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Multi-Asset-Portfolios
Gutes Gelingen in spätem Marktzyklus

Investor checking performance of financial portfolio online whilst reviewing investment statement
 Quelle: Andrew Brookes AB Still Ltd

Es ist möglich, auch in einer ­Abschwungphase robuste ­Renditen zu erwirtschaften.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Die Politik der Zentralbanken seit der Finanzkrise 2008 führte zum längsten Bullenmarkt in der Geschichte und schuf die Voraussetzungen für eine Ära stabilen Wirtschaftswachstums. Die Zinsen wurden niedrig gehalten, während die quantitative Lockerung (QE) die Märkte mit Geld flutete. Wir wissen aber, dass die Zeit, in der Geld in Hülle und Fülle vorhanden war, zu Ende geht.  Inzwischen gibt es sogar Hinweise darauf, dass uns ein Abschwung bevorsteht. Man kann auch in einer Abschwungphase robuste Renditen erwirtschaften, allerdings erfordert das ein sorgfältiges Risikomanagement mit besonderem Augenmerk auf das Liquiditätsrisiko.

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Gibt es überhaupt ein richtiges Timing?

Betrachten wir das Management des Portfoliorisikos. Viele Anleger möchten ­etwas, was sich kaum erreichen lässt: Ein perfektes Market Timing, perfekt ausgeführt, unabhängig vom Marktumfeld. In Wirklichkeit geht es oft eher darum, Enttäuschungen bei fallenden Kursen zu begrenzen und gleichzeitig bei steigenden Kursen die Rendite zu maximieren. Das bedeutet auch, dass der Anleger das Risiko über den Bargeldanteil seines Portfolios steuern muss.

Mithilfe quantitativer Strategien erhält man Anhaltspunkte dafür, welcher Anteil eines Portfolios entsprechend der Asset-Allocation-Strategie gehalten und welcher Anteil in Barmittel investiert werden sollte. Solche Modelle sind besonders nützlich bei weltweiten Krisen wie der geplatzten Internetblase 2001/02 oder der globalen Finanzkrise 2008.

Im bisherigen Jahresverlauf waren die Märkte volatil. Obwohl die Bandbreite der Signale sehr breit ist, signalisieren quantitative Risikomanagement-Modelle, dass Risiken reduziert werden sollten. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist, in den USA, wo die Kurzfristzinsen positiv sind, Risiken abzubauen und gleichzeitig Investi­tionen an Märkten zu halten, wo die Kurzfristzinsen negativ sind, wie zum Beispiel in der Schweiz und im Euro-Raum.

In Dollar angelegtes Bargeld ist eine ­Alternative für Anleger, die eine sichere Anlage wünschen, die ihnen immerhin ­etwas abwirft. Bei Bargeld-Anlagen in Franken und Euro ist das derzeit nicht der Fall. Dies wird sich auch in naher Zukunft wahrscheinlich nicht ändern.

 

Liquiditätsmanagement im Abschwung


Weitere wichtige Faktoren wie spezi­fische Marktverwerfungen oder Liquiditätsrisiken sind einzubeziehen. Vermögensverwalter erkennen, dass es entscheidend ist, Vermögenswerte zu halten, die leicht verkauft werden können, wenn der Markt unter Druck gerät. Diesem Konzept zufolge ist die Liquiditätsprämie eine der Risikoprämien, mit denen sich die Ren­dite eines Multi-Asset-Portfolios steigern lässt.
Eine Liquiditätsprämie ist in der Regel eine Zahlung für das Halten eines Vermögenswertes, der – unter anderem – schwer zu verkaufen sein könnte. Als Teil einer Anlagestrategie eignet sich dieser Faktor am besten für Anleger, die langfristig investieren können und entsprechend belohnt werden.

Die Liquiditätsprämie spiegelt sich nicht nur im Preis von Anlagen, bei denen sich die Investoren vertraglich binden wie beispielsweise Private Equity oder Immobilien, sondern auch in den Preisen von Vermögenswerten, deren Liquidität stark beeinträchtigt wird, sobald die Märkte ­unter Druck geraten (wie zum Beispiel Hochzinsanleihen).
Schätzungen zufolge lag die Liquiditätsprämie für solche Vermögenswerte in den letzten dreissig Jahren im Durchschnitt bei rund 4,7 Prozent.

Auch wenn sich die Übernahme eines zusätzlichen Risikos durchaus bezahlt machen kann, sollte das Illiquiditätsrisiko in den späteren Phasen des Konjunktur­zyklus nicht unterschätzt werden. Niemand will dazu gezwungen sein, zu verkaufen und im Falle einer Schrumpfung der Wirtschaft Verluste hinzunehmen.

 

Auf die richtige Streuung achten

Die richtige Anlagestrategie besteht wohl darin, Positionen in den am wenigsten liquiden öffentlich gehandelten ­Wertpapieren abzubauen, um in der ­Abschwungphase des Konjunkturzyklus Spannungen bei Transaktionen zu vermeiden. Wenn der Markt unter Druck gerät, kann es gut sein, dass Anlageklassen wie Emerging Markets oder Hochzins­anleihen leiden.

Schliesslich können privat gehandelte Wertpapiere wie Private Equity oder Immobilien, obwohl sie mit Risiken verbunden sind, eine Möglichkeit bieten, in der Abschwungphase des Konjunkturzyklus zu investieren, vorausgesetzt, sie entsprechen dem gewünschten Anlagehorizont und bieten die geforderte Liquidität. Da die Renditen in diesem Bereich sehr unterschiedlich sind, kommt es darauf an, die geeigneten Anlagen auszuwählen und auf die richtige Streuung zu achten.

Günstig einkaufen

Ein Vorteil von Private Equity besteht darin, dass Manager hier in der Lage sein müssten, in Wertpapiere zu investieren, die aufgrund des erwarteten Abschwungs sehr günstig angeboten werden (einschliesslich der oben erwähnten Liquiditätsprämie).