1. Abwechslungsreich und wendig bleiben:

Die Anleger müssen besonders darauf achten, ein gut diversifiziertes und robustes Portfolio zu verwalten. Unvermeidliche Überraschungen werden die Allokationen wiederholt infrage stellen. Die Anleger sollten sich im Klaren darüber sein, wie sie ihre Engagements aufbauen. Eine angemessene Höhe an Barmitteln bewahrt die Flexibilität, ohne die Strategie aus den Augen zu verlieren.

2. Portfolios absichern:

Um die Gewinne eines Portfolios abzusichern, sollten Anleger neben Gold auch den japanischen Yen und Put-Optionen in Betracht ziehen. Wir bevorzugen den japanischen Yen gegenüber dem Schweizer Franken, da der Franken seit 2015 eine schwächere Korrelation zum globalen Risiko aufweist. Put-Spreads auf Aktienindizes sind eine relativ attraktive Möglichkeit, ein Portfolio gegen einen starken Marktrückgang abzusichern. Schliesslich kann Gold, wenn es taktisch eingesetzt wird, eine Rolle als Diversifikator spielen und gegen Inflation, Volatilität und Marktängste absichern.

3. Identifikation der Rendite durch Carry-Strategien:

Die niedrigen Renditen der traditionellen festverzinslichen Wertpapiere erfordern einen aktiven Ansatz. Carry-Strategien, insbesondere im Hochzinssegment, dürften sich in diesem Umfeld gut entwickeln. Wir bleiben weiterhin in den Hartwährungen der Schwellenländer übergewichtet und erwarten, dass die Spreads stabil bleiben. Das Wachstum der Schwellenmärkte dürfte sich verbessern und China zeigt bereits Anzeichen einer Stabilisierung. Die Kredit-Fundamentaldaten sind solide, da die Unternehmen in den letzten Jahren konservativ waren, sodass der Nettoverschuldungsgrad der Schwellenländer weltweit zurückgeht. Anleger sollten sich bei der Auswahl von Unternehmen auf starke Kreditkennzahlen konzentrieren und das Crossover-Segment (BBB/BB) betrachten. Wir ziehen es vor, die Kapitalstruktur (zum Beispiel in nachrangige Anleihen und Hybride) bei fundamental soliden Unternehmen nach unten zu verschieben, anstatt Kompromisse bei der Kreditqualität einzugehen. Wir mögen auch währungsübergreifend Corporate-Sector-Purchase-Programme-( CSPP-)fähige Emittenten und deren Substitute.

4. Fokus auf die Qualität der Aktien:

Wir erwarten, dass Aktien im Jahr 2020 positive Renditen erzielen werden, mit einem Potenzial für weitere Marktgewinne. Die Ergebnisse des dritten Quartals übertrafen die geringen Erwartungen, jedoch bleibt das Gewinnwachstum schwach. Auch wenn Aktien aus Risiko-/Renditegesichtspunkten nicht besonders attraktiv sind, bleiben die Prognosen für das kommende Jahr konstruktiv. Die Bewertungen sollten weiterhin durch die expansive Politik der Zentralbanken unterstützt werden. Angesichts der geringeren Liquidität in globalen Small Caps bevorzugen wir grössere Namen bei den Wert- und Wachstumstiteln.

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5. Aktiensektoren:

Angesichts der Anzeichen, dass die Talsohle im verarbeitenden Gewerbe erreicht ist, sollten Anleger ein Auge auf Industrienamen haben und das Engagement zwischen defensiven und zyklischen Sektoren ausbalancieren. Insbesondere die Sektoren Gesundheit und Energie werden weiter ausgebaut und wir bleiben in der Informationstechnologie übergewichtet. Angesichts der derzeit hohen Cash-Bestände und der immer noch unterinvestierten Risikoarbitrage-Strategien besteht jedoch die Gefahr, dass die Anleger ab 2020 einen steigenden Markt verpassen werden.

