Bereits vor zehn Jahren gründeten die beiden Unternehmer David Meinertz und Amit Khutti in Deutschland das Unternehmen DrEd, später in Zava umbenannt. Zava ist eine Online-Arztpraxis, die ihre Patienten ausschliesslich aus der Ferne berät und behandelt. Patienten werden aus England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz betreut. Zava führte mittlerweile, nach eigenen Angaben, über vier Millionen Behandlungen durch.

Die Konsultation läuft elektronisch ab, indem der Patient ein Konto eröffnet und dort einen medizinischen Fragebogen ausfüllt. Der dann behandelnde Arzt analysiert diese Informationen und stellt, falls notwendig, ein Rezept aus. Dieses wird an ausgewählte Versandapotheken geleitet, die dann die Medikamente an die Patienten versenden.

Peter Sutter leitet seit Jahrzehnten im Zürcher Quartier Friesenberg eine Praxisgemeinschaft. Auch er erkennt die Änderungen in der Gesellschaft und wie sehr digitale Innovationen auch seine Arbeit und den Kontakt zu seinen Patienten beeinflussen. «Ich sehe diese Entwicklungen jedoch positiv. Gerade während der Pandemie habe ich häufig Patienten nur elektronisch erreichen können und mit ihnen per SMS oder Whatsapp kommuniziert.

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«Das funktioniert vor allem dann, wenn ich diese Menschen schon von vorher persönlich kenne.»

Mehr als eine grobe Analyse kann über das Smartphone nicht kommen.

 

Dennoch hält Sutter fest, dass Befunde und Diagnose über ein Smartphone grundsätzlich erschwert sind. Die Gefahr einer Fehldiagnose sei einfach viel höher. «Zudem kann ich während eines persönlichen Gesprächs erkennen, ob der Patient beispielsweise Angst hat oder andere relevante Anzeichen vorweist, die man über den Bildschirm nicht identifizieren könnte.»

Das Feedback aus der Ärztebranche gegenüber diesen neuen Medien ist positiv. Sutter erklärt, dass diese virtuellen Anbieter die Patienten meist nur kurz betreuen, Stichwort Erstbefund, und dann, sofern notwendig, zum persönlichen Check in die Praxis oder ins Spital weiterleiten.

«Mehr als eine erste grobe Analyse kann über das Smartphone gar nicht gegeben werden. Wenn jemand leichte Symptome hat, vielleicht eine Grippe oder Kopfweh, dann kann Dr. Digital durchaus ein wirksames Rezept verschreiben. Der Grossteil aller kleinen Krankheiten kann entweder in der Erholung zu Hause oder mit einem Primärmedikament geheilt werden.» Das bedeute letztlich auch, dass viele «unnötige» Praxisbesuche verhindert werden können, damit sich die Ärzte um die schwerer erkrankten Patienten kümmern können.

Und so funktioniert das Online-Geschäft für medizinische Betreuung bestens. Céline Klauser von Medgate führt dazu aus: «Pro Jahr verzeichnen wir rund eine Million Telekonsultationen, wobei die Schweiz den grössten Anteil daran hat. Unter dem Namen Medgate Global sind wir auch in Deutschland, den Philippinen, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien präsent. Die Aktienmehrheit unseres Unternehmens ist im Besitz der beiden Gründer Andy Fischer und Lorenz Fitzi; die Aevis Victoria SA ist mit 40 Prozent an der Medgate Gruppe beteiligt. Am Schweizer Geschäft hält zudem auch die Swisscom eine Minderheitsbeteiligung.»