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Krypto-Private-Banking
Eine lukrative Nische

Gebäude von Terlinden
Markanter Ziegel-Schornstein: Das Gebäude der Terlinden diente früher als Kesselhaus.Quelle: Jannis Chavakis/13Photo

Viele Banker lassen die Finger davon. Falcon Private Bank und die Bank Frick sind Ausnahmen.

Von Matthias Niklowitz
am 04.09.2018

Bitcoin und Co. sind für Banken eine zwiespältige Sache: Zwar ist die zugrundeliegende Blockchain-Technologie für Banken und Börsen überaus vielversprechend. Erste grössere Projekte sind bereits umgesetzt worden ­beziehungsweise stehen vor der Inbetriebnahme. Aber die Kryptowährungen selber lassen viele Banken erst gar nicht ins Haus. Zu unsicher erscheint vielen die Rechtslage, AML- und KyC-Themen («Anti Money Laundering» und «Know your customer») werden als zu riskant wahrgenommen. Selbst einfachste Dienste wie das Zurverfügungstellen von digitalen Wallets, mit denen Banken ihren Kunden die Kryptowährungswelt öffnen könnten, werden kaum angeboten.

Auf Investmentseite gibt es immerhin mit den Emittenten Vontobel und Leonteq erste Zertifikate-Anbieter. Hier sind Banker und Kunden auf der sicheren Seite: Tracker und einfache Hebelprodukte basieren zwar auf dem Bitcoin-Preis. Aber der richtige Basiswert sind die an den Börsen von Chicago gehandelten Futures auf den Bitcoin. Legaler, so Experten, ist auch ein SMI-Index-Tracker nicht. Und bei Swissquote können fünf Kryptowährungen gehandelt werden. Der Handel ist lu­krativ genug, dass er auch im Halbjahresabschluss als einer der Faktoren erwähnt wird, welche die deutliche Steigerung ­gegenüber dem Vorjahr möglich gemacht hatten.

Umständlicher ist das Private Banking rund um Krypto-Assets. Junge Investoren und Unternehmer, die über Krypto-Assets ihr Vermögen gemacht haben, berichten von mittleren bis hohen fünfstelligen Summen für die Prüfung ihrer Unterlagen. Die wenigen Banken, die sich mit dem Thema befassen, so der Vorwurf dieser Krypto-Entrepreneure, würden die Situation ausnützen.

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Konkurrenz aus dem Osten

Ein ähnliches Profil wie die Falcon ­Private Bank (siehe Box) hat die Bank Frick aus Liechtenstein, die seit zwei Jahren im Bereich Crypto Services aktiv ist, wie ein Vertreter der Bank kürzlich an ­einer Energieveranstaltung ausführte. Monatlich kommen rund fünf Anfragen von möglichen Geschäftskunden. Sie möchten in der Regel ein Firmen-Bankkonto eröffnen. Zur Anzahl der Kunden gibt die Bank keine Auskunft, Spezialisten schätzen eine niedrige dreistellige Zahl.

Die Nachfrage nach Krypto-Asset-­Private-Banking-Dienstleistungen dürfte weiter steigen: Das neue Gesetz hat bereits arrivierte Blockchain-Firmen wie die ­Börsen Bitfinex, Lykke sowie Bitcoin ­ Suisse dazu bewogen, eine Niederlassung im Land zu eröffnen. Es dürfte laut Experten nur eine Frage der Zeit sein, bis erste junge Kryptounternehmer nachziehen.

Geschäft mit Vermögensverwaltern

Zu den bestehenden Kunden gehören gemäss der Bank auch Intermediäre wie beispielsweise unabhängige Vermögensverwalter. Die Bank eröffnet in ihrem Auftrag auch für die Kunden der Vermögensverwalter einfache Produkte wie Krypto-Asset-Wallets. Die Bank kann dann im Auftrag der Endkunden des Vermögensverwalters auch Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether kaufen. Vermögensverwalter selber kommen mit den Krypto-Assets nicht direkt in Kontakt. Für die Endkunden werden die Krypto-Assets in den Reports jeweils wie alle anderen Assets wie beispielsweise Rohstoffe und Edelmetalle ausgewiesen.

Angebote werden ausgebaut

Karussell Eine der Vorreiterinnen ist die Falcon Private Bank. Die hält trotz einigen Turbulenzen und Abgängen bei Executives weiter am lukrativen Geschäft fest. Die Abgänge werden ­ersetzt, die Nachfolger stehen bereit, wie die Bank mitteilt. «Wir sehen ­weiterhin eine Nachfrage nach dem Zugang und der Verwaltung von ­digitalen Assets», sagt Falcon-Sprecher Gianmarco Timpanaro. «Und obwohl wir eine gestiegene Aufmerksamkeit der Banken-Community ­gegenüber Krypto-Assets generell feststellen, ist die Zahl der Banken, die professionelle Lösungen hier anbieten, sehr beschränkt.»

Talentsuche Und im Gegensatz zur Chefetage gab es beim Krypto-Asset-Team keine Wechsel. «Das Team wird weiterhin von Michael Helbling ge­leitet», so Timpanaro. «Wir sind zudem im Einstellungsprozess für die Position des Head Crypto Product Management, die innerhalb der Bank neu geschaffen worden ist.» Die Bank suche weiterhin nach Talenten, die ausgewiesene ­Expertise im Bereich ­digitale Assets ­haben. «Und wir planen, die Wealth-Management-Angebote mit neuen Lösungen noch weiter auszu­bauen», sagt Timpanaro.