Die Fussball-Bundesliga kann ihren wirtschaftlichen Erfolgskurs nach Ansicht der Experten von McKinsey nur mit Hilfe einer stärkeren Auslandsvermarktung fortsetzen. Von der Saison 2008/09 bis 2013/14 sei die Wertschöpfung des «Systems Profifussball» in Deutschland um 55 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro gestiegen, rechneten die Unternehmensberater in einer Studie vor. «Ein nicht erwartetes Wachstum», sagte McKinsey-Partner Thomas Netzer, einer der Autoren der Studie, am Dienstag in Frankfurt.

«Der deutsche Fussball ist auf einem sehr soliden Fundament aufgesetzt», sagte Netzer weiter. Die Wachstumspotenziale im Inland seien allerdings weitgehend ausgereizt, wenn man die Spieltermine nicht deutlich aufblähen oder Eintrittspreise drastisch erhöhen wolle. Bis 2020 traut McKinsey der Fussball-Bundesliga deshalb nur noch ein Umsatzwachstum von 35 Prozent zu – in den vergangenen sechs Jahren hatte es bei 48 Prozent gelegen.

Zum Wachstum verdammt

Dabei sei der deutsche Profifussball zum Wachstum verdammt, wenn er im Vergleich mit der englischen Premier League oder der spanischen Primera Division nicht abgehängt werden wolle. Im Ausland habe die Bundesliga beim Verkauf von Trikots und Fanartikeln und der Fernseh-Vermarktung noch jede Menge Luft nach oben.

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Das gelte auch für das Sponsoring: In der Premier League kommen 13 von 20 Hauptsponsoren aus dem Ausland, in der Bundesliga sind 11 von 18 deutsche Unternehmen. «Mit Internationalisierung ist vielleicht sogar mehr drin, als das, was wir in den vergangenen fünf Jahren gesehen haben», sagte Netzer.

Vereine müssen Gas geben

Der Geschäftsführer des Liga-Verbandes DFL, Christian Seifert, forderte die Vereine auf, aktiver zu werden. Nicht nur Top-Klubs wie der FC Bayern München hätten Chancen auf grössere Aufmerksamkeit jenseits der Landesgrenzen. «Wachstum kann nicht nur heissen, dass wir alle drei Jahre über einen neuen Fernsehvertrag verhandeln.»

In der von McKinsey errechneten Wertschöpfung der Bundesliga sind die Umsätze der 36 Profiklubs ebenso enthalten wie Erlöse von Lieferanten, Lizenznehmern und anderen Dienstleistern. Auch den Konsum von Spielern, Managern und anderen Mitarbeitern hat McKinsey eingerechnet. Davon profitiere auch der Staat: Selbst nach Abzug der Ausgaben für Polizei und Stadtreinigung am Rande der Spiele nehme er pro Jahr über Steuern 2,3 Milliarden Euro mit dem Profifussball ein. Seit 2008 seien durch die Bundesliga 40’000 neue Vollzeit-Arbeitsplätze entstanden. 2014 lebten der Studie zufolge 165’000 Menschen in Deutschland ganz oder teilweise vom Fussball.

(reuters/ise)