Aktive und passive Strategien sind zwar Konkurrenten, aber sie versprechen nicht dasselbe Ergebnis. Aktive Manager versuchen, den gewählten Vergleichsindex nach Kosten zu schlagen. Hingegen versprechen pas­sive Vehikel, seien es Indexfonds oder ­Exchange Traded Funds (ETF), lediglich die Performance ihrer Referenzindizes ­abzüglich wesentlich tieferer Kosten als bei aktiven Strategien abzuliefern.

Keine Daseinsberechtigung?

Weil viele Studien belegen, dass aktive Investoren ihr Ziel nicht erreichen und meistens sogar schlechter als der Index rentieren, zieht passives Investieren immer mehr Geld an und aktives Management stirbt den gerechten Tod.

Bevor aber aktive Manager ihrem Schicksal überlassen werden, sollte man vielleicht doch genau hinschauen, ob sie wirklich ausnahmslos keine Daseins­berechtigung haben. Die konventionellen aktiven Manager, die grosse Mehrheit also, vermögen effektiv nicht, ihr Versprechen über längere Zeit zu halten. Das liegt ­natürlich zum Teil an den Managern selber, wenn sie nicht begabt sind. Viele sind es aber – und trotzdem schlagen sie den Index nicht. Hier liegt die Schuld bei den Kunden. Es ist heutzu­tage Mode, besonders bei den professionellen Investoren, nach einem oder zwei Jahren eine Performance sehen zu wollen, die besser ist als der Vergleichsindex oder wenig darunter. Besonders bei grösseren Instituten und Pensionskassen, bei denen es Heerscharen gut ausgebildeter Kontrolleure gibt, ist dieser Druck riesig.

Attraktive Value-Prämien

Obwohl es sogar mindestens eine ­Strategie gibt, die Mehrrenditen bringt – nämlich Value Investing –, können viele gute Manager sie nicht verfolgen. Value Investing heisst, konsequent nur Titel zu kaufen, die unter ihrem fairen Wert gehandelt werden. Solche  Anlagemöglichkeiten gibt es immer in einzelnen Aktien und oft in ­ganzen Sektoren und manchmal ist sogar der ganze Markt unterbewertet. Akade­mische Studien belegen, dass dieser Stil eine Value-Prämie einbringt, das heisst eine Zusatzrendite gegenüber dem Gesamtmarkt, und dies über alle Regionen und Zeiträume hinweg. Rechnen sollte man langfristig mit 1 bis 3 Prozentpunkten pro Jahr.

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Erkenntnisse vom Nobelpreisträger

Robert Shiller hat 2013 den Nobelpreis für den Nachweis erhalten, dass der Markt über lange Zeit falsch bewertet sein kann (was natürlich auch für einzelne Titel gilt). Value-Investoren erzielen Mehrrenditen, weil sie diese Übertreibungen nach unten ausnutzen – dies, obwohl sie mit mehr­jährigen Phasen der Underperformance rechnen müssen, wenn bereits gut bewertete oder sogar teure Titel den Markt nach oben treiben. Wenn die Kunden das nicht akzeptieren, dann ist der Portfoliomanager sie oder sogar seinen Job los. Für ihn ist die rationale Verhaltensweise in dieser Situation daher Index-Hugging – so tun, als ob man vom Index abweichende Positionen nimmt, aber in Wahrheit den Index replizieren.

Das Ziel, jedes Jahr den Index zu schlagen, ist nicht erreichbar; nötig ist Geld.

Überrendite benötigt Zeit

Es gibt aber auch Portfoliomanager, eine Minderheit, die stark vom Index ­abweichen – die also einen hohen Active Share haben.
Das ist erwiesenermassen ein Weg, um Outperformance zu generieren. Studien zeigen, dass Boutiquen eine bessere Performance abliefern als grosse Fondshäuser und dass erfolgreiche Manager einen grossen Teil des eigenen Gelds in ihren Fonds investiert haben.
Eigene Recherchen haben ergeben, dass Fonds, die über zehn Jahre überdurchschnittlich gut sind, tendenziell auch in den folgenden zehn Jahren zu den Gewinnern zählen.

Der langfristige Leistungsausweis

Allerdings haben diese Fonds innerhalb der zweiten Zehnjahresperiode auch zwei bis vier Jahre Underperformance abgeliefert, oftmals in direkter Folge. Dass sie trotzdem nicht geschlossen wurden (was übrigens über zehn Jahre hinweg rund 80 Prozent der Fonds widerfährt), liegt offensichtlich daran, dass sie genügend treue Kunden haben. Diese verstehen und akzeptieren, dass der Traum, jedes Jahr den Index zu schlagen, nicht ­erreichbar ist, und dass sie Geduld aufbringen müssen, um langfristig eine Überrendite gegenüber dem Index zu erzielen.

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Index-Investoren machen alle Phasen des Marktes mechanisch mit, was in ­einem unterbewerteten Markt natürlich kein Fehler ist. Hingegen kaufen sie in ­einem teuren Markt wider jegliche Vernunft die teuren Titel, die den Index fast immer dominieren.
Eine Index-Performance zu haben, heisst eben auch, offensichtliche Chancen zu ignorieren. So haben Anleger, die von 2000 bis 2015 passiv den Weltaktienmarktindex MSCI gekauft haben, vor Gebühren nichts verdient, während Anleger mit dem im aktiven Value-Stil verwalteten Classic Global Equity Fund nach Gebühren ihr Geld mehr als verdreifacht haben (plus 278 Prozent).

 

Unkonventionelle Manager suchen

Für Kunden, die im Guten wie im Schlechten eine Index-Performance ­suchen, sind passive Produkte ideal. Sie eignen sich auch zur Abdeckung von Märkten beziehungsweise Regionen, in denen man keine guten Manager kennt. Für Investoren, die mehr Rendite wollen, bieten sich nach wie vor unkonventionelle aktive Manager an. Man erkennt sie am langfristigen, nicht aber zwingend am kurzfristigen Leistungsausweis.