Nach der Finanzkrise musste sich eigentlich jedes Finanzunternehmen fragen, wie es sich für die kommenden Jahre aufstellen möchte. Für einige war rasch klar, dass sie eine längere Phase von tiefen Zinsen vor sich hatten. Zusätzlich zeichnete sich schon ab, dass die Kapitalvorschriften immer strenger und es deutlich schwieriger werden würde, im klassischen Versicherungsgeschäft weiterhin erfolgreich zu wachsen.

Ausführliche Gedanken, wie sie sich in diesem Umfeld aufstellen wollen, machte sich Swiss Life. Das Unternehmen beschloss schon früh, die Erträge noch breiter zu diversifizieren und insbesondere das Vermögensverwaltungsgeschäft stärken zu wollen. Andere Versicherungen sind diesem Beispiel inzwischen gefolgt, allerdings mit einem deutlichen zeitlichen Abstand.

Angebot erweitert

Zum Beispiel die Baloise, welche sich Drittmandate vor zwei Jahren zum Fokusthema gesetzt hat. «Seit 2017 arbeiten wir konsequent am Ausbau der Dienstleistungen für Dritte von Baloise Asset Management. Wir haben die Produktepalette erweitert, wichtige Kompetenzen aufgebaut und unsere Strukturen angepasst», so Matthias Henny, Group CIO und Leiter Baloise Asset Management. Letztes Jahr sei ausserdem ein Immobilienfonds für Drittkunden lanciert worden. «Entsprechend konnten wir unsere Net New Assets in den vergangenen zwei Jahren deutlich steigern.» Baloise Asset Management verfolge teilweise auch neue Investmentansätze wie etwa systematisch regelbasiertes Investieren. Zudem nutze man künstliche Intelligenz im Portfoliomanagement, wie das Beispiel der erst kürzlich erworbenen Beteiligung an Brainalyzed zeige.

Auch die Mobiliar ist ins Geschäft mit Drittkunden eingestiegen und bietet ihre Asset-Management-Dienst- leistungen seit Anfang Jahr institutionellen Kunden wie zum Beispiel Pensionskassen an. «Wir wollen den erfolgreichen Managementansatz in der Verwaltung unserer Bilanzgelder und dem Vermögen unserer Pensionskassen auch bestehenden und neuen Kunden zugänglich machen», erklärt Thomas van Ditzhuyzen, Leiter Investment Solutions. Die Kundengelder würden nach den gleichen Kriterien angelegt wie das eigene Vermögen: nach dem Grundsatz Sicherheit vor Rendite.

Viel Durchhaltevermögen notwendig

Neueinsteiger brauchen für den Aufbau des Drittkundengeschäfts einen langen Atem, wie das Beispiel Swiss Life zeigt. Von 2009 bis 2011 hat sich der Versicherer intensiv damit befasst, wie der seit Jahren bestehende Geschäftsbereich besser positioniert werden kann, und hat die entsprechenden Business-Pläne aufgestellt. Erstmals öffentlich angekündigt wurde die neue Strategie am Investorentag 2012 mit dem Ziel, das Drittkundengeschäft und den neu lancierten Brand «Swiss Life Asset Managers» stark in den Fokus zu rücken und diesen Geschäftszweig in den kommenden Jahren deutlich auszubauen.

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Die Rechnung scheint aufzugehen: Alleine im ersten Halbjahr 2019 konnte Swiss Life Asset Managers 6,2 Milliarden Franken dazugewinnen und lag damit bereits bei 79,5 Milliarden Franken, die sie für Drittkunden nun insgesamt verwalten. Zusammen mit den Assets, die man für das eigene Versicherungsgeschäft verwaltet, liegen die Assets under Management insgesamt bei rund 250 Milliarden Franken. Bis 2021 hat sich Swiss Life im Rahmen des neuen Strategieprogramms das Ziel gesetzt, die Drittkundengelder auf 100 Milliarden Franken zu steigern. Falls dies gelingt, wird Swiss Life Asset Managers gemäss aktuellen Prognosen mehr als doppelt so stark wachsen wie der Gesamtmarkt. «Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel, aber wir sind zuversichtlich, dass wir die dreistellige Milliardenmarke bis 2021 knacken», so Michael Klose, CEO Third-Party Asset Management bei Swiss Life Asset Managers (siehe «Nachgefragt» S. 23).

Andere Länder, andere Kunden

Wer im Drittkundengeschäft zur Kundengruppe gehört, variiert von Land zu Land. Generell verfolgt Swiss Life die Philosophie, ihren Kunden vorwiegend diejenigen Anlageklassen anzubieten, in die sie als Versicherung auch selbst investiert und wo sie bereits jahrelange Erfahrung vorweisen kann. In der Schweiz sind die Pensionskassen eindeutig die grösste Kundengruppe. Darüber hinaus verwaltet Swiss Life Asset Managers im institutionellen Bereich auch signifikante Gelder für andere Versicherungen. In Frankreich zählt Swiss Life Asset Managers zu den Top 10 der Money-Market-Anbieter und hat damit hauptsächlich Treasury-Abteilungen grosser Unternehmen im Kundenportfolio. Im dritten Kernmarkt Deutschland ist Swiss Life Asset Managers erst vor wenigen Jahren ins Drittkundengeschäft eingestiegen. Mit seiner Infrastruktur-Expertise konnte sich das Unternehmen hier bislang hauptsächlich bei Vorsorgewerken und Versicherungen platzieren.

