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  3. Raiffeisen zeigt Pierin Vincenz ungetreue Geschäftsbesorgung im Aduno- und Investnet-Umfeld an

Strafverfahren
Pierin Vincenz am Pranger

Der ehemalige Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz muss sich vor der Staatsanwaltschaft verantworten
Der Fall von Pierin Vincenz geht weiter. Der ehemalige Raiffeisen-CEO muss sich vor der Oberstaatsanwaltschaft verantworten. Quelle: ZVG

Raiffeisen pocht auf Transparenz im Fall Pierin Vincenz und hat gegen ihn Strafanzeige eingereicht. Dies, nachdem die Oberstaatsanwaltschaft Zürich ein Strafverfahren gegen den ehemaligen CEO von Raiffeisen eröffnet hat. Der Vorwurf lautet auf ungetreue Geschäftsbesorgung im Aduno- und Investnet-Umfeld.

Von René Maier
am 28.02.2018

Am 27. Februar hat die Polizei bei Pierin Vincenz und vier weiteren Personen eine Hausdurchsuchung durchgeführt und umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Der Verdacht auf ungetreue Geschäftsbesorgung und die für Raiffeisen neuen Indizien der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich in Sachen Aduno und Investnet nehme man zum Anlass, auf eine juristische Aufklärung aller Vorgänge in der Vergangenheit zu drängen, teilte Raiffeisen mit. Darum habe der Verwaltungsrat auf Antrag der Geschäftsleitung beschlossen, als Privatklägerin dem Verfahren der Staatsanwaltschaft beizutreten und darüber hinaus Strafanzeige gegen den ehemaligen Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz, der bis im Juni 2017 Verwaltungsratspräsident der Aduno Gruppe war, sowie gegen weitere möglicherweise involvierte Personen einzureichen. Raiffeisen leiste damit «einen maximalen Beitrag zur lückenlosen Aufklärung aller Vorgänge» und behalte sich zudem alle weiteren rechtlichen Schritte vor. Es gelte die Unschuldsvermututung.

Wie die Aduno Gruppe ihrerseits bestätigte, habe man am 21. Dezember 2017 gegen zwei frühere Verwaltungsräte Strafanzeige wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung eingereicht. Zuvor hatte der Verwaltungsrat verschiedene Übernahmen, welche die Aduno Gruppe in den letzten Jahren getätigt hatte, von einer Anwaltskanzlei auf ihre Rechtmässigkeit untersuchen lassen. Am gleichen 21. Dezember hatte die Finanzmarktaufsicht (Finma) ein Enforcementverfahren gegen Pierin Vincenz beendet, nachdem er als Verwaltungsratspräsident der Helvetia zurückgetreten war und sich entschieden hatte, von seinen Führungsfunktionen bei beaufsichtigten Instituten generell zurückzutreten und auch künftig auf solche Funktionen zu verzichten. Gegen Raiffeisen läuft ein Verfahren indes weiter. Die Finma hatte die Verfahren gegen Raiffeisen und Vincenz unter anderem im Zusammenhang mit intransparenten Transaktionen bei der Private-Equity-Firma Investnet Holding eröffnet. 

 

Raiffeisen verkauft Investnet

Am 26. Februar hat Raiffeisen darüber informiert, dass sie zusammen mit den Minderheitsaktionären die Beteiligungsverhältnisse an der Investnet Holding neu organisiert und Investnet verkauft. Damit werden die Investnet Holding, die KMU Capital und die Investnet entflochten. Diese Verflechtungen und daraus folgende Interessenkonflikte hatten die Finma auf den Plan gerufen. Als bisherige Mehrheitsaktionärin der Investnet Holding übernimmt Raiffeisen die KMU Capital zu 100 Prozent. Im Gegenzug übernehmen die bisherigen Minderheitsaktionäre die Investnet vollständig. Damit werden laut Mitteilung die Kapitalgeberfunktion und Investment Advisory klar voneinander getrennt. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Gesellschaften KMU Capital und Investnet wird in einem Kooperationsvertrag geregelt. Im Zuge dieser Neuordnung werden auch die Verwaltungsräte der Investnet-Gesellschaften neu besetzt. Pierin Vincenz, der amtierende Verwaltungsratspräsident, wird an den kommenden Generalversammlungen dieser Gesellschaften Anfang April nicht mehr zur Wahl in die Gremien und ins Investment Committee antreten. Er wolle sich im Rahmen des Investnet-Vereins auf sein unternehmerisches Engagement als privater Investor konzentrieren und die Beteiligungsgesellschaften auch unter Einsitz in Verwaltungs- und Aufsichtsräte bei ihrer Weiterentwicklung begleiten.