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Purchasing Managers’ Index
Der Index, der in die Zukunft zeigt

Einkauf
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Bei der Interpretation des PMI sind einige Punkte zu beachten.

Von Alexander Saheb
am 03.10.2018

«Wir befinden uns in einem starken Aufschwung Claude Maurer, Leiter Konjunkturanalyse Schweiz bei der Credit Suisse, findet anlässlich der Publikation des neuesten Purchasing Managers’ Index (PMI) für Industrie und Dienstleistungen klare Worte für das von den Zahlen verschlüsselte Geschehen. Mit einem Stand von nahezu 60 Zählern stehe der PMI Industrie immer noch sehr hoch, stellt er fest. Im September wurde der PMI mit 59,7 Punkten ermittelt, das waren 5,1 Punkte weniger als im Vormonat. Das Absinken des PMI liegt an einem deutlichen Rückgang der meisten Subkomponenten, die in die Indexberechnung einfliessen. Allerdings befinden sich alle weiterhin oberhalb der Wachstumsschwelle. Bei der Interpretation der PMIDaten sollteman genau diese Wachstumsschwelle besonders beachten, betont Maurer. Nach Definition liegt sie bei 50 Punkten. Ist der PMI höher, wächst die Wirtschaft, Niveaus unter 50 signalisieren eine Stagnation oder sogar Schrumpfung. «Ein Rückgang des Index beiWerten oberhalb von 50 ist lediglich eine Wachstumsverlangsamung», stellt Maurer fest. Es handle sich keinesfalls um eine negative Entwicklung. Genau diese Fehlinterpretation werde aber oft gemacht. Wenn der Index von 64 auf 59 zurückgehe, werde die Lage der Wirtschaft nicht schlechter, sondern es gebe nur weniger Wachstum. Nachdem der PMI mittlerweile seit mehr als zwanzig Jahren berechnet wird, verrät Maurer sogar noch mehr: Die Wachstumsschwelle liegt tatsächlich sogar unterhalb von 50 Punkten. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Gesamtwirtschaft auch bei PMI-Werten unter 50 noch immer expandiert. «In der Regel sind die Aussagen desPMI zu wenig optimistisch», meint Maurer.

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Breite, nicht Ausmass

Der PMI ist ein Gemeinschaftswerk von Procure.ch,demFachverband für Einkauf und Supply Management, und der Credit Suisse. Während Procure.ch mit der Erhebung der Umfrage betraut ist, obliegt dem Research der Credit Suisse deren Auswertung und Publikation. Die erfolgreiche Kooperation besteht seit 1995. Ausserdemmüsse man beachten, dass der PMI die Breite einer Entwicklung abbilde und nicht ihr Ausmass. Das liegt an den Fragen, die in der Erhebung gestellt werden. Hier wird nur abgefragt, ob die Entwicklung derzeit besser, gleich oder schlechter verläuft als bisher. Das Ausmass der Veränderung wird jedoch nicht erhoben. Also bedeutet ein hoher Wert im PMI nicht, dass es den Firmen jetzt viel besser geht, sondern dass es vielen Firmen besser geht. Das geht dann natürlich mit einer insgesamt sehr erfreulichen Entwicklung einher, konstatiert Maurer
 

CREDIT SUISSE, PROCURE.CH

PMI Service: Geschäftstätigkeit steigt


Seit 2014 wird neben dem PMI für die produzierende Industrie auch ein PMI Service für den Dienstleistungssektor errechnet (siehe Grafik). Er umfasst Einschätzungen unter anderem zu den Bereichen Handel, Transport, Kommunikation, Bau, Immobilien, Beratung, Gesundheitswesen, Energie, Tourismus und Verwaltung. Wie beim Industrie PMI stammen die Daten für den PMI Service von Einkaufsmanagern. Die Wahl der Subkomponenten
unterscheidet sich jedoch von jener des Industrie PMI. Lieferfristen werden beispielsweise nicht abgefragt, dafür wird jedoch registriert, ob mehr oderweniger neue Aufträge eingegangen sind. Anstelle von «Produktion» benutzt der PMI Service die Variable «Geschäftstätigkeit». «Es ist generell sehr wichtig, den Dienstleistungssektor zu erfassen, weil seine Bedeutung für die Volkswirtschaft ständig steigt», sagt Maurer. Mittlerweile wird der PMI Service im vierten Jahr publiziert, die Aussagekraft ist gut. Dennoch ist für die im Zuge seiner Erhebung befragten Unternehmen die Beantwortung der Fragen etwas anspruchsvoller, weil sich tatsächliche Trends nicht einfach an Stückzahlen ablesen lassen. Aktuell befindet sich dasWachstumdes Sektors auf hohem Niveau. Der PMI Service erreichte im September einen Wert von 60,5 Punkten und legte um 2,3 Einheiten zu. Die Geschäftstätigkeit – das Äquivalent zur Subkomponente «Produktion» für den PMIIndustrie – legte im September um 1,5 auf 62,9 Punkte zu. Auftragsbestand und Neuaufträge wuchsen oder hielten ihr hohes Niveau um und über 60 Punkten. «Dieser Trend lässt für die kommenden Monate auf ein solides Wachstum im Dienstleistungssektor schliessen», meint Maurer. Dass der Personalaufbau in der Branche bereits den neunten Monat in Folge andauert, runde das positive Bild ab. Allerdings gilt auch beim PMI Service, dass er keine Detailprognose darstellt,