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Wirtschaftsprüfung
Prüfer auf dem Prüfstand

Classic business man looking for the way in a maze
Antwort auf Bilanzskandale in den USA: Die Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) hat 2007 ihre Kontrolltätigkeit in der Branche aufgenommen.Quelle: iStock: Alija

Der Postauto-Skandal trifft auch die Revisionsfirmen. Die Aufsicht hat sich mit eigenen Abklärungen eingeschaltet. Jetzt liegt es an der Branche, die notwendigen Veränderungen einzuleiten.

Von Kurt Speck
am 03.10.2018

Die Buchprüfer verrichten ihre Arbeit in der Regel still und leise. Je unauffälliger, desto besser. Doch plötzlich ist das anders. Ein Boulevardblatt titelt «Prüfer fallen durch die Prüfung». Auslöser ist der Postauto-Skandal. Dort sind der Revisionsfirma KPMG in ihrer zwanzigjährigen Tätigkeit Hunderttausende von Scheinbuchungen nicht aufgefallen. Jetzt wird den Revisoren der Vorwurf gemacht, sie seien auf einem Auge blind gewesen. Das hat die Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) auf den Plan gerufen. Sie trifft derzeit Abklärungen über die Rolle der Revisionsstelle in diesem brisanten Fall mit unrechtmässigen Manipulationen in der subventionsrechtlichen Berichterstattung.

Im Gespräch mit der «Handelszeitung» macht RAB-Direktor Frank Schneider jedoch klar: «Nicht jeder Firmenskandal ist ein Revisionsskandal.» Die Revisionsgesellschaftenwürden dieGeschäftsführung nicht überwachen. Das sei Aufgabe des Verwaltungsrats. Zudem würden die Vorgaben an den Prüfer nicht vorsehen, dass diese systematisch nach deliktischen Handlungen suchen müssten. Im Klartext: Eine Prüfung ist keine forensische Untersuchung. Trotzdem, das Thema ist nun auf dem Tisch. In der Akte Postauto wird die Revisionsaufsicht demnächst ihren Bericht zu den getroffenen Abklärungen veröffentlichen. Zudem drohen der Revisionsfirma mögliche Schadenersatzklagen. Denn auch von anderen Fällen ist bekannt: Bei den grossen Wirtschaftsprüfern ist finanziell am meisten zu holen.

Mittlerweile sind die Vorkommnisse rund um den Postauto-Skandal auch in den Gremien des nationalen Rechnungslegungs-Standard-Setters Swiss GAAP FER angekommen. Dort wird abgeklärt, ob ein Bedarf an Regelungen zum Themenkreis «Subventionen und staatliche Beihilfen» besteht. Auch erhalten jene Branchenkenner nun Auftrieb, die vor freundschaftlichen Beziehungen zwischen Auftraggeber und Revisor warnen. In der EU gilt deshalb seit kurzem: Die Firmen müssen den Revisionsauftrag alle zehn Jahre neu ausschreiben. Vieles deutet darauf hin, dass diese Regelung auch im Nicht-EULand Schweiz bald Standard werden wird.

Ausschlaggebend für die Reputation der Revisionstätigkeit ist die hohe Qualität und ein geradliniger Kurs. Aus Sicht der RAB sind die bestehenden Unabhängigkeitsvorschriften das Fundament einer glaubwürdigen Revision. Wie gut die Arbeit letztlich ausfällt, hängt von einem verlässlichen Zulassungssystem und dem Berufsnachwuchs ab. Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche. Wichtig ist aber, dass sie mit einem gehäuften Auftreten nicht das Renommee sämtlicher Wirtschaftsprüfer beeinträchtigen.

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