Viele Fintechs kämpfen an vielen Fronten: um Kunden, um Einnahmen, um Finanzierungen und zum Teil um das Überleben. Die Macht der Banken ist meist zu gross, die Wechselbereitschaft der Kunden trotz teilweise veralteten Lösungen bei ihren traditionellen Banken zu gering. Sichtbar ist das beispielsweise bei den Robo Advisors. Die kommen nach knapp zehn Jahren harter Aufbauarbeit zusammen gerade mal auf knapp 400 Millionen Franken verwaltetes Vermögen, wenn man auf die Schätzungen von Experten abstellt. Wenn man hiervon noch die Angebote der beiden grössten Adressen abzieht, bleibt ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag.

Ganz anders sieht es bei den digitalen 3a-Vorsorgelösungen aus, die einige Parallelen mit den Robo Advisors haben. Die Vorsorgelösungen gibt es zwar erst halb so lange. Aber alleine die beiden Marktführer Viac und Frankly/Zürcher Kantonalbank kommen zusammen bereits auf 1 Milliarde Franken verwaltetes Vermögen.

Der Markt wird überschätzt

Unbestrittener Marktführer und Vorbild ist das Fintech Viac. Angehängt ist Viac an die Terzo-Vorsorgestiftung der WIR Bank in Basel. «Aktuell verwalten wir rund 700 Millionen Franken von 33 000 Kunden», sagt Mitgründer Daniel Peter.

Peter verweist auf die vielen Features und Eigenschaften der eigenen Lösung: «Dank dem eigenen Core-System können wir auch bei steigenden Kundenzahlen die Administration in einem sehr kleinen Team sicherstellen, es gibt eine vollautomatische Optimierung von Handelsnebenkosten durch interne Verrechnung; der Kunde im Erwartungswert beispielsweise zahlt keine Bid-/Ask-Spreads bei den Indexfonds und ETF.» Investieren geht hier dank Fractional Sharing (bei dem die Verteilung der Mittel selbst bei winzigen Beträgen immer proportional erfolgt) ab 1 Franken. Und es gibt keine Zwangsinvestitionen in negativ verzinste Bonds; Vorsorgesparer können ihre individuellen Strategien aus Indexfonds und ETF selber zusammenstellen.

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Neue Anbieter wie Descartes Finance, Selma Finance und Finpension bewegen sich im gleichen Markt, weitere Banken und Fintechs wie Everon bereiten ihren Einstieg vor. «Der Vorteil ist, dass die Anlagen auf breiter Front etwas günstiger werden», glaubt Peter. «Der Nachteil ist, dass die Übersicht für die Kunden immer schwieriger wird. Was ich aber auch beobachte, ist, dass der Markt etwas überschätzt wird.» So gross sei der relevante Markt dann eben doch nicht – auch wenn man bei Viac in der Vergangenheit jeweils ein Rekordwachstum ausweisen konnte.

Der ZKB-Robo kann bald sprechen

Der Start von Frankly, einem Angebot der Zürcher Kantonalbank (ZKB), war in diesem Jahr unübersehbar. Trotz dem schwierigen Umfeld – die Lancierung fiel auf den Start des Covid-19-Shutdown – hat sich Frankly laut eigenen Angaben «sehr gut» entwickelt. «Seit der Einführung haben über 11 000 Kunden bei Frankly mehr als 300 Millionen Franken investiert», sagt Nirmala Alther von der Medienstelle der Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Wir haben zudem alle aktiven Vorsorgeprodukte auf den Responsible-Ansatz umgestellt.» Als erste Fondsanbieterin setze man sich bei allen traditionellen, aktiven Anlagefonds ein verbindliches CO2-Reduktionsziel von 4 Prozent pro Jahr und weise das aus.

Das Angebot der Zürcher richtet sich an alle potenziellen Kunden in der gesamten Schweiz. «Unsere Frankly-Säule-3a-Eröffnung dauert nur wenige Minuten und ist ohne Bankbesuch möglich», so Alther weiter. «Im September haben wir Gutscheine für Neukunden lanciert, die direkt im Onboarding eingelöst werden können.» Seit kurzem sorgen eine Optimierung des Onboardings etwa beim Ausweis-Scan und eine Erste-Schritte-Funktion beim erstmaligen Aufruf der App für zusätzliche Benutzerfreundlichkeit. «In den nächsten Tagen werden wir einen Chatbot lancieren.»

Kosten je nach Strategie

Hinter Frankly stehen laut Alther die Anlageprodukte von Swisscanto und ein attraktives Preismodell mit einer All-in-Fee von 0,47 Prozent – «was uns gemäss Moneyland-Vergleich 60 Prozent günstiger als vergleichbare Angebote fürs Wertschriftensparen macht».

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Auch Peter verweist auf günstige Gebühren: «Wir verrechnen keine Gebühr auf Cash.» Andere Anbieter haben Negativzinsen auf dem 3a-Konto wie in einem Fall –0,42 Prozent (+0,05 Prozent Zins und –0,47 Prozent Gebühr) oder in einem anderen Fall –0,68 Prozent (0,00 Prozent Zins und –0,68 Prozent Gebühr). «Wir haben durchschnittliche Gesamtkosten von lediglich 0,39 Prozent für Depot, Courtagen, Verwaltung, Administration und Produktkosten (TER) sowie den Basisschutz», so Peter. «Dieser Wert wird über alle Strategien berechnet; ohne das 3a-Konto und das kostenlose Konto Plus, aber inklusive der teureren nachhaltigen Strategien.»

Beim Vergleichsdienst Moneyland hat man nachgerechnet. «Die Gesamtkosten für unterschiedliche Aktienstrategien betragen zwischen 0,17 Prozent und 0,61 Prozent. Damit ist Viac ähnlich günstig wie Frankly (je nach Strategie aber etwas günstiger oder teurer).»

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Hinter Frankly stehen Produkte von Swisscanto und ein Preismodell mit einer All-in-Fee von 0,47 Prozent.