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Finanzmarktinfrastruktur
Wird SIX zum Banken-Disruptor?

SIX
SIX nützt die Blockchain-Technologie für den Bau einer integrierten Börseninfrastruktur.Quelle: ZVG

Die von der SIX betriebene Schweizer Börse könnte mit dem kürzlich angekündigten Bau einer vollständig integrierten Infrastruktur für den Handel, die Abwicklung und die Verwahrung von digitalen Vermögenswerten den Banken in die Quere kommen.

Von Matthias Niklowitz
am 18.07.2018

Die Finanzmarktinfrastrukturbetreiberin SIX hatte am 6. Juli angekündigt, ein neues System für die Emission, den Handel, das Clearing und Settlement sowie für die Speicherung von digitalen Assets auf der Basis der Blockchain-Technologie zu entwickeln. «Mit SIX Digital Exchange entsteht eine sichere und stabile Plattform für die Emission, den Handel, die Abwicklung und die Verwahrung von digitalen Vermögenswerten», erklärte ein SIX-Sprecher auf Anfrage. «Die unmittelbare Abwicklung des Handels kann zu einer wesentlichen Reduktion der Kapitalkosten und bei all den damit verbundenen Aktivitäten wie zum Beispiel der Bereitstellung von Sicherheiten führen.»
Laut Analysten ist das weit untertrieben, denn die SIX krempelt damit gleich drei Bereiche um: Zunächst entfallen zukünftig bei den Banken die Depots in ihrer bisherigen Form, auch die Kernbankensysteme werden die entsprechenden Module nicht mehr benötigen. Dann geht die SIX damit ins KMU-Finanzierungsgeschäft, wo sich auch andere Fintech-Unternehmen tummeln. Schliesslich gibt es laut Personen, die mit der Materie vertraut sind, konkrete Überlegungen, auch in das B2C-Geschäft einzusteigen. Die bisherigen Kunden einer Bank können via Wallet direkt Kunden der SIX werden.  
Und wenn ab 2025 auch das Zahlungssystem auf ein ähnliches System umgestellt würde, bliebe den Banken nur noch die Rolle als Aggregator-Service. Kleiner Trost laut Analysten: Dann würde auf der Seite der Banken auch ein grosser Teil der Regulierungskosten wegfallen.