Letztes Jahr sind neue Risikominderungsmassnahmen, die sogenannten RMM, in Kraft getreten. Die Verwendung von Frassködern wurde für private Anwender und für Anwender ohne Fachbewilligung, beispielsweise Landwirte und Gemeinden, eingeschränkt. Sie beeinflussen den Einsatz von giftigen Wirkstoffen in der modernen Schädlingsbekämpfung und setzen auf neue intelligente Methoden mittels digitaler Monitoring-Systeme.

Früher unter dem Namen ISS Pest Control bekannt und 2013 vom international tätigen Unternehmen Anticimex aus Schweden übernommen, ist Anticimex heute in der Schweiz ein Dienstleister für Schädlingsbekämpfung. Das Mutterhaus in Stockholm wurde bereits 1934 gegründet, hat über 4500 Mitarbeitende und ist in 17 Ländern vertreten. Der Schweizer Ableger mit Geschäftsführer Manuel Wegmann führt Büros in Glattbrugg ZH und Vernier GE und beschäftigt rund fünfzig Mitarbeitende, inklusive eines Sonderteams für die Vogelabwehr.

Intelligente Lichtfallen

Wegmann erklärt den Change-Prozess in seiner Branche: «Anstelle von Giftstoffen können wir heute intelligente Methoden einsetzen. Diese ermöglichen es den Hausbesitzern und Hausabwarten, sich mit drahtlos vernetzten Fallen effizient vor Schädlingen zu schützen oder das Risiko eines Schädlingsbefalls auf ein Minimum zu reduzieren. Das ist aber ein laufender Prozess und zur Bekämpfung von Nagern arbeiten wir in unserem Innovationszentrum in Dänemark ständig neue Konzepte und Produkte aus.»

Eine dieser Weiterentwicklungen ist das erste digitale UV-Gerät für die Insektenbekämpfung. Diese Fallen fangen laufend Insekten, registrieren sie und übertragen die Informationen in Echtzeit an ein Kontrollsystem. Das Gerät verfügt über ein Frühwarnsystem, das einen aussergewöhnlichen Anstieg der Insektenanzahl registriert und Alarm auslöst.

Ohne vorgehende Beratung und Risikobeurteilung bringen diese digitalen Systeme aber wenig. Das Gefahrenpotenzial für Schädlinge inner- und ausserhalb von Gebäuden ändert nicht nur von Land zu Stadt, sondern faktisch von Immobilie zu Immobilie. Es geht dabei einerseits in jedem einzelnen Haus um die unmittelbare spezifische Umgebung, also die Elemente Wasser, Luft, Erde, Wald, aber auch Verkehr und Passantenfluss. Anderseits besteht regelmässig die Gefahr der Einschleppung von Schädlingen durch Lieferanten und Mitarbeitende, aber auch durch zugelieferte Rohstoffe und Verpackungsmaterialien.

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Die digitalen Fallen und Sensoren überwachen die relevanten Räumlichkeiten nonstop. Durch solche regelmässigen und engmaschigen Kontrollen kann ein Schädlingsbefall schnell identifiziert werden. Die neuen intelligenten Überwachungssysteme können somit den materiellen und finanziellen Schaden im Betrieb auf ein Minimum reduzieren.

Umgehende Korrekturen

Laut Manuel Wegmann werden diese neuen «Mausklick-Angebote» den Faktor Mensch nicht ersetzen. Aber die neuen Modelle arbeiten so präzise und vor allem schnell, dass die dann notwendigen Korrekturmassnahmen finanziell überblickbar sind und eben vor allem sofort greifen. Die neuen Schädlingsbekämpfungsprodukte zielen etwa auf Getreideverarbeiter, Getränke- und Süsswarenhersteller oder beispielsweise Importeure von Kaffeebohnen. Grossbauernhöfe sind ebenfalls interessiert. Und grosse Nachfrage kommt auch aus der Pharma- und der Medtech-Branche sowie von Hotels, Spitälern und Altersheimen.