Wie viele andere Publikationen belegt auch die Studie «Digital Switzerland» von der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, dass die Mehrheit aller Digitalisierungsinitiativen in der Schweiz nicht den Nutzen stiften, den man sich ursprünglich versprochen hat.

Trotz Millioneninvestitionen, trotz einem wachsenden, die Gesellschaft und Politik durchdringenden Bewusstsein, dass die Schweiz Digitalisierung nicht aussitzen kann, wächst die Frustration über gescheiterte Projekte bei vielen Entscheidungsträgern, mit denen ich in den letztenMonaten Gespräche führte. Dieses Scheitern hat auch damit zu tun, dass die Führungsetage das eigentliche Wesen der Digitalisierung bis heute verkennt.

Es ist nicht die stetige Weiterentwicklung der Technologie, die immer mehr Branchen und deren Wertschöpfungsprozesse disrumpiert. Vielmehr sind es mutige Menschen, die verrückt genug sind, Probleme und elementare Bedürfnisse anderer weiterzudenken und ihre Organisationen darauf auszurichten, diese besser zu befriedigen. Dies mag in der Ausführung durchaus auch technologiegeprägt passieren – aber eben nicht allein.

Digitalisierung versus Elektrifizierung

Es gibt Führungskräfte, die nicht ohne Stolz die Umwandlung ihres Rechnungsarchivs von Bundesordnern in diverse PDF in der Private Cloud als Digitalisierungserfolg verkaufen. Nun, mit Verlaub, dies hat mit dem Kern von Digitalisierung nicht mehr viel zu tun. Tatsächlich ist die Relevanz von archivierten PDF für Kunden ziemlich überschaubar.

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Der österreichische Philosoph und bekennende Akzelerist ArmenAvanessian erkennt hinter Digitalisierung nicht nur Plattformen, auf denen gedacht wird, sondern mittels deren gedacht wird. Die Planung für das kommende Jahr ist eine ideale Gelegenheit, dieses Denken abseits vom vollgepackten Tagesgeschäft wieder mehr zu schärfen. Und vielleicht auch einen Moment innezuhalten und sich vor Augen zu führen, wo und wie neue Impulse helfen können, damit vielversprechende Ideen 2019 rasch Traktion gewinnen.

Ein wichtiger Impuls für mich persönlich wird die Expedition in die BranchendisruptionsKapitale derWelt – das Silicon Valley. Begleitet von Protagonisten der HWZ Hochschule für Wirtschaft reise ich mit einer Gruppe von Peers im kommenden Sommer nach San Francsico. In Diskussionen und Workshops mit StartupGründern, OutpostVerantwortlichen etablierter Unternehmen, aber auch Vordenkern akademischer Fakultäten wie UC Berkeley ergründen wir Rezepte, wie wir unsere Unternehmen und die Schweizer Wirtschaft digital noch zukunftsfähiger machen.

Besonders gespannt bin ichauf Insights zu ValueCapturingModellen, Design Thinking und Growth Hacking. Mehr jedenfalls als auf die auch in unseren Medien gern herumgereichten technologischen Hypes. Denn selbst Projekte mit hohem BuzzwordKoeffizenten werden den KundenrelevanzLackmustest nur selten bestehen.

Technologie mit kreativem Handeln

Lassen wir uns nicht blind von künstlicher Intelligenz, Augmented Reality und Co. verführen. Fokussieren wir uns stattdessen auf mehr Augmented Humanity als Symbiose von menschlichem Verstand, Technologie und dem nachfolgenden Tun. Die Avantgarde unserer Wirtschaft ist gefordert, mit gutem Beispiel voranzugehen. Bringen wir unsere digitale Agenda wieder ins Lot. Die nächste Welle der Digitalisierung heisst, Kundenrelevanz ins Zentrumzu stellen. Damit wir sie gut erwischen, brauchen wir neben Technologie und Fachwissen vor allem den Mut, auch grosse Initiativen umzusetzen. Verbannen wir stattdessen austauschbare «Elektrifizierung» und schaffen Platz für gestaltende Projekte, die Kunden, Mitarbeitende und ein übergeordnetes Ecosystemgleichermassen erfreuen.

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Und ja, falls mich jemand begleiten will in die Arbeitswoche ins Silicon Valley im kommenden Sommer: Es hat aktuell noch ganz wenige Plätze. Mehr Informationen finden sich auf www.infocentric.ch/digitalmindset