Diesen Juni wurde eine Reihe von chinesischen A-Aktien (Aktien, die nur auf dem chinesischen Festland und in Yuan gehandelt werden) erstmals in den MSCI Emerging Market Index aufgenommen. Bis Ende August folgte bereits eine zweite Tranche. Insgesamt umfasst der Index nun rund 230 chinesische Aktien. Dies sind bedeutende Neuigkeiten und ein wichtiges Signal für die Glaubwürdigkeit von Chinas A-Aktien. Und das Interesse der Anleger ist gross: Schätzungsweise 18 Milliarden Dollar werden dem chinesischen Aktienmarkt zufliessen. Einiger Schlüsselfaktoren sollten sich ausländische Investoren aber bewusst sein, wenn sie in diese Vermögenswerte investieren:
 

1. Chinas Aktienmarkt ist gross, tief und liquide:

Die Marktkapitalisierung der chinesischen A-Aktien liegt bei rund 8 Billionen Dollar. Damit rangiert dieser Markt an zweiter Stelle nach den USA und ist rund einen Drittel grösser als der Euro-Raum.
 

2. Hohe Umschlagsquote erhöht die Liquidität der A-Aktie:

Inländische Privatanleger dominieren derzeit noch den Markt für A-Aktien und handeln täglich 80 Prozent. Weil die chinesische Investitionsund Handelskultur durch hohe Dynamik und einen kurzen Anlagehorizont geprägt ist, werden chinesische A-Aktien weltweit am schnellsten gekauft und wiederverkauft. Hohe Umschlagsquoten (siehe Grafik unten) haben den Vorteil für Anleger, dass sie in der Regel schnell handeln können.
 

3. Stock-Connect erweitert den Markt:

Ein wichtiger Katalysator für die Aufnahme von A-Aktien in den EM-Index des MSCI war die Einführung der sogenannten Stock Connect Schemes. Über diesen Marktzugang können Investoren die Aktien an lokalen Börsen handeln.
 

4. Weniger Handelssperren:

Im Juli 2015 auf dem Höhepunkt einer Phase erheblicher Marktinstabilität, wurden 51 Prozent der börsennotierten A-Aktien vom Handel ausgeschlossen. Heute liegt diese Zahl nur noch bei durchschnittlich rund 8 Prozent. Neue Regeln verhindern lange und unangemessene Sperren. Das regulatorische Umfeld in China bleibt jedoch aufgrund der kontinuierlichen Weiterentwicklung weiterhin schwer kalkulierbar.

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5. Ein zunehmend institutionalisierter Markt:

Der Aktienmarkt wird schrittweise institutionalisiert und immer mehr grosse Marktteilnehmer tätigen signifikante Transaktionen. Es etabliert sich zudem eine beträchtliche Anzahl sogenannter Quality Growth Compounders (hoch gewertete Unternehmen, die stetig in ihr Geschäft reinvestieren), die den Markt 2017 in die Höhe trieben. Chinas inländische Investoren ignorieren häufig Aspekte eines zunehmend reifen Marktes, während ausländische Investoren von solchen Anzeichen einer stetigen Verbesserung angezogen werden.

6. Chinas professionelle Investoren sind weniger erfahren:

Laut einer aktuellen UBS-Analyse (siehe Seite 32 links) verfügt China über rund 5000 Aktienresearch- Analysten und rund 98 Prozent aller abgedeckten Unternehmen erhalten ein Buy-Rating. Insgesamt gibt es in China etwas mehr als 1600 Portfoliomanager, die durchschnittlich nur 3,1 Jahre an Erfahrung mitbringen. Erfahrene Investoren, die über fundierte Kenntnisse des chinesischen Aktienmarktes verfügen, haben in diesem Umfeld Vorteile.
 

7. Governance verbessert sich, hat aber noch Luft nach oben:

Wie in allen Schwellenländern ist Corporate Governance in China ein zentrales Thema. Doch die Situation verbessert sich stetig. Etwa die Hälfte der chinesischen A-Aktien-Gesellschaften beschäftigt renommierte internationale Wirtschaftsprüfer. Darüber hinaus sind alle börsennotierten chinesischen Unternehmen verpflichtet, Quartalsberichte einzureichen und ihre Geschäftsjahre zum 31. Dezember zu beenden. Darüber hinaus nähern sich die allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätze Chinas den International Financial Reporting Standards an. Es ist für chinesische Unternehmen aber beispielsweise immer noch ungewöhnlich, englischsprachige Investor-Relations-Abteilungen zu unterhalten oder Investoren im Ausland beispielsweise mittels sogenannter Roadshows zu informieren.

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8. Niedrigere Korrelationen können Mehrwert schaffen:

Chinas A-Aktien weisen eine sehr tiefe Korrelation von weniger als 0,2 zu globalen Indizes auf. Und auch ihre Korrelation mit den in Hongkong notierten Aktien liegt unter der 0,5-Marke. Dies deutet darauf hin, dass Investitionen in A- Aktien einem Portfolio zusätzliche Diversifikationsvorteile bringen können. Die schrittweise Institutionalisierung der chinesischen A-Aktien-Märkte wird voraussichtlich zu einer höheren Korrelation mit ihren Offshore-Pendants führen, aber dieser Prozess könnte viele Jahre dauern. Der neue und für viele Schweizer Investoren noch unbekannte chinesische Aktienmarkt bietet viele Möglichkeiten, ihr Anlageuniversum zu erweitern und das Portfolio zu diversifizieren. Um in diesem riesigen Markt erfolgreich zu sein, ist aber spezialisiertes Know-how eine Voraussetzung. Investoren sollten sich indes vertieft mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzen, um von der schrittweisen Öffnung des chinesischen Aktienmarktes profitieren zu können.