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Kreditfabrik
Neue Plattform für Immobilienkredite

Eigentumswohnungen
Hypothekarkredite für Eigenheime sind bei den meisten Inlandbanken in der Schweiz das mit Abstand wichtigste Standbein.Quelle: ZVG

«Credit Exchange» heisst eine neue Plattform für das Immobilienkreditgeschäft. Sie soll in der zweiten Jahreshälfte starten.

Von Matthias Niklowitz
am 30.05.2018

Die Clientis Zürcher Regionalbank, die Versicherungen Vaudoise und Mobiliar, das Beratungshaus EY als strategischer Berater sowie Swisscom kündigten diese Woche in einem kleinen Rahmen den Start der «Credit Exchange» an. Dabei handelt es sich um eine neue Plattform für das Immobilienkreditgeschäft, wie die Beteiligten Ende Mai an einer Veranstaltung in Zürich bekanntgegeben haben. 
Die neue Plattform soll die bisherigen Schwächen des Marktes beheben, indem sie diese Schwächen in technologische und kommerzielle Vorteile umbiegt, woraus sich ein Angebot im Back-End der Prozesskette entwickeln soll. Das ist ein Bereich, in dem die Fintech-Unternehmen bisher kaum aktiv gewesen sind, weil es sich da nicht um die Kundenschnittstelle mit den Kundendaten handelt. 
Eine der Schwächen des gegenwärtigen Hypothekengeschäfts sind die Laufzeit-Restriktionen, welche das Vertriebspersonal von den Banken bekommt. Dadurch können sich die Vertriebler nicht optimal um die Bedürfnisse der Kunden kümmern, sodass befürchtet werden muss, dass diese zu einer anderen Bank wechseln und dort ihre Geschäfte abschliessen. Auf den Kosten für die Beratung und für die Risikobeurteilung bleiben die Banken oft sitzen – und diese Kosten werden anderweitig quer verrechnet. 
Die neue Kreditfabrik – ein Vorbild gibt es mit der Glarner Kantonalbank bereits – zielt auf den Verbindungsteil der Wertschöpfungskette, auf das Element zwischen der Nachfrage nach Krediten und den Angeboten von Kreditgebern unterschiedlicher Herkunft. An dieser Stelle sitzt ein Computersystem, mit dem die Banken, welche dem Kunden die Immobilie zeigen, gleich in Realtime konkrete Angebote machen können. Und Finanzeinrichtungen (inklusive Pensionskassen, Fonds und Family Offices), die Geld zur Verfügung stellen, haben ebenso die Möglichkeit, die Gelder ihren eigenen Richtlinien entsprechend anzulegen. 
Ob Credit Exchange für eine interessierte Bank finanziell interessant ist, hängt vor allem vom Ausmass ihrer Beteiligung und von ihrer Rollenfestlegung ab: Sie kann beispielsweise mit einem besseren und rascheren Service punkten, weil die Plattform solche Services unterstützt. Sie kann auch Teile der Backoffice-Aufgaben auslagern und dadurch Kosten einsparen (und diese Vorteile gegebenenfalls den Kunden weitergeben). Oder sie kann sich auf den eigentlichen Kundenkontakt und auf den Verkaufsprozess beschränken, Gebühreneinnahmen generieren und das Geschäft selber in anderen Bilanzen verschwinden lassen. Oder sie kann sich auf die Kreditgeber-Seite stellen und zielgerichtet Volumen generieren, und dies in jenem Bereich, den die Bank bilanztechnisch als nützlich ansieht. Oder sie kann beide Seiten des Geschäfts bespielen und die Abwicklungstechnologie nutzen - und dadurch Kosten reduzieren sowie die Prozesse deutlich beschleunigen. 
Der Start der Plattform ist für die zweite Jahreshälfte geplant. Zuvor werden intern Verfahren und Prozesse geprüft und optimiert, wie es von den Promotern heisst.