusammen mit Gold.  
Es zeigte sich, dass etliche ICOs keinesfalls den Kriterien von seriösen Venture-Capital-Investments entsprochen haben. Bei ICOs dominieren – auch bei den in und von der Schweiz aus lancierten ICOs – vage Versprechen und dünne Beschreibungen künftiger Produkte. Investoren halten mit ihren Coins bzw. Token Ansprüche, die jenen von Partizipationsscheinen oder von Vouchern (auf zukünftige Nutzung von Produkten und Services) ähneln oder von Quittungen (zum Beispiel für ein Geschenk, das möglicherweise 2019 von der Steuer absetzbar ist). Auch im Krypto-Valley gibt es Ungereimtheiten, die offensichtlich werden, wenn Start-up-Firmen wie etwa Monetas.net schliessen.
Auch deshalb schauen sich die Regulierungsbehörden das Treiben bei den Kryptowährungen genauer an (vgl. Box Regulierung). In einzelnen Ländern wie China oder Südkorea sind Verbote beziehungsweise grosse Einschränkungen erlassen worden. In China hatte man bereits vor Jahren in einer vergleichbaren Situation reagiert, als die Token der Internet-Spiele von einigen Geschäften als Zahlungsmittel akzeptiert wurden.
Im Gegensatz dazu ist der Bitcoin in Japan als Zahlungsmittel zugelassen. «Wir beobachten, dass in asiatischen Ländern die Hürden teilweise erheblich tiefer gesetzt werden als in Europa», sagt Patrick Allemann, der in Zürich mehrere Blockchain-Firmen aufgebaut hat. Leitsätze wie «probieren wir es mal» und «lassen wir es mal laufen» stünden dort mehr im Vordergrund als «ich wäre da vorsichtig» und «das ist eine Grauzone mit Restrisiko», wie das hierzulande der Fall sei.
Weltweit sind sich die Aufsichtsbehörden aber einig: Die Coins und Token müssen auch unter Gesichtspunkten des Konsumentenschutzes und der Geldwäschereigesetze in irgendeiner Form reguliert werden. Die zugrunde liegende Blockchain-Technologie hingegen ist davon nicht betroffen. Und das Wachstumspotenzial ist riesig, wie Lykke-Gründer Olsen sagt, denn es lasse sich praktisch alles über die gleiche Basistechnologie handeln.

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