Wie kamen Sie auf die Idee für GFN?

Kent Moerk: Ich habe in den letzten 15 Jahren Mittel für Privatunternehmen beschafft und auch selbst investiert. Dabei habe ich am eigenen Leib erfahren, wie schwierig das heutzutage ist. Einerseits für die Unternehmen: Die Unsicherheit sowie die direkten und indirekten Kosten sind exorbitant hoch. Aber anderseits ist auch für Investoren die Wahl der richtigen Unternehmen überaus knifflig.

Weshalb?

Die Branche ist sehr fragmentiert und das Risiko, auf zweifelhafte Persönlichkeiten zu stossen, ist auf beiden Seiten sehr hoch. Hinzu kommen die derzeit zu hohen Transaktionskosten, die mit einer fehlenden Transparenz einhergehen. Da habe ich mir gedacht: Wenn es einer Plattform gelingen würde, Transparenz zu schaffen, dadurch die Geschwindigkeit und Kommunikation zu verbessern und die Kosten auf dem Markt für Privatplatzierungen zu senken, wäre das ein attraktiver Markt.

Wie wollen Sie das konkret erreichen?

Auf unserer Finanzierungsplattform Global Finance Network wird bei jedem Neuzutritt anhand persönlicher Überprüfungen sichergestellt, dass es kein «Scheinkonto» ist. Zudem führen wir eine erste Due Diligence durch, bevor wir mit der Einführung beginnen, und unterstützen die Unternehmen dabei, «Investment-ready» zu werden.

Was muss man sich unter «Investment Readyness» vorstellen?

Im Rahmen dieses Prozesses prüfen wir bei jedem neu angemeldeten Unternehmen alle wichtigen Dokumente und helfen ihm bei der Erstellung eines Standard-Teasers. Damit stellen wir sicher, dass alle relevanten Informationen zum Unternehmen leicht zugänglich sind. Der Teaser wird für Broker und Investoren die Ausgangsbasis sein und ihre erste Bewertung der Firma massgeblich erleichtern.

Weshalb führen Sie keine vollständige Due Diligence durch?

Wir bewerten lediglich die Unternehmensdokumente, um das Risiko eines möglichen Betrugs zu reduzieren. Jeder Broker und Investor wird seine persönlichen Investitionskriterien in seinem Plattformprofil hinzufügen, damit ihn nur Unternehmensinformationen erreichen, die auf seinem Interesse basieren. So kann er Zeit sparen und auf der Grundlage des Reporting Standard wird es für ihn einfacher sein, Unternehmen zu bewerten und untereinander zu vergleichen.

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Was spricht denn heute gegen einen klassischen IPO?

Etwa Hedgefonds, die versuchen, den Aktienkurs zu senken, indem sie im Vorfeld negativ über das Unternehmen sprechen. Automatische Investitionsprogramme und Short-Positionen machen den öffentlichen Markt weiter sehr unberechenbar. Hinzu kommt eine hohe Regulierungs- und Kostenbelastung, die zur Bereitstellung von Finanzberichten mittlerweile nötig sind. Aus all diesen Gründen versuchen die meisten Unternehmen heute, so lange als möglich privat zu bleiben. Grosse IPO in den USA sind im Jahr 2019 dramatisch zurückgegangen, andere wurden in letzter Minute gestoppt.

«Einige Hedgefonds wollen den Aktienkurs senken, indem sie negativ über das Unternehmen sprechen.»

Was ist denn am jetzigen System intransparent?

Das derzeitige System basiert auf einem total undurchsichtigen Netzwerk von Maklern und Investoren, das es einem quasi verunmöglicht, zu verstehen, wo man überhaupt anfangen soll. Klar kann man versuchen, mit Hunderten oder Tausenden von Brokern, Investoren, Family Offices und Venture-Capital-Firmen Kontakt aufzunehmen, aber jeder der Marktteilnehmenden benötigt wieder unterschiedliche Informationen in unterschiedlichen Formaten. Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, einen guten Überblick und ein tiefergreifendes Verständnis über ihre Investitionskriterien zu erhalten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Investoren von bisherigen Vermittlern eine unnötig hohe Anzahl an Investitionsmöglichkeiten erhalten, an denen sie eigentlich gar nicht interessiert sind. GFN hingegen wird von Beginn weg klare Investitionskriterien für Investoren erstellen, sodass sie nur Investitionsvorschläge von Unternehmen erhalten, die diese Kriterien auch tatsächlich erfüllen. Und zwar in einem Standardformat, das ihnen die Bewertung erleichtert.

