Am liebsten wäre Barbara Bolliger als Berufspilotin grosse Linien-Jets geflogen und hätte Traumziele in aller Welt angesteuert. Alles war für diesen beruflichen Weg aufgegleist: Vor und nach der Matura absolvierte sie die Fliegerische Vorschulung und -Weiterbildung des Bundes, absolvierte dort das Berufspilotenbrevet und und hatte bereits einen Ausbildungsplatz bei der Swissair. Doch mit dem Grounding der Swissair 2001 kam alles anders. 

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Statt im Cockpit eines Flugzeugs sitzt Barbara Bolliger heute in leitender Funktion an einer zentralen Schnittstelle der Helvetia Gruppe. Als Generalsekretärin koordiniert sie die Arbeit der obersten Führungsgremien im Unternehmen. «Mir macht es Spass, in einer Entscheidungsposition etwas zu bewegen, und ich übernehme gerne selbst das Steuer», sagt die 46-Jährige von sich. Und meint damit auch die Fähigkeit, sich in einem dynamischen Umfeld immer wieder schnell neu zu orientieren und zeitnah die möglichst richtigen Entscheidungen zu treffen, Dinge zielgerichtet voranzutreiben und effizient umzusetzen. 

Diese Fähigkeiten trainierte sie viele Jahren als Rechtsanwältin in einer Zürcher Wirtschaftskanzlei. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes entschied sie sich, auszusteigen, und orientierte sich neu. Es ergab sich die berufliche Chance, für die 2005 neu gegründete Schweizer Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid AG in Aarau das Generalsekretariat aufzubauen. 

«Der Wechsel aus einer beratenden Tätigkeit in ein Unternehmen mit Startup-Charakter war für mich superspannend», erzählt sie. Fasziniert vom Job und der komplexen Materie des Strommarktes am Puls politischer Entscheidungen blieb sie zehn Jahre bei Swissgrid und lernte dort viel über unternehmerisches Handeln und operative Umsetzung.  

Dynamische Aufgabe an einer zentralen Schaltstelle

Überblick und gute Steuerung in einem sich schnell verändernden Umfeld ist auch in ihrer Tätigkeit als Generalsekretärin der Helvetia Gruppe gefragt. Die Position übernahm Barbara Bolliger im Juli 2019. Beratend ist sie mit einem vierköpfigen Team für die Konzernleitung und den Verwaltungsrat tätig. «Es ist eine sehr dynamische Aufgabe an einer zentralen Schaltstelle im Unternehmen, die viel mit Menschen zu tun hat», erzählt sie. 

Das Generalsekretariat bereitet unter anderem Themen und Anträge der Konzernleitung für Verwaltungsratssitzungen vor und erarbeitet Entscheidungsgrundlagen in Abstimmung mit den obersten Führungsgremien. «Wir zeigen nicht nur Handlungsoptionen auf, sondern empfehlen auch konkrete Lösungen», erläutert sie ihre Rolle, in der sie auch zwischen verschiedenen Positionen vermittelt. Ihr ist dabei klar: «Ich kann in der Vorbereitung einiges bewirken und gewisse Dinge mitsteuern» – immer im Bewusstsein, dass letztlich die Unternehmensleitung und der Verwaltungsrat die finalen Entscheidungen treffen.

Zu den Herausforderungen des Jobs als Generalsekretärin gehört es, verschiedene Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, faktisch sehr korrekt und menschlich sensibel zu agieren. Viele Themen des ganzen Unternehmens landen irgendwann auf ihrem Tisch. Barbara Bolliger sieht darin vor allem Vorteile: «Ich habe so einen guten Überblick über das ganze Geschäft und sehe Zusammenhänge zwischen den Themen. Das gefällt mir an meiner Arbeit besonders gut.» 

Die Persönlichkeit zählt

Da auch viele vertrauliche Dinge über ihren Schreibtisch gehen, legt sie grossen Wert auf ein gutes Arbeitsklima. «Ich geniesse gerne das Vertrauen im Führungskreis, dass ich etwas bewegen darf und kann», sagt sie. Erfolgsfaktor einer gelungenen Zusammenarbeit sei, dass die Chemie stimme, egal ob Mann oder Frau, ist ihre Überzeugung: «Am Schluss ist es die Persönlichkeit, die zählt. Der Mensch macht es aus.»