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Rheinschifffahrt
Weniger Umschlag wegen Wasserflaute

ARCHIV - 24.07.2018, Nordrhein-Westfalen, Friedrichsfeld: Ein Tankschiff fährt an einem Schiffsfestmacher vor der Schleuse Friedrichsfeld vorbei. Der Poller schaut wegen des Rheinniedrigwassers ein großes Stück aus dem Wasser. Die Schleuse staut den Wesel-Datteln-Kanal kurz vor der Rheinmündung. (zu dpa "Niedrigwasser im Rhein lässt auch Tankstellen leerlaufen" vom 07.11.2018) Foto: Roland Weihrauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Roland Weihrauch)
 Quelle: Keystone

Der trockene Sommer 2018 bereitet den Schweizerischen Rheinhäfen bis heute Probleme. In Panik gerät man deswegen aber nicht.

Von Kurt Bahnmüller
am 28.11.2018

Das vergangene Jahr 2017 war für die Schweizerischen Rheinhäfen höchst erfreulich, erreichte der gesamte Güterumschlag mit 5,8 Millionen Tonnen doch nahezu den Vorjahreswert. Mit fast 120 000 TEU (Standardcontainer) übertraf der Containerverkehr sogar den Rekord des Jahres 2016 nochmals um 4,1 Prozent. Zum guten Ergebnis hatte die sieben Wochen dauernde Sperre der Rheintalbahnstrecke beigetragen. Sie führte zu einer temporären Verlagerung der Gütertransporte auf den Rhein. Allein im September 2017 wurden im Vergleich zum Vorjahresmonat 36 Prozent mehr Behälter umgeschlagen.

Bemerkenswert sind diese Zahlen aber auch, weil das erste Quartal 2017 durch eine ausserordentliche Niederwassersituation geprägt war. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass man in Basel mit einem niedrigen Wasserstand durchaus umgehen kann. Eine Erfahrung, die den Schweizerischen Rheinhäfen auch derzeit zugute kommt, leidet doch die Rheinschifffahrt seit Mitte Jahr unter dem extrem trockenen Sommer.

Schiffe nur zu einem Drittel ausgelastet

Im ersten Halbjahr 2018 war die Situation noch sehr erfreulich. In den drei Häfen Kleinhüningen, Birsfelden und Muttenz-Auhafen in Basel konnte der Güterumschlag auf 2,87 Millionen Tonnen gesteigert werden, was einem Plus von 8,1 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode entspricht. Vor allem der Containerverkehr nahm erheblich zu und erhöhte sich um 38,9 Prozent auf 69 591 TEU. Die markante Verbesserung ist allerdings auch auf die Niedrigwasserperiode im April 2017 zurückzuführen.

Doch momentan sieht die Lage anders aus. In den ersten neun Monaten ging die Zufuhr in die Basler Rheinhäfen um 12,4 Prozent auf 3,11 Millionen Tonnen zurück, während die Abfuhr um 7,6 Prozent auf insgesamt 804 296 Millionen Tonnen anstieg. Die Importe flüssiger Treib- und Brennstoffe – für die Häfen die wichtigste Sparte – fiel bis Ende September um 23,6 Prozent auf 1,44 Millionen Tonnen.

Grund dafür ist der tiefe Pegelstand des Rheins, der seit Juli unter 5 Meter liegt. Entsprechend können die Schiffe auf dem Rhein in Basel nicht voll beladen werden – derzeit liegt der Wert bei nur gerade einem Drittel. Damit die Frachtschiffe problemlos unterwegs sein können, braucht es eine Wassertiefe von mindestens 6 bis 6,5 Metern. Die Containerschifffahrt ist seit dem 19. Oktober eingestellt. Dies hat Folgen auf den Gesamtverkehr und vor allem auf die Frachtpreise. Diese steigen und es kommt zu sogenannten Niederwasserzuschlägen, wodurch die alternativen Verkehrsträger zum Wasser – die Schiene und die Strasse – an Attraktivität gewinnen. Doch ein Umsteigen auf die Strasse ist eine teurere Variante und zudem ist es nicht ganz einfach, innert kürzester Zeit die notwendigen Kapazitäten – sprich Tankwagen – zu organisieren.

Auf die Preise der nach Basel transportierten Güter hat der niedrige Wasserstand Auswirkungen. Nach Angaben der Erdölvereinigung erhöhten sich die Rheinfrachtkosten für Benzin von 101 Franken pro Tonne am 19. September auf 181 Franken pro Tonne am 23.Oktober. Dies wiederum wirkt sich auf die Benzinpreise in der Schweiz aus, die bereits deutlich gestiegen sind. Entwarnung in Form stärkerer Regenfälle ist derzeit nicht in Sicht, die angespannte Situation dürfte also noch einige Zeit andauern.

Wichtig ist angesichts dieser Situation, dass in die Fahrrinnen investiert wird, konkret, dass die Wasserstrasse ausgebaggert wird. Derzeit wird die Schifffahrtsrinne auf dem Basler Stadtgebiet um 30 Zentimeter ausgebaggert, damit grosse Frachtkähne auch bei Niedrigwasser verkehren können. Dafür wenden die Rheinhäfen rund 4 Millionen Franken auf.

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