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Korruption
Fifa-Skandal: US-Behörden erwarten neue Verhaftungen

Laut US-Behörden sind noch mehr Personen in den Fifa-Skandal verwickelt. Derweil hagelt es Kritik an Sepp Blatters Wiederwahl. Russlands Präsident Putin ist da offenbar anderer Meinung.

Veröffentlicht am 30.05.2015

Der Fifa-Korruptionsskandal wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach noch ausweiten. Angaben von US-Ermittlern zufolge stehen neue Festnahmen bevor. «Wir gehen davon aus, dass weitere Personen in Straftaten verwickelt sind», sagte Richard Weber, Chef der Ermittlungsabteilung der US-Steuerbehörde laut «New York Times». Um wen es sich dabei handelt oder ob der gerade im Amt bestätigte Fifa-Präsident Joseph Blatter zu den Verdächtigen gehört, wollte er der Zeitung zufolge nicht sagen.

Blatter kündigte derweil an, das Image der Fifa aufpolieren zu wollen. Das Exekutivkomitee des Fussball-Weltverbandes will er am Samstag informieren. Dabei werde es auch Überraschungen geben. In Deutschland werden unterdessen immer mehr Stimmen laut, Russland die WM 2018 wieder zu entziehen und Blatter das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen.

«Wir müssen ein besseres Image aufbauen»

«Es wurde gesagt, dass ich verantwortlich bin für das, was passiert ist», sagte Blatter nach seiner Wiederwahl zu «Fifa TV». «Ich übernehme die Verantwortung, und wir müssen nun ein besseres Image für die Fifa aufbauen und ich weiß auch wie.» Näher wollte sich der 79-jährige Schweizer zunächst nicht äussern.

Mitte der Woche wurden kurz vor dem Jahreskongress der Fifa mehrere führende Funktionäre aus dem Umfeld Blatters wegen Bestechungsvorwürfen festgenommen. Seit Beginn der 90er Jahre sollen mehr als 150 Millionen Dollar geflossen sein.

Putin gratuliert Blatter

Trotz des Skandals wurde Blatter am Freitag für eine fünfte Amtszeit als Präsident bestätigt. Er verpasste mit 133 Stimmen zwar die im ersten Wahldurchgang nötige Zwei-Drittel-Mehrheit. Sein Herausforderer, Prinz Ali bin al-Hussein, gab nach der ersten Runde aber auf. Er hatte 73 Stimmen erhalten. Im zweiten Durchgang hätte eine absolute Mehrheit gereicht.

Der australische und der US-Verband zeigten sich enttäuscht über die Wahl Blatters. Beide sagten aber auch zu, sich innerhalb der Organisation für Änderungen einzusetzen. «Unser Ziel ist eine Führung der Fifa, die verantwortungsvoll, nachvollziehbar sowie transparent ist und im Interesse des Fussballs ist», teilte der Präsident des US-Verbandes, Sunil Gulati, mit. Kritik kam erneut aus Grossbritannien: «Ich kann nicht erkennen, wie sich die Fifa unter Blatter reformieren soll», sagte der Chef des dortigen Fussball-Verbandes, Greg Dyke, zu «Sky News». «Er hatte 16 Jahre, um zu reformieren, aber hat es nicht gemacht.»

Die entscheidenden Stimmen für Blatter kamen vor allem aus Asien und Afrika. Russlands Präsident Wladimir Putin, der Blatter zuletzt bereits gegen die Ermittlungen aus den USA verteidigt hatte, gratulierte ihm in einem Telegramm zur Wiederwahl.

Druck von Sponsoren

Experten gehen davon aus, dass Blatters Zukunft auch an den Sponsoren hängt, die sich zuletzt kritisch geäussert und teilweise sogar mit einem Ausstieg gedroht hatten. Die Bier-Konzern Anheuser-Busch teilte nach dem Fifa-Votum mit, der Verband müsse nun die internen Probleme lösen, positive Veränderungen herbeiführen und für Transparenz sorgen. Auch Coca-Cola forderte eine Aufklärung des Skandals. Die Fifa müsse konkrete Schritte unternehmen. Der Getränkeriese ist seit 1974 Fifa-Partner und sponsert seit 1978 die Fußball-WM. Der jetzige Vertrag läuft laut Fifa bis 2022, wenn der Wettbewerb in Katar ausgetragen wird.

Die Korruptionsvorwürfe seien ein guter Anlass, die WM-Vergabe an Russland noch einmal infrage zu stellen, sagte die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Europa-Parlament, Rebecca Harms der «Bild»-Zeitung. Der Chef der Linken, Bernd Riexinger, forderte in der selben Zeitung, Blatter