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Privatbanken
Deutliche Worte von Collardi und Mirabaud

Yves Mirabaud
Yves Mirabaud, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken und der Fondation Genève Place Financière, plädiert für Rahmenbedingungen, die den Banken ermöglichen, sich in der Schweiz zu entwickeln.Quelle: ZVG

Yves Mirabaud, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken (VSPB) und Boris Collardi, seines Zeichens Präsident der Vereinigung Schweizerischer Assetmanagement- und Vermögensverwaltungsbanken (VAV) haben an ihrer gemeinsamen Medienkonferenz die Notwendigkeit einer differenzierten Regulierung und der Sicherung des Marktzugangs betont.

Von René Maier
am 26.01.2018

Boris Collardi, dessen Wechsel von Julius Bär zu Pictet vor Jahresfrist Aufsehen erregte, unterstrich einmal mehr die Bedeutung und das Gewicht der Vermögensverwaltung für den gesamten Finanzplatz Schweiz. Das Private Banking generiere über 50 Prozent aller Erträge des hiesigen Bankensektors. Damit ist es die tragende Säule des Finanzplatzes. Er nutzte aber auch die Gelegenheit, um «mit überholten Vorurteilen gegenüber dem Private Banking aufzuräumen und  Albtraumszenarien über den Zustand der Branche richtigzustellen». 

Collardi wies auf die Wichtigkeit des grenzüberschreitenden Geschäfts hin, das rund zwei Drittel zum generierten Bruttoertrag beisteuere. «Es ist wichtig, das Private Banking in der Schweiz noch klarer als Schlüssel-Exportbranche unseres Landes zu positionieren», betonte Collardi. Er erinnerte daran, dass die Schweiz rund 25 Prozent des weltweiten grenzüberschreitenden Vermögens von 10 000 Milliarden US-Dollar verwaltet und damit noch an der globalen Spitze liegt. Gleichzeitig warnte er, diese Spitzenposition sei keineswegs in Stein gemeisselt, und einige konkurrierende Finanzplätze, insbesondere in Asien, würden schneller wachsen. «Damit Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuererträge möglichst hierzulande erhalten bleiben, ist es unabdingbar, dass wir unsere Dienstleistungen von der Schweiz aus in strategisch relevante Länder und Regionen aktiv exportieren können.» Collardi hob Westeuropa mit einem Anteil von 40 Prozent am grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft als wichtigsten Exportmarkt für das Schweizer Private Banking hervor. Allein mit der Verwaltung der fast 1000 Milliarden Schweizer Franken von Kunden mit EU-Domizil würden sich in der Schweiz rund 20 000 Personen befassen, und die Schweiz könne dadurch Steuereinnahmen von jährlich rund 1,5 Milliarden Schweizer Franken verbuchen. Damit dies so bleibe, sei die Branche auf einen ungehinderten und aktiven Marktzugang zur Europäischen Union angewiesen und ebenso auf ein intaktes und stabiles politisches Verhältnis. Ein Alleingang könne für die Schweiz keine Option sein.

In diesem Zusammenhang sprach sich Boris Collardi für eine Reformagenda aus, die der Eigenschaft des Private Banking als Exportbranche Rechnung trage und insbesondere den Zugang zu den Märkten der EU sowie zu den schnell wachsenden Regionen gewährleiste. Um dieses Ziel zu erreichen, gelte es, die folgenden drei Wege einzuschlagen: Abschluss von bilateralen Verträgen mit den wichtigsten EU-Mitgliedstaaten; zweitens müsse sichergestellt werden, dass die hiesigen regulatorischen Bestimmungen, die den europäischen Richtlinien entsprechen würden, von der EU auch als äquivalent anerkannt würden; drittens müsse die Prüfung eines Finanzdienstleistungsabkommens vorangetrieben werden.

Gerade bei den Äquivalenzanforderungen erfülle die Schweiz die Anforderungen der EU. «Jetzt ist die EU am Zug und muss endlich beweisen, dass sie ein verlässlicher Partner ist. Die parallel laufende Verhandlung um den Brexit darf nicht als Ausrede genutzt werden, um künstlich zuzuwarten», sagte Collardi.