«Im vergangenen Jahr konnten wir eine Schweizer Krankenversicherung als neue Mandantin gewinnen», freut sich Klose. Das Besondere daran sei, dass diese die gesamte Vermögensverwaltung und weitere damit verbundene Dienstleistungen an Swiss Life ausgelagert habe. «In diesem konkreten Fall haben wir nicht nur mit unserer Asset-Management-Kompetenz überzeugt, sondern eben auch damit, dass wir die gesamten weiteren Module wie ALM und Risk Reporting aus einer Hand anbieten können.»

An Kernthemen arbeiten

Um die hochgesteckten finanziellen Ziele im Drittkundengeschäft erreichen zu können, hat sich Swiss Life Asset Managers aktuell vor allem folgende strategische Schwerpunkte gesetzt: den Ausbau und die intensivere Vermarktung der Infrastruktur-Expertise, einen verstärkten Fokus auf das Angebot im Aktienbereich, die strategische Nutzung der Vorreiterrolle in Europa als Real Estate Manager sowie die Lancierung einer investmentbasierten Gesamtlösung im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge in Deutschland. Die Massnahmen im Detail:

  • In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen eine starke Infrastruktur-Expertise aufgebaut. Das Team in Deutschland ist hier im Vertrieb der Fondslösungen laut Michael Klose schon sehr erfolgreich. Swiss Life Asset Managers will dieses Geschäftsfeld noch weiter ausbauen und auch in anderen Ländern neue Kundengruppen erschliessen. Der Bereich Infrastruktur sei sowohl für die Kunden als auch für sie selbst als Asset Manager sehr attraktiv: Die Kunden profitieren von attraktiven Renditen und das Unternehmen von interessanteren Margen im Vergleich zu anderen Produkten.
  • Das Unternehmen rückt den Aktienbereich in den Fokus, da man hier sehr gut aufgestellt, aber noch nicht so bekannt dafür ist. Im Markt nimmt man das Unternehmen immer noch hauptsächlich für Immobilien und Fixed Income wahr. Deshalb ist es für Klose auch ein persönliches Ziel, den Bereich Equity noch stärker nach aussen zu vermarkten. «Ich denke, da haben wir noch Luft nach oben.»
  • Im Bereich Immobilien ist Swiss Life Asset Managers gemäss Klose sehr gut platziert. Als grösster europäischer Real Estate Manager könne man den Kunden länderübergreifende Produkte anbieten. Aus dieser starken Stellung heraus will man in den kommenden Jahren einige neue Produkte lancieren.
  • Was den deutschen Markt angeht, so ist dieser momentan mit Blick auf die betriebliche Altersvorsorge laut Michael Klose ziemlich im Umbruch und wandelt sich sehr stark in Richtung Asset-Management-Lösungen für Pensionsverbindlichkeiten. Deshalb sei sein Unternehmen gerade dabei, sich stärker im Markt zu positionieren und innovative Gesamtlösungen im Bereich der investmentbasierten betrieblichen Altersvorsorge zu lancieren. Als Asset Manager mit einem Versicherungshintergrund sieht sich Klose auch hier hervorragend platziert.
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Digitale Vermögensverwalter Aauf dem Vormarsch

Robo Advisory ist ein FinTech-Begriff und bezeichnet den gesamten Bereich rund um die automatisierte Beratung und Abwicklung in der Anlage- und Vermögensverwaltung über Online-Tools – also ohne direkten Kontakt zwischen Kunde und Fachberater. Einerseits sollen damit mehr Menschen Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung erhalten. Gleichzeitig sollen Anleger vor emotional getriebenen und daher suboptimalen Anlageentscheidungen geschützt werden. Laut Statista Digital Market Outlook (DMO) kommen von den zwölf grössten Unternehmen aus diesem Bereich allein neun aus den Vereinigten Staaten.

Ein Robo Advisor ist ein Online-Instrument, eine intelligente Software, welche im Kern voll automatisiert und über Algorithmen drei Dinge tut:

  1. Online-Ermittlung der Risikobereitschaft eines Kunden im Anlagebereich aufgrund eines Fragenkataloges;
  2. Check der Anlagebedürfnisse des Kunden;
  3. Vorschlag der Anlagestrategie mit konkreter Empfehlung des Portfolios. Das alles geschieht online, sofort, ohne Gespräche mit Spezialisten und deshalb sehr kostengünstig. In der Regel kann ein User mit Kunden-Account im nächsten Schritt direkt online investieren.

Ersetzen kann der Robo Advisor den Vermögensverwalter kaum, aber Robo Advisory kann gemäss MoneyToday.ch die Branche ziemlich unter Druck setzen. Etablierte Vorgehensweisen und Konditionen werden infrage und zur Diskussion gestellt, weil ein Robo Advisor, der mit integrierter Intelligenz und Know-how arbeitet, kostengünstig( er) funktioniert und deshalb vorteilhafte(re) Konditionen im Investment-Bereich anbieten kann.

Ein noch wenig genutztes Potenzial liegt in hybriden Modellen, die auf die Bedürfnisse und Kommunikationswünsche der Kunden abgestimmt sind. Die Entwicklung geht in Richtung Robo-Advisor-Plattform als isoliertes Angebot für bestimmte Kundensegmente sowie Robo Advisory und Beratung durch Spezialisten in Kombination für anspruchsvolle Kunden.