Die Einhaltung logistischer und organisatorischer Anforderungen entlang der gesamten Lieferkette ist entscheidend dafür, dass Arzneimittel, Impfstoffe, Proben aus klinischen Studien, Muster und verwandte Produkte sicher und schnell an Kunden weltweit geliefert werden können. Die Schweiz, einer der weltweit grössten Produktionsstandorte für Arzneimittel, stellt täglich unzählige medizinische und vor allem pharmazeutische Güter her. Einige davon sind fertige, generische Produkte, die man in Apotheken finden kann, andere sind in ihrer Struktur komplexer. Sie können aus Rohstoffen bestehen, die für eine Endproduk­tion benötigt werden, oder aber aus fertigen, massgeschneiderten Lösungen, die für einzelne oder für eine Gruppe von Patienten entwickelt wurden. Darüber hinaus spielen Impfstoffe für Forschungszwecke und klinische Studien eine wichtige Rolle.

Waren, die entlang dieser speziellen Lieferkette transportiert werden, bedürfen eines besonderen Handlings, um sicherzustellen, dass sie ordnungsgemäss befördert werden. Dabei ist die Ein­haltung der Temperaturanforderungen besonders wichtig. Viele Arzneimittel erfordern einen strikten Temperatur­bereich, andere eine Lagerung bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Kühlräume für Medikamente

Bevor sie eine Produktionsstätte verlassen, werden diese Produkte mit isolierendem Verpackungsmaterial entsprechend den Temperaturvorgaben für den ersten Transport vorbereitet, der in der Regel mittels temperaturkontrollierter Lastwagen zur Frachtabfertigungshalle des Flughafens führt, wo eine Zwischenlagerung stattfindet. Lagerplätze spielen entlang der gesamten Liefer­kette eine zentrale Rolle. Sobald eine Sendung eingetroffen ist, beschleunigen automatisierte Aufzüge den Prozess innerhalb des Lagergebäudes. Entsprechende Kühlräume sorgen für die permanente Einhaltung der geforderten Bedingungen. Effiziente, automatisierte und eingespielte Prozesse entlang aller Zwischenstationen sind ein kritischer Erfolgsfaktor, der gerade im Falle von Unregelmässigkeiten darüber entscheidet, ob ein Patient sein Medikament rechtzeitig  erhält.

Sobald das Frachtgut am Flughafen eingetroffen ist, beginnt für die Flug­gesellschaft die eigentliche Arbeit. Der erste Transport aufs Vorfeld mag trivial klingen, ist im Alltag aber anspruchsvoll. Unterschiedliche Klimazonen, gerade in den Tropen, können zu einer Vielzahl von Wetterphänomenen führen, vor denen es das Frachtgut mittels minimaler Exposition zu schützen gilt. Das Verladen der Sendung in den Frachtbereich des Flugzeuges muss unter Berücksichtigung aller Anforderungen möglichst schnell abgewickelt werden – und zwar noch während im Flugzeug spezifische Temperaturkon­trollen wie beispielsweise die Heizung oder Kühlung im Frachtraum eingerichtet werden. Nur so ist sichergestellt, dass für die Dauer des Fluges alle Anfor­derungen an die Beförderung der kostbaren Güter erfüllt sind.

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Am Zielort muss das Frachtgut unter denselben Bedingungen wie am Abflugort sorgfältig entladen und für die weitere Beförderung vorbereitet werden. Für pharmazeutische Sendungen ist ein effizient organisierter Transport von grösster Bedeutung. Medikamente müssen abseits des üblichen Lieferzeit­rahmens transportiert werden und die Kunden innerhalb einer kritischen Zeitspanne erreichen. Was sonst Wochen oder Monate dauern würde, kann so auf Tage und Stunden reduziert werden. Die Qualitätsstandards und die damit verbundenen Anforderungen steigen permanent, sodass die durchgeführten Transporte komplexen und strengen Regeln unterworfen sind. Um allen Anforderungen Rechnung zu tragen, bieten darauf spezialisierte Luftfrachtunternehmen eine Vielzahl an Lösungen. So überwachen beispielsweise Mess und Ortungsgeräte mögliche Temperaturabweichungen. Lagerräume sind mit Alarmsystemen ausgestattet, die bei Devianzen vom vorgegebenen Temperaturbereich ausgelöst werden. Spezielle Verpackungs und Containerlösungen ermöglichen eine konstante Einhaltung der klimatischen Bedingungen, ohne das Frachtgut Witterungseinflüssen auszusetzen. Regelmässige Audits vonseiten Kunden und Behörden haben über die vergangenen Jahre zugenommen.

Ein effizientorganisierter Transport ist bei Pharmaartikeln entscheidend.

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Zertifizierung ist zentral

In diesem Zusammenhang spielen Zertifizierungen eine zentrale Rolle, indem sie sicherstellen, dass die Sendungen den strengen Anforderungen an die Handhabung entsprechen und sich innerhalb des vorgegebenen gesetzlichen Rahmens bewegen. So beispielsweise die CEIVZertifizierung (Center of Excellence for Independent Validators), die sicherstellt, dass alle Vorgaben an das Handling wie die GDPVereinbarung (Goods Distribution Practices) eingehalten werden. Ein CEIVzertifizierter Betrieb unterstreicht das Bekenntnis zur kontinuierlichen Qualität und dient Kunden, Systempartnern und Behörden als entsprechendes Gütesiegel.

 

Susanne Wellauer, Head of Pharmaceuticals & Healthcare, Swiss WorldCargo, Kloten.