6. EM-Aktien:

In den Schwellenländern sind wir für dieses Jahr vorsichtig optimistisch. Brasilien ist unser Top-Pick in Lateinamerika: Der Wechsel in der Makropolitik und die Erholung sollte das Gewinnwachstum ankurbeln. Es bestehen weitere Investitionsmöglichkeiten in Aktien von Schwellenländern, einschliesslich China, vor allem wenn der Handelsstreit sich einer Lösung nähert und der Dollar, wie wir erwarten, schwächer wird.

7. In Sachwerte investieren:

Die Bewertungen von Immobilien – Immobilien, Private Equity, Private Debt oder Infrastruktur – sehen derzeit alle hoch aus, werden aber durch das niedrige Zinsumfeld unterstützt. Es sieht nicht so aus, als gäbe es eine Blase in diesen alternativen Anlageklassen, da Preise und Fundamentaldaten nicht abgekoppelt zu sein scheinen. Während hohe Bewertungen die Anfälligkeit für plötzliche Stimmungs- oder Umfeldveränderungen verstärken, bleiben sie durch ihre Illiquidität bis zu einem gewissen Grad isoliert. Für qualifizierte Euround Franken-Investoren sind Immobilien nach wie vor eine der letzten Anlageklassen, die bei begrenzter Volatilität eine angemessene Rendite bieten.

8. Ein schwächerer Dollar:

Die Erholung des Dollars im Jahr 2018 und die Widerstandsfähigkeit 2019 erklären sich aus dem Zusammenspiel von Handelsspannungen, der anschliessenden Verlangsamung des globalen Wachstums und der Outperformance der USA im Vergleich zum Rest der Welt, die vor allem auf fiskalische Anreize zurückzuführen ist. Jetzt, da die Daten darauf hindeuten, dass die Weltwirtschaft die Talsohle erreicht hat und es erste Anzeichen für eine Handelslösung gibt, schwinden die Risiken, die sich aus dem Abschwung ergeben. Dies dürfte die Voraussetzungen für einen schwächeren Dollar im Jahr 2020 schaffen. Wir rechnen mit einem EUR/USD von 1,15 und einem USD/CHF von 0,97 im letzten Quartal 2020.

9. Das britische Pfund Sterling wird von den Entwicklungen des Brexit profitieren:

Nach der starken Rallye im vierten Quartal 2019 dürfte sich das Pfund Sterling vorerst in der aktuellen Bandbreite konsolidieren. Die «Cliff edge»-Risikoprämie sollte jedoch nicht steigen, und dies dürfte zusammen mit der erwarteten breit angelegten Dollar-Schwäche das GBP/USD bis zum Jahresende an das obere Ende der Spanne bei etwa 1,35 drücken.

10. EM-Währungen mit leichtem Aufwärtstrend:

Die Abwertung der Schwellenländerwährungen setzte sich auch 2019 fort und wurde durch die Verlangsamung des Welthandels beeinträchtigt. Eine Stabilisierung des Handels (unser Basisszenario), die verzögerte Wirkung der bescheidenen chinesischen Konjunkturprogramme und die deutliche Lockerung der EM-Geldpolitik dürften eine Erholung des Wachstums in den Schwellenländern fördern und ihre Währungen etwas stützen. Zwar gibt es grosse Unterschiede, doch insgesamt gesehen sind die Währungen der Schwellenländer unterbewertet. Unser zentrales Szenario deutet auf eine Spot-Rendite von 3 bis 4 Prozent im Emerging Market Currency Index von JP Morgan hin. Wir favorisieren den russischen Rubel, den malaysischen Ringgit, den peruanischen Sol und den mexikanischen Peso: Sie sind alle unterbewertet, weisen solide Aussenbilanzen auf und werden wahrscheinlich von idiosynkratischen Treibern im Jahr 2020 profitieren.

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Stéphane Monier, Chief Investment Officer, Bank Lombard Odier, Zürich/Genf.