Versicherungen
Gefahr im Haus

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 Quelle: Martin Deja

Welche Lösungen die Assekuranzen bei kommerziellen Bauten empfehlen und welche neuen Risiken es zu beachten gilt.

Von Matthias Niklowitz
am 26.09.2018

Der Grossband am Zürcher Hauptbahnhof, der eine ganze Häuserzeile aus der Belle Époque zerstörte, hat bei manchem Immobilienbesitzer die immense Bedeutung eines umfassenden Versicherungsschutzes in Erinnerung gerufen. Zwar ist eine Gebäudeversicherung in vielen Kantonen obligatorisch und deckt Schäden, die durch Feuer, Hochwasser, Überschwemmungen, Lawinen, Schneedruck, Steinschlag, Erdrutsch, Felssturz, Sturm und Hagel entstehen. Ob damit aber der ganze Schaden gedeckt werden kann, ist insbesondere bei denkmalgeschützten Bauten fraglich. «Die Gefahr eines Erdbebens ist jenes Risiko, das die Menschen in der Schweiz am meisten unterschätzen», sagt etwa David Schaffner, Sprecher der Zurich Versicherung. «Im Gegensatz zu anderen Naturgefahren ist nach einem Erdbeben oft nicht nur ein Teil des Gebäudes betroffen, sondern das ganze Haus.» Die Kosten für die Reparaturen bis hin zum Wiederaufbau des Gebäudes können sehr teuer werden. «Wer heute eine Immobilie nicht freiwillig gegen Erdbeben versichert, kann im Schadenfall vor existenziellen Problemen stehen.» Betreiber von kommerziellen Immobilien seien zudem gut beraten, wenn sie ihre Gebäude gegen Feuer und Elementarschäden wie Sturm, Hochwasser, Hagel und dergleichen versichern sowie gegen Wasserschäden infolge eines Leitungsbruchs oder eines Rückstaus. Auch bei der Baloise schenkt man der Umwelt mehr Aufmerksamkeit. «Vor dem Hintergrund der derzeitigen Marktbedingungen sind den Lageaspekten erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken», erklärt Dieter Kräuchi, CEO von Baloise Immobilien Management. Dem langfristigen Investitionsgut Immobilien werde in der Regel Trägheit zugeschrieben. «Die zunehmende Wandeldynamik wird deshalb meist unterschätzt und dem Nutzen der Flexibilität bei Verträgen, Finanzierungen und dergleichen wird zu wenig Beachtung geschenkt.»

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Neues Thema Cyberrisiken

Ein ganz neues Thema sind die Cyberrisiken im Immobilien und Firmenumfeld. «Das Internet der Dinge und Entwicklungen im SmartHomeBereich bergen neue Gefahren im Bereich der Internetkriminalität», sagt MobiliarSprecher Jürg Thalmann. «Tatsächlich stellt die zunehmende Vernetzung von Wohn und Geschäftsräumen neben grossem Komfort auch ein erhöhtes Risiko dar», bestätigt auch Steven Tirrito, Projektleiter Baloise Digitale Pfadfinder. Hier sei die Kombination aus Versicherung und Prävention das einzige nützliche Mittel. Cyberattacken stellen gemäss Zurich auch im Bereich Immobilien eine zunehmende Gefahr für industrielle Anlagen dar. Im Gewerbekontext könnten Cyberangriffe auf Klimasteuerungen oder Zutrittskontrollen dazu führen, dass Bürogebäude nicht verfügbar sind, oder es können beispielsweise sensible Daten aus der Videoüberwachung gestohlen werden. Versicherungen wie Zurich und Baloise bieten einen Cyberschutz sowohl für KMU als auch für grössere Unternehmen, um die finanziellen Konsequenzen solcher Zwischenfälle abzufedern.

Der Einfluss des Klimawandels

Und auch der Klimawandel spielt eine immer grössere Rolle: Der Klimawandel hat laut Baloise-Fachmann Kräuchi auf zwei Ebenen Einfluss auf Immobilien: Zum einen verlangen heisser und länger werdende Sommer nach einer vermehrten Klimatisierung und anderen Komfortanpassungen von Räumlichkeiten. Anderseits wird es immer wichtiger, bei
der Bausubstanz und der technischen Ausstattung Massnahmen zur Ressourcenschonung zu treffen. «Das beinhaltet sowohl bauliche wie auch betriebliche Aspekte», so Kräuchi. «Bei Baloise setzen wir schon lange auf entsprechende Werte,
ohne aber generell einem entsprechenden Label oder einer bestimmten Zertifizierung den Vorzug zu geben.»
Zurich stellt Immobilienbesitzern und -verwaltern ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem sie Naturgefahren einschätzen
und Gefährdungen erkennen können. Das Tool basiert gemäss der Versicherung auf Tausenden ständig aktualisierten
Daten aus den Gefahrenkarten von Bund und Kantonen. Gemäss Zurich-Sprecher Schaffner ist nämlich auch in diesem
Fall die Prävention der günstigste Weg. «Bauliche Massnahmen gegen Naturgefahren sind oft günstiger als vermutet,
bei Neubauprojekten machen sie meist weniger als 1 Prozent der gesamten Baukosten aus.»