«Anleger zeigen sich unbeeindruckt von der Ausbreitung des neuen Coronavirus», hiess es noch Ende Januar in einem Börsenkommentar. Investoren, die sich von Berichten aus Wuhan beeindruckt gezeigt hatten und etwa Ende Januar 10 000 Franken in einen Put-Warrant auf den SMI mit Ausübungspreis von 10 000 Punkten investiert hatten, konnten Mitte März innert Tagen das Dreissig- bis Vierzigfache dieses Betrags einspielen. Die Summe hätte gereicht, um ein 1-Millionen-Aktienportfolio, bestehend aus SMI-Werten oder entsprechendem ETF oder Index-Tracker, sauber durch die Baisse zu bringen.

Nur die wenigsten Anleger handeln so konsequent und nutzen die Möglichkeiten einer Kombination von Index- und Absicherungsprodukten. Reine Indexprodukte hatten den Corona-Crash vom März naturgemäss ungebremst mitgemacht. Bei den beliebten Barrier Reverse Convertibles war die Zusammensetzung entscheidend. Ein beigemischter Zykliker oder Finanzwert genügt, um anstelle der Rückzahlung die meist wertmässig weniger attraktive Aktienlieferung auszulösen.

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Finanzprodukte 2020

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Abgerechnet wird dann Ende Jahr. Auch wenn es für Prognosen über die weitere Entwicklung an den Märkten zu früh ist – etwas lässt sich schon jetzt über diese Krise sagen: Bond-Investoren werden am 31. Dezember etwas zu feiern haben, weil sie ihre Benchmarks einfacher übertreffen können als aktive Aktieninvestoren. Das liegt daran, dass Obligationen auslaufen; es gibt viel Bewegung bei der Index-Zusammensetzung und viele Investoren in diesem Markt verfolgen ganz bestimmte Ziele. Lebensversicherer kaufen dreissigjährige «Langläufer», Banken aus Eigenkapitalgründen bevorzugt Staatsanleihen und viele Fondsmanager dürfen nur kaufen, was «Investment Grade»-Qualität aufweist, also BBB und höher. Kaum jemand will hier den Index schlagen – und das macht das Schlagen einfach.

Gemäss einer Analyse des Assetmanagers Pimco beträgt der Anteil der Investoren, die gar nicht all das kaufen können, was sie gerne wollten, rund 50 Prozent. Aktive Bond-Fondsmanager hingegen können Laufzeiten kaufen, die gerade nicht beliebt sind und mit Junk-Bonds die Gesamtrenditen aufpeppen. Sie nutzen die Vorteile, die den anderen Fondsmanagern wegen der Einschränkungen nicht zugänglich sind.

Trost für die Aktienkäufer: Auch ihre Chancen sind intakt, Ende 2020 das Übertreffen der Benchmark zu feiern. Sie müssen lediglich die Instrumente geschickt kombinieren. Etwa mit der Kombination eines Aktienindex-ETF und Calls und Puts, die weit «aus dem Geld» liegen. Was die eine Seite verliert, spielt die andere überproportional wieder ein.