Vom Studenten der Uni Bern direkt zum CEO eines selbst gegründeten Startups, Tilbago. Die Karriere von David Fuss hat einen guten Start erlebt. Aber wie kommt man eigentlich darauf, eine digitale Inkassofirma zu gründen? «Die Idee kamwie viele gute Geschäftsideen aus dem Markt heraus», erzählt Fuss. Als Vertriebsleiter einer Inkassolösung in SAP stellte er in Kundengesprächen fest, dass ein grosser Bedarf für eine Online-Inkasso-Lösung besteht. «Dieses grosse Potenzial zu erkennen, war sozusagen mein persönlicher Startschuss für die Gründung von Tilbago.»

Als Weiterbildungsstudent im Executive MBA der Universität Bern hat er dann als Masterarbeit den Businessplan für Tilbago entwickelt. Bei den hierfür erforderlichen Marktanalysen und Planungen wurde er von den Projektdozenten des Instituts für Marketing und Unternehmensführung der Universität Bern gecoacht und unterstützt. Auch bekam er über das Netzwerk der Dozenten Zugang zu Investoren und nicht zuletzt zur Postfinance.

Intelligenter Assistent

Seine Kundschaft sind Gläubigerunternehmen, die über Tilbago Betreibungen und Verlustscheine direkt online selbstständig bewirtschaften. Die Interaktion mit den Betreibungsämtern erfolgt elektronisch, Tilbago steht dem Benutzer als intelligenter Assistent zur Seite. Fuss: «Früher mussten Gläubiger hierzu teure Softwarelösungen anschaffen, implementieren und anschliessend aufwendig unterhalten. » Alternativ haben Unternehmen ihre Betreibungen manuell per teuren und zeitaufwendigen Briefwechsel mit den Betreibungsämtern gemanagt oder einfach ihre offenen Forderungen an Inkassounternehmen weitergegeben. Heute können Tilbago-Kunden ohne laufende Kosten, ohne Betriebskosten und ohne ein Implementierungsprojekt Robo-Inkasso für eine fixe Fallpauschale sofort nutzen.

Fuss nennt sein Baby liebevoll Robo- Inkasso: «Unabhängig vom Fachwissen sollen Gläubiger und Gläubigervertreter damit Betreibungen in kurzer Zeit, mit hoher Prozessqualität und geringstmöglichen Kosten elektronisch abwickeln können. » Seine Online-Lösung eignet sich für sämtliche Gläubiger ab einem Inkassofall bis über 13 000 Inkassofällen pro Jahr. So werden auch Gläubiger mit wenig Erfahrung im rechtlichen Inkasso sehr detailliert und zielorientiert durch den Prozess geführt.

Gläubiger mit einer grossen Anzahl jährlicher Inkassofälle profitieren von einer maximalen Effizienzsteigerung – beispielsweise durch die Automatisierung von Arbeitsschritten. Unabhängig von der Fallzahl: Tilbago bietet seinen Kunden eine intuitive Bedienbarkeit und stellt durch unterschiedliche Mechanismen eine optimale Datenqualität sicher.

Betreibungsämter machen mit

Als Ergebnis resultiert für Gläubiger ein wesentlich grösserer Erfolg im rechtlichen Inkasso bei wesentlich geringerem Aufwand. Im Fallpreis enthalten sind sämtliche Kosten für Updates, Betrieb der Lösung sowie Support durch den Tilbago- Service-Desk. «Die gesamten Einnahmen aus dem Inkasso fliessen dem Gläubiger zu. Dadurch resultieren für Gläubiger höhere Einnahmen bei geringeren Kosten, und dies bei voller Transparenz und Kontrolle. »

Der Plan von Fuss scheint aufzugehen: Zwei Jahre nach dem Go-live ist Tilbago bereits bei mehr als 750 Geschäftskunden aus den verschiedensten Branchen, den verschiedensten Grössen und aus verschiedensten Regionen in der ganzen Schweiz im Einsatz.

Aber wie reagieren die Betreibungsämter – ein weiterer wichtiger Stakeholder – auf seine Innovation? Die Betreibungsämter seien zum einen aufgrund der Vorgabe vom Bundesamt für Justiz (eSchKG) zum elektronischen Datenaustausch verpflichtet, so CEO David Fuss. Zumanderen profitierten sie ja auch von den digitalen Prozessen, werden also ihrerseits effizienter. «Insbesondere können sie Kosten und Zeit sparen, da sie beispielsweise Daten aus dem Briefwechsel mit den Gläubigern nicht mehr aufwendig manuell erfassen müssen.»

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