Der Fussballverein Borussia Dortmund hat sich offenbar mit einer ungewöhnlichen Versicherungspolice gegen Einnahmeverluste abgesichert. Der Klub wird sich in dieser Spielzeit erstmals seit fünf Jahren nicht für die Teilnahme an der Champions League qualifizieren, bekommt aber wohl den Grossteil der Einnahmen, die ihm dadurch entgehen, ersetzt.

Der Versicherungsvertrag des einzigen börsennotierten deutschen Fussballvereins läuft demnächst bereits das dritte Jahr, wie zwei mit den Vorgängen vertraute Personen berichten. Abgesichert ist der Einnahmeausfall aus einer verpassten Champions-League-Teilnahme demzufolge über ein Versicherungskonsortium mit rund zwölf Mitgliedern unter der Führung von Catlin Group Ltd. und XL Group Plc.

In England verboten

Dortmund erzielte in dem Geschäftsjahr bis 30. Juni 260,7 Millionen Euro an Einnahmen. In der vergangenen Saison erhielt der Klub laut Angaben des Fussballverbands Uefa 34,7 Millionen Euro an Preisgeldern, weil er das Viertelfinale erreichte. Lediglich drei Manager im Verein wissen von der Versicherungspolice, wie eine der informierten Personen berichtet. Diese Vertraulichkeit wurde von den Versicherern gefordert, um zu verhindern, dass die von Jügen Klopp trainierte Mannschaft im Kampf um einen hohen Tabellenplatz nachlässt. Hans-Joachim Watzke, der Vorstandschef des Klubs, lehnte es in einer E-Mail ab, sich dazu zu äussern.

Im englischen Fussball sind solche Versicherungen verboten, um Manipulationen von Spielen zu verhindern. In anderen europäischen Ländern seien die Policen jedoch bei den Verantwortlichen der Spitzenklubs begehrt, sagte Tom Mitchell, Direktor bei Sportsrisq Capital Ltd. in London. «Es wird ein Trendthema», so Mitchell. Im Fussball, wie in jedem anderen Geschäft, müssten sich die Aktionäre und Eigner der Klubs gegen Risiken absichern, führte er aus. Dabei sei eine gescheiterte Champions-League-Qualifikation eines der grössten finanziellen Risiken für Vereine in den europäischen Spitzenligen, so Mitchell. Die Aktie von Dortmund ist in diesem Jahr um 8,6 Prozent gefallen.

Angeblich 2012 abgeschlossen

In der Bundesliga steht Dortmund nach 29 von 34 Spieltagen auf Rang 9. Damit sind die zur Teilnahme an der Königsklasse berechtigenden Tabellenplätze ausser Reichweite. Die drei Erstplatzierten der Bundesliga sind automatisch für die Champions League qualifiziert, ein vierter Klub kann über eine Ausscheidungsrunde teilnehmen. Nach dieser Saison verlässt Klopp den Verein, wie der Klub vergangene Woche mitteilte. Er sei sich nicht sicher, ob er noch der perfekte Trainer für diesen aussergewöhnlichen Verein sei, begründete der seit 2008 für den BVB tätige Klopp seinen Rückzug. Seine Nachfolge wird Thomas Tuchel antreten, der ebenso wie Klopp zuvor Mainz 05 trainierte.

Dortmund hat die Ausfall-Versicherung 2012 abgeschlossen, als der Verein das zweite Jahr in Folge Deutscher Meister wurde. Vor der aktuellen Saison wurde die Police zum dritten Mal erneuert. Die Versicherungen hätten die Option gehabt, die Versicherung zu kündigen, wenn Klopp oder drei Dortmunder Spitzenspieler den Verein im Laufe des vorangegangenen Jahres verlassen hätten, berichtet eine informierte Person.

Anzeige

Zahlt der BVB 30 Prozent der Versicherungssumme?

Ein Verein wie Real Madrid, der es seit 1997 jedes Jahr in die Champions League geschafft hat, könnte eine solche Versicherung über 10 Millionen Euro für eine vergleichsweise geringe Summe wie 500'000 Euro oder 5 Prozent der versicherten Summe abschliessen, schätzt Mitchell. Dortmund zahle eher einen Betrag im Bereich von 30 Prozent der Versicherungssumme, sagte eine der informierten Personen.

(bloomberg/tno)