Das Konsumentenverhalten, Stichwort Online-Handel, aber auch die Bedürfnisse von Industrie undHandel beeinflussen den Güterverkehr in entscheidendem Masse. Täglich werden riesige Gütermengen rund um den Globus befördert, weil die Produktions- und Handelsfirmen die kosten- und lohnrelevanten Unterschiede der einzelnen Länder ausnützen. In Europa muss man sich überlegen, wie die zukünftige Gütermenge sinnvoll, umweltschonend, aber auch wirtschaftlich bewältigt werden kann. Dazu kann die Schiene neben dem Strassengüterverkehr einen entscheidenden Beitrag leisten. Allerdings ist die zu beförderndeGütermenge unterschiedlich aufgeteilt. Der Strassengüterverkehr dominiert klar in Europa. Doch die Bahnen geben sich vielMühe, ihre Konkurrenzfähigkeit und damit ihren Marktanteilweiter zu erhöhen, ist doch der Schienenverkehr prädestiniert für den Transport grosser Gütermengen auf langen Strecken. Auch die Ökobilanz des Schienengüterverkehrs sieht besser aus, sofern der Strom nicht aus Kohlekraftwerken stammt.

Bahnpolitischer Nationalismus

Auf der Schiene könnten noch weit grössere Gütermengen transportiert werden, doch deren Anteil an der gesamten transportierten Gütermenge entwickelt sich nur langsam. Das liegt in erster Linie daran, dass die europäischen Bahnen noch immer «Länderbahnen» sind. Der nach wie vor vorhandene verkehrspolitische Nationalismus ist nicht hilfreich, wenn es darumgeht, die Schiene als Transportweg stärker zu nutzen. Unterschiedliche technische Systeme und Arbeitsvorschriften und nationale gesetzliche Bestimmungen beeinträchtigen den Weg zu einer europäischen Bahn, die länderübergreifend unterwegs sein könnte, wie das beim Strassentransport schon längst der Fall ist. Hier ist die Politik gefordert, auch die dafür notwendigenMassnahmen umzusetzen.

«Wir brauchen ein europäisches Bahnsystem und eine gemeinsame Verkehrspolitik auf der Schiene, um die Wettbewerbsfähigkeit des Schienentransportes weiter zu verbessern», erklärte Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative/AlpinnoCT am Logistik-Dialog in Altdorf. An der Konferenz, organisiert vom Interreg-Projekt AlpinnoCT, vom Innovationszentrum Detranz sowie vom Coordination Point von Imonitraf, diskutierten rund neunzig Fachleute aus Deutschland, der Schweiz und Österreich über die Zukunft des Gütertransportes in den Alpen. Im Zentrumstanden innovative Ansätze für nachhaltige und effiziente Transportlösungen im und durch den Alpenraum.

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Vier Massnahmen zur Optimierung

An der Tagung wurden verschiedene Stossrichtungen beziehungsweise Thesen diskutiert, wie der alpenquerende Schienengüterverkehr, aber auch die übrigen Schienenverkehre in Europa optimiert werden könnten. Im Vordergrund der Diskussion stand die Harmonisierung respektive die Durchsetzung von Fördermassnahmen in der EU auf allen Ebenen. Noch immer sind die Instrumente zur Förderung des Schienengüterverkehrs der einzelnen europäischen Staaten schlecht aufeinander abgestimmt. Ein stärkere Harmonisierung wäre wünschenswert.

1 Einfachere administrative Kontrollen

Ebenso wichtig sind die Vereinheitlichungen und die Angleichungen in der Zollabfertigung und in den administrativen Kontrollen. Es sollte Schluss sein mit den mehrfach durchgeführten Abfertigungen beziehungsweise Kontrollen innerhalb der Transportkette auf der Schiene.

2 Umweltschutzaspekt stärker berücksichtigen

Vonseiten der Politik wird immer wieder betont, dass die Verkehrsverlagerung auf die Schiene auch aus Umweltschutzüberlegungen intensiviert werden muss. Allerdings stehen diese Aussagen oft nicht in Einklang mit den Taten, wie an der Tagung betont wurde. Eine Stärkung des Eisenbahnsystems, beispielweise in Form eines Konjunkturprogrammes für die Schiene, sei nicht zu spüren.

3 Europäisches Notfallmanagement ist vordringlich

Die Sperrung der Bahnstrecke bei Rastatt im vergangenen Jahr hat aufgezeigt, wie anfällig die Schienenverbindungen sein können. Es braucht ein europäisches Infrastrukturmanagement, insbesondere aber auch ein Notfallmanagement, um im Krisenfall entsprechende Massnahmen ergreifen zu können, damit Unterbrüche auf der Schiene sofort aktiv angegangen werden können. Die zum Teil chaotischen Zustände nach Rastatt zeigten eindeutig auf, dass hier ein erheblicher Handlungsbedarf besteht. Es braucht einen Ansprechpartner, der bei länderübergreifenden Fragen schnell und unbürokratisch Entscheidungen treffen kann.

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4 Sprachwirrwarr beseitigen

Zu den weiteren Anliegen der Verkehrsfachleute zählt aber auch eine einheitliche Regelung der Sprache im europäischen Eisenbahnwesen.Heutemüssen Lokführer bestimmte Begriffe in mehreren Sprachen beherrschen, sofern sie grenzüberschreitend eingesetztwerden.Gefordert wird von den Experten, dass in Zukunft – ähnlich wie im Luftverkehr – alle wichtigen Begriffe auf Englisch ausgetauscht werden, um dem Fahrermangel entgegenzuwirken. Die Schiene hat als Gütertransportweg durchaus Chancen, doch deren Rahmenbedingungen müssen optimiert werden. Nur so kann die Schiene innerhalb der heute eng getakteten Wertschöpfungsketten eine tragende Rolle spielen.