So etwas gibt es heute nicht?

Nein, leider nicht. Jedes Unternehmen berichtet unabhängig, was die Bewertung und den Vergleich von Unternehmen schwierig und zeitaufwendig macht. Hinzu kommt: Nirgendwo auf dem Markt kann heute ein Investor nach bestimmten Investments suchen, zum Beispiel nach persönlichen Suchkriterien. Sie können diese Investitionen oftmals nur tätigen, indem Sie in Fonds investieren, wodurch Sie aber dann den persönlichen Kontakt zum Unternehmen verlieren, hohe Verwaltungsgebühren bezahlen und möglicherweise sogar einen Teil ihres Gewinns an den Fonds zahlen müssen.

Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?

Einerseits zahlen uns Makler eine jährliche Gebühr, um Zugang zu den Unternehmen auf der GFN-Plattform zu erhalten, wo wir bereits die erste Due Diligence durchgeführt haben, was zusätzlichen Dealflow schafft und den Aufwand der Makler verringert. Der Broker wird die Möglichkeit haben, den Investoren auf der Plattform Investitions-Teaser zu unterbreiten. Anderseits zahlen Investoren eine jährliche Mitgliedschaft, um Zugang zu den Firmengeschäften zu erhalten – über den Broker. Die Unternehmen werden zudem 0,6 Prozent des Transaktionswertes an GFN zahlen, um die erste Due Diligence durchzuführen, Investment- ready zu werden und für die Einspeisung ins System. Andere Plattformen werden von Brokern – Finanzinstituten – verwaltet beziehungsweise kontrolliert, die aufgrund ihrer Erfolgshonorare ein Interesse an der Mittelbeschaffung haben. Mit unserem Geschäftsmodell hingegen werden wir die erste und einzige unabhängige, weltweit tätige Anlageplattform für professionelle Anleger wie High Net Worth Individuals (HNWI) und Family Offices sein.

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Kent Moerk
Quelle: ZVG

Der Vernetzer

Name: Kent Moerk

Funktion: CEO und Gründer, Global Finance Network, London

Alter: 62

Wohnort: Luzern

Familie: verheiratet, zwei Kinder

Ausbildung: BA Finanz und Administration, Süddänische Universität, Odense, Dänemark

Weshalb ist Ihre Zielgruppe auf HNWI beschränkt?

Die meisten Investitionen übersteigen ein Minimum von 25 000 Franken. Aufgrund von Vorschriften in den meisten Ländern können Privatanleger keine Investitionen in private Unternehmen tätigen. In den USA müssen sie über ein Vermögen von 1 Million Dollar (ohne Immobilienbesitz) verfügen, um direkt in private Unternehmen zu investieren; Grossbritannien hat ähnliche Gesetze.

Wer sind Ihre Konkurrenten?

Es gibt derzeit keine andere globale unabhängige Anlageplattform. Es gibt eine Reihe von Broker-Plattformen, die jedoch geografisch begrenzt sind und nur ein Land oder eine Region abdecken. Und sie sind nicht unabhängig, basierend auf ihren Erfolgshonoraren. Es gäbe noch Crowd-Finanzierungsplattformen, aber sie sind für den professionellen Anleger nicht relevant, sie sind auf Kleinanleger ausgerichtet.

Wie viele und welche Broker, HNWI und kapitalsuchende Firmen haben Sie bereits von Ihrer Idee überzeugen können?

Da wir in verschiedenen Ländern eine Genehmigung der Finanzaufsicht benötigen, haben wir noch nicht versucht, Unternehmen, Makler und Investoren auf die Plattform zu bringen. Wir haben mit über 200 Kontakten in Grossbritannien, Luxemburg, der Schweiz, Italien, Monte-Carlo und den USA gesprochen, um die Dienstleistungen zu evaluieren. Wir haben nur positive Reaktionen und Anfragen zur Erweiterung der Plattform erhalten. Die drei grössten Wünsche beziehungsweise Bedürfnisse sind: erstens eine globale unabhängige professionelle Plattform, zweitens die Verbesserung der Transparenz und Kommunikation sowie Berichterstattung und drittens die Reduktion nicht relevanter Empfehlungen. Alle drei Punkte decken wir mit unserer Plattform ab.