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Software-Assistenten
Loyalitätslose HR-Helfer

Group of IT Technicians Working in Server Room.
 Quelle: iStock Photo

Computational Thinking: Kreatives Problemlösen und Programmieren ist eine grundlegende Digitalisierungskompetenz, die bereits früh gelehrt werden soll.

Von Matthias Niklowitz
am 29.11.2018

Als man sich beim Rohölkonzern Shell auf die Suche nach neuen Geschäftsmodellen im Fahrzeugwartungsbereich machte, nutzte man eine neue Software – und konnte die Teams mit den geeigneten Experten aus allen unterschiedlichen Unternehmensbereichen innert Minuten zusammenstellen. Shell verliess sich dabei auf ein System des US-Softwareherstellers Catalant, das «selbstlernend» funktioniert: Wer in vergangenen Projekten, auch auf anderen Gebieten, innerhalb der Firma positiv aufgefallen war, wird beim nächsten Projekt eher in einer verantwortungsvollen Rolle berücksichtigt. Die ursprüngliche Aus- und Weiterbildung ist dabei zweitrangig.

Was auf den ersten Blick nach veränderten – und teilweise bedrohlichen – Rollenveränderungen für das assistierende Personal aussieht, wird laut Analysten auch die Karrieren von Managern beeinflussen. Die Software von Catalant «verfolgt » auch den Ausgang der nächsten Projekte weiter mit und kann dann Empfehlungen formulieren, mit welchen Leuten die nächste schwierige Aufgabe am besten zu meistern ist. Die Software der US-Firma Nexus optimiert die nächsten Teams zudem jeweils so, dass die Menschen nicht nur fachlich, sondern auch persönlich gut zusammenspielen.

Allerdings zeigt sich bei etlichen Jobund Karriereprofilen, dass die Software noch nicht so weit ist, wie man sich das wünscht. Bei einigen Aufgaben funktionieren die Systeme inzwischen aber hinreichend gut. So hat sich die Firma x. ai darauf spezialisiert, rasch Termine zu organisieren – auf der Basis von selbstlernenden Algorithmen. Gemäss einem Sprecher von x.ai erfordert es normalerweise sieben E-Mails, bis Termine gefunden sind. Die x.ai-Software scannt die Kalender und schlägt freie Lücken vor - passenderweise unter Berücksichtigung von Anreisen und persönlichen Präferenzen.

Allerdings zeigen sich noch viele Grenzen, die auch etlichen Assistenten ihre Jobs in den kommenden Jahren sichern werden. So kümmern sich die Lösungen bei Flugbuchungen noch nicht um die möglichen Airlines, mit denen eine Firma eventuell einen Grossvertrag mit Anreizprogrammen hat. Schwächen gibt es bei der Software auch bei der Optimierung von Kosten bei der Zusammenstellung von Teams. So lassen die gegenwärtigen Lösungen die besten Leute aus aller Welt zusammen fliegen – aber die Kostenaspekte wie teure Flüge und wochenlange Hotelübernachtungen werden dabei kaum berücksichtigt. Menschliche Assistenten haben das im Griff. Anders als die realen Angestellten kennen die virtuellen Assistenten keine Loyalitäten. Noch nicht.

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