Abschliessend zählte Boris Collardi weitere zwingende Reformmassnahmen auf, die ermöglichen könnten, die Wettbewerbsfähigkeit der Vermögensverwaltungsbranche in der Schweiz langfristig zu sichern. So betonte er die Rolle, die das Swiss Finance Institute ausfüllen müsse, um eine erstklassige Ausbildung und Weiterbildung der Bankmitarbeitenden zu garantieren. Ferner wies er auf die Wichtigkeit hin, von «Swiss Finish»-Regulierungen abzusehen und in Bezug auf die internationalen Standards wie automatischer Informationsaustausch ein «Level Playing Field» sicherzustellen. Ausserdem sollten die Behörden und die Branche den Schweizer Finanzplatz gemeinsam aktiv vermarkten, um dessen gutes Image zu pflegen. Und schliesslich sei eine engere Zusammenarbeit zwischen den Branchenakteuren notwendig – etwa durch einen verstärkten Dialog mit den unabhängigen Vermögensverwaltern.

In Bezug auf die Industrialisierung hob Collardi die Rolle des Finanzmarkt-Infrastrukturbetreibers SIX hervor. Der Einsatz geeigneter technologischer Anwendungen und Dienstleisterlösungen spiele eine zentrale Rolle. Er begrüsse die Schaffung des neuen geschäftlichen Standbeins «Netzwerkservices» der SIX sehr. Er empfahl, dieses Momentum für eine bankenseitige Bündelung der Kräfte zu nutzen.



 

Yves Mirabaud: «Legalität und Moral nicht verwechseln» 

Seit der Finanzkrise 2008 haben sich die regulatorischen Vorschriften im Bank- und Finanzbereich kontinuierlich verschärft. «Zehn Jahre später sehen sich die Finanzplätze mit einer regelrechten Regulierungswelle konfrontiert.» Mirabaud klagte, dass die kleinen und mittelgrossen Vermögensverwaltungsbanken die verstärkte Anwendung der internationalen Standards, die ursprünglich für die Regulierung der systemrelevanten Banken geschaffen worden sei, mit voller Wucht zu spüren bekommen würden. Die Kosten für die Erfüllung der regulatorischen Auflagen hätten sich für diese Institute innert zehn Jahren mehr als verdoppelt. Sie würden erheblich leiden unter der verschärften Anwendung internationaler Standards, die ursprünglich für die systemrelevanten Banken vorgesehen gewesen waren.

Der Präsident der VSPB zeigte sich erfreut über die Absicht der Finma, den regulatorischen Schraubstock für die kleinsten Institute zu lockern. Er forderte aber, den von der Finma vertretenen Grundsatz der Verhältnismässigkeit noch konsequenter umzusetzen, damit die Vielfalt des Bankensektors erhalten bleibe. In der Praxis definiert die Finma nämlich die Aufsichtskategorien auf der Grundlage rein quantitativer Kriterien, beispielsweise anhand der Bilanzsumme oder der verwalteten Vermögen. Hingegen verschliesst sie sich zu oft vor einer differenzierten Beurteilung auf der Basis der Geschäftsmodelle der Banken und der Risiken, die sie tatsächlich darstellen. Würde man dies aber tun, könnten Banken der Kategorie 3, die nur wenige Risiken aufweisen, von gewissen Erleichterungen profitieren.

Yves Mirabaud verwies auf die Anstrengungen der Banken in diesem Bereich. Sein Anliegen: Die ungerechtfertigte Kritik an den Instituten und an ihren Kunden, die übrigens völlig legal juristische Personen nutzen würden, möge aufhören. Seiner Meinung nach dürfen Legalität und Moral nicht verwechselt werden. «Die Einsicht, dass nicht alles gesetzlich Erlaubte auch unbedingt moralisch ist, darf nicht dazu führen, alles unethisch empfundene Verhalten als kriminell einzustufen», erklärte er. Vielmehr plädierte er für Rahmenbedingungen, die den Banken ermöglichen würden, sich in der Schweiz zu entwickeln. Dies sei umso wichtiger, da die gesamte Wirtschaft betroffen sei. Da die VSPB-Mitgliedsbanken mehr Arbeitsplätze im Ausland als in der Schweiz schaffen, gehen für die Schweizer Wirtschaft Löhne in der Höhe von 250 Millionen Franken und für den Fiskus Steuern von 100 Millionen Franken verloren. «Es gilt sicherzustellen, dass es zu einer echten Differenzierung zwischen den systemrelevanten Banken und den übrigen Instituten kommt, um die Vielfalt, die Chancengleichheit und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Finanzplatzes zu garantieren», schloss Yves Mirabaud seine Ausführungen.