Neue Trends zeichnen sich ab. Einer ist der Konzentrationsprozess, der von den grossen Online-Händlern vorangetrieben wird. Er umfasst auch den stationären Handel. Die Grossen der Branche haben die finanziellen Möglichkeiten – und nötigen Margen – für die teuren, zentralen Lagen. «Es gibt zwar mehr Handel, aber immer weniger Händler», fasste David Bosshart, CEO und Trendanalytiker am Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), die jüngste Entwicklung zusammen.

Ein weiterer Trend ist die zunehmende Personalisierung und Automatisierung. Das Retailing findet nicht mehr (nur) beim Retailer, sondern in den gesamten digitalen Ökosystemen statt. Ohne Personalisierung der Angebote und eine Automatisierung der Prozesse und Abläufe haben Retailer wenig Chancen.

Die wichtigste neue Entwicklung des Retailhandels betrifft die Konvergenz der Erwartungen – Convenience, Preis und Wert von Produkten und Dienstleistungen laufen zusammen: Anbieter müssen alle drei Faktoren berücksichtigen, wenn sie am Markt erfolgreich sein möchten. Kompromisse machen sich negativ bemerkbar. Kunden kaufen keine Kompromisse.

Gemäss den Analysten der Marktforschungsfirma CB Insights sind damit aber längst nicht alle technologischen und logistischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Neben unterschiedlichen Ladengrössen – in Asien wird derzeit viel mit ganz kleinen, vollautomatischen Geschäften experimentiert, die eigentlich einem begehbaren Automaten ähneln – gibt es Technologien, mit denen die Kunden beim Betreten eines Geschäfts erkannt werden, ihre Käufe umgehend an die gewünschten Destinationen ausgeliefert und die Prozesse im Hintergrund von der Bestellung über die Produktion bis hin zur Abrechnung digital ausgestaltet werden.

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Ganz so weit ist man in Europa noch nicht. Dennoch wird experimentiert: Die Retailkette Groupe Casino hat in Frankreich erste Rund-um-die-Uhr-Geschäfte eröffnet. Nachts gibt es kein Verkaufs- und Kassenpersonal mehr. Die Kundinnen und Kunden bezahlen am Self-Check-out.