Am Anfang wurde gejagt und gesammelt, dann Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. Den Anbau von Getreide und Früchten haben unsere Vorfahren erfunden, genauso die Armee- und Kriegsführung. In all diesen Lebensbereichen war eines immer gefragt: Logistik. Was in der Antike zum Teil noch mit rudimentären Transport und Lagermethoden, Anbauzyklen sowie Nachschub- oder Versorgungsplänen bewerkstelligt werden konnte, ist in der industrialisierten Welt ohne ausgeklügelte Algorithmen nicht mehr zu stemmen. Denn Logistik und Supply Chain zeichnen sich heute durch einen hohen Grad an Komplexität aus: Alle Güter-, Material- und vor allem Informationsflüsse sind in der globalisierten und eng verflochtenen Wirtschaftswelt so zu koordinieren und zu steuern, dass sie ihre kommerziellen Ziele erfüllen. Die Vernetzung der einzelnen Logistikbereiche zu einem möglichst reibungslosen Gesamtprozess «vom Lieferanten zum Kunden» spielt hierbei eine entscheidende Rolle. «Die erfolgreiche Koordination und Organisation aller beteiligten Akteure in den Wertschöpfungsketten wird vor diesem Hintergrund schnell zum Wettbewerbsvorteil», schreibt der Fachverband GS1 Switzerland in seiner Broschüre «Bildungslandschaft Schweiz». Der Verband mit Sitz in Bern ist Teil der in 140 Ländern tätigen Not-for- Profit-Organisation GS1, die Unternehmen weltweit bei der Optimierung ihrer Waren-, Informations- und Werteflüsse unterstützt.

Der Bedarf an gut ausgebildeten Supply Chain Manager, die sich genau dieser Aufgabe widmen, sei daher offensichtlich, heisst es in der Publikation weiter. Der Umkehrschluss, dass die Entwicklung hin zu arbeitsteiligen Wertschöpfungsketten einen Bedeutungsverlust der «klassischen » Unternehmenslogistik impliziere, sei so jedoch nicht korrekt. Vielmehr seien Unternehmen Bestandteile von Wertschöpfungsketten und in diesem Sinne gefordert, ihre betriebsinternen Waren-, Werte- und Informationsflüsse zu organisieren, zu kontrollieren und zu optimieren. «Auf den Punkt gebracht: Sowohl Logistik- als auch Supply-Chain-Fachkräfte haben Zukunft.»

Doch welche Fähigkeiten müssen denn die Logistiker der Zukunft mitbringen? «In erster Linie brauchen sie ein hohes Mass an Flexibilität, um sich den permanenten Veränderungen und neuen Situationen in der schnelllebigen Logistik anzupassen», sagt dazu Jan Pfenninger, Leiter Marketing und Kommunikation bei Planzer Transport. Um am Markt bestehen zu können, sei ein Logistikunternehmen wie Planzer zum Beispiel gefordert, mit der Digitalisierung Schritt zu halten und neue Technologien einzusetzen. «In unserem Multi-User Warehouse stehen wir tagtäglich vor der Herausforderung, für verschiedene Kundenportfolios mit unterschiedlichsten Anforderungen die bestmöglichen technischen Hilfsmittel zur Zielerfüllung einzusetzen», so Pfenninger. Damit müsse ein moderner Logistiker umgehen können. «Das Berufsbild wird sich weiter verändern, das Zusammenspiel von Menschen und Maschinen immer intensiver und auch komplexer.»

Anzeige

Schichtbetrieb und technische Affinität

Neben dem Bedarf an fachlicher Weiterbildung impliziert dieser Wandel bei Logistikern auch die Bereitschaft, sich neuen Arbeitsbedingungen anzupassen. «Traditionelle Arbeitszeiten verschwinden allmählich, stattdessen ist zunehmend Schichtbetrieb gefragt, um die immer später eintreffenden Kundenbestellungen noch am gleichen Tag verarbeiten zu können », sagt Pfenninger. Der Logistiker von heute sei zum«virtuellen» Mitarbeiter mutiert, der eine hohe Affinität zur Technik haben müsse. «Das klassische Anforderungspapier gibt es bei Planzer schon lange nicht mehr.»

Ähnlich tönt es bei der Migros, wo ausgebildete Logistiker in verschiedenen Geschäftssparten seit je Schlüsselfunktionen besetzen: vom Wareneingang über die korrekte Einlagerung zur Umlagerung in die Kommissionierung bis zum Warenausgang. «Unsere Logistiker arbeiten täglich mit den verschiedensten Transportgeräten und Maschinen. Sie müssen flexibel einsetzbar sein und verstehen, wie die technischen sowie die Datenverarbeitungssysteme korrekt zu nutzen sind», sagt Romana Augstburger, Leiterin HR im Migros-Verteilbetrieb Neuendorf. Um die gesamte Lagerbewirtschaftung aktiv steuern und optimieren zu können, brauche es heute ein enorm vielseitiges Wissen, welches sich vor dem Hintergrund der Digitalisierung rasant verändert und vor allem erweitert habe.

Diverse Weiterbildungsmöglichkeiten

Früher sei ein Logistiker respektive Logistikassistent bei der Migros ein klassischer Lagerverwalter gewesen. Heute werden weit höhere Anforderungen gestellt. Mit dem Wandel der Zeit und mit der Digitalisierung wird ein umfassendes Verständnis für Gesamtzusammenhänge nicht nur erwartet, sondern vorausgesetzt. «Herausforderungen wie das Online- Geschäft oder ‹same/next-day delivery› haben die Geschwindigkeit in den Logistikprozessen massiv erhöht», so Augstburger.

Anzeige

Um ihren Mitarbeitenden die Aneignung des benötigten Rüstzeugs zu ermöglichen, unterstützt sie die Migros bei Weiterbildungen, sowohl intern als auch extern. «Einem Logistiker stehen heute vielfältige und interessante Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung», bestätigt die Leiterin HR. So werden etwa von Berufsverbänden oder Fachschulen entsprechende Lehrgänge angeboten. Auch eine Berufsprüfung mit eidgenössischem Fachausweis oder Weiterbildungen auf Stufe HF und FH seien möglich. «Um ein gutes Verständnis und einen umfassenden Überblick über die Migros Supply Chain zu erhalten, bieten wir auch intern spannende Weiterbildungsmöglichkeiten », so Augstburger.

Dass der Bedarf an gut aus- und weitergebildeten Logistikern kurz- und mittelfristig auf jeden Fall steigen wird, macht ein Blick auf den Gesamtmarkt plausibel. So ist das wertmässige Volumen des Schweizer Logistikmarktes im Jahr 2017 um 1,6 Prozent auf 39,1 Milliarden Franken angewachsen. Für dieses Jahr rechnen Analysten mit einem neuerlichen Wachstum auf fast 40 Milliarden Franken. Mit hübschen Lagerstrukturen und ein paar klugen Transportplänen ist einem solchen Volumen logistisch definitiv nicht mehr beizukommen.