An diesem Freitag startet die Euro 2016. Mit Frankreich und Rumänien treten zwei Länder an, die wirtschaftlich in unterschiedlichen Gewichtsklassen kämpfen. In Frankreich hat die Konjunktur inzwischen wieder Fuss gefasst, im ersten Quartal stiegen die Investitionen um 2,3 Prozent und damit so stark wie zuletzt im Jahr 2008. Für den Kreditversicherer Coface gehört die Tricolore deshalb auch zu den Favoriten der diesjährigen Europameisterschaft.

Die Risikoexperten haben passend zum Turnier die wirtschaftlichen Stärken und Schwächen der 24 Teilnehmer herausgearbeitet. Ein Ergebnis: Offenbar gewinnen die Franzosen wieder an Form und sind deshalb aus wirtschaftlicher Perspektive auch ein Favorit auf den Titel. Ein Schelm, wer bei der Prognose Voreingenommenheit vermutet – immerhin hat Coface seinen Hauptsitz in Paris.

Belgien als Geheimfavorit

Doch die Franzosen sind demnach nicht die einzigen Titelaspiranten: Als «sichere Wette» gilt Deutschland. Die Sicherheit der Wirtschaft sei unbezahlbar. Die Zinsen auf zehnjährige Staatspapiere könnten in diesem Jahr in den negativen Bereich rutschen – Investoren würden also dafür zahlen, Berlin Geld leihen zu dürfen.

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Ein weiterer Favorit ist demnach Spanien, wo Firmen ebenfalls wieder investieren und die Produktionsauslastung deutlich steigt – auf 78 Prozent in diesem Jahr. Damit ist schon bald der mehrjährige Schnitt (81 Prozent) aus der Zeit vor der Finanzkrise erreicht. Als Überraschungskandidat gilt vielen Fussballexperten Belgien, so auch bei Coface. Positiv: Die Wirtschaft des Landes ist in der vergangenen Dekade jedes Jahr um durchschnittlich 1,2 Prozent gewachsen. Damit positioniert sich das Land direkt hinter Deutschland (1,4 Prozent) und weit vor den meisten Euro-Ländern. Der Schnitt des Währungsraums liegt lediglich bei 0,8 Prozent.

 

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Und wo ist die Schweiz? Aus wirtschaftlicher Perspektive natürlich unter den Top-Playern. Trotz Frankenkrise gehört das Ausfallrisiko von Firmenkrediten zu den niedrigsten Auf dem Kontinent: Neben der Schweiz bekommen nur Deutschland, Österreich und Schweden die höchste Bonitätsnote «A1» (siehe Grafik).

Chance auf Schweizer Titel bei gerade mal 2 Prozent

Auch bei anderen Analysten steht die Schweiz nicht allzu hoch im Kurs: So beziffern etwa die Ökonomen der Dekabank die Chancen auf den Einzug in den Achtelfinal auf nur 36 Prozent. Der Titelgewinn scheint geradezu ausgeschlossen: Mickrige 2,1 Prozent beträgt demnach die Wahrscheinlichkeit des Euro-Triumphs.  

(moh)