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Argentiniens Korruptionsaffäre und der Schweizer Fussball

In die grösste Korruptionsaffäre Argentiniens involvierte Personen pflegen gute Kontakte zu Schweizer Fussballclubs und einem skandalumwitterten Spielervermittler.

Von Christian Bütikofer
am 19.08.2014

Seit über einem Jahr beschäftigt Argentinien ein Bestechungsskandal höchste Kreise der Politik – und die Schweiz spielt darin eine wichtige Rolle. Im Zentrum stehen Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, ihre Familie und engste Mitarbeiter. Es geht um Vorwürfe wie Geldwäsche, Scheinkäufe von Immobilien, illegalen Waffenhandel sowie versteckte Konten und Scheinfirmen in der Schweiz zum Zwecke der Steuerhinterziehung.

Zu den Profiteuren des Systems Kirchner hat laut Ermittlungen der argentinischen Staatsanwälte Lázaro Báez gehört, ein bekannter Bauunternehmer. Für ihn wiederum war nach Erkenntnissen der Beamten und gemäss Recherchen der Presse der in der Schweiz lebende Treuhänder und Landsmann Néstor Marcelo Ramos als Strohmann tätig.

Ein Investor aus Graubünden

Mit seiner Helvetic Services Group soll Ramos diverse Briefkastenfirmen zum Zwecke der Steuerhinterziehung im In- und Ausland eröffnet haben. Nun zeigen Recherchen des in der Schweiz ansässigen argentinischen Journalisten Juan Gasparini, dass Mitspieler im Korruptionsskandal ihre Fühler auch in die Schweizer Fussballlandschaft ausgestreckt hatten.

2010 gründete Néstor Marcelo Ramos im Tessin die Vansomatic Suisse SA und wurde deren Präsident. Ende 2013, als der Korruptionsskandal in Argentinien hochkochte, trat er zurück und verlegte die Firma in den Kanton Graubünden. Als Präsident fungiert nun der Peruaner Pablo Martin Bentancur Rubianes. Dieser wiederum erstand kürzlich 40 Prozent der Aktien des FC Lugano.

FC-Lugano-Investor: Kind totgefahren

Bentancur Rubianes ist ein skandalumwitterter Spielervermittler: In Uruguay wurde er beschuldigt, eine 16-Jährige totgefahren und anschliessend Fahrerflucht begangen zu haben. Der uruguayische Klub Bella Vista erhob Vorwürfe, er würde junge Fussballer schlecht behandeln. Für eine Strafzahlung von 1 Million Dollar zog ein anderer Verein, Nacional, eine Anzeige zurück.

Das Umfeld von Bentancur Rubianes in der Schweiz lebenden Kollegen Néstor Marcelo Ramos gilt als Kopf hinter 150 Scheinfirmen in Steuerparadiesen wie Nevada oder den Seychellen. Argentiniens Staatsanwälte hegen den Verdacht, dass mit diesen Vehikeln im grossen Stil Steuern hinterzogen wurden. Eine dieser Firmen heisst «Ground LLC» und hat als Direktor Andrea Rege Collet – er war Vizepräsident des Tessiner Pleiteklubs AC Bellinzona.

Auch Schweizer Behörden ermitteln

Die Fussballverbindungen treten auch in Südamerika zu Tage: Die Schweizer Treuhandgesellschaft «Helvetic Services Group» von Néstor Marcelo Ramos nahm weiter die Hilfe des argentinischen Rechtsanwalts und Fussball-TV-Kommentatoren Francisco de Bonis in Anspruch.

Gegen das Umfeld der Helvetic Services Group ermitteln neben den Argentinieren auch Schweizer Behörden. Momentan ist eine Beschwerde der Angeschuldigten vor dem Bundestrafgericht in Bellinzona hängig. Für die Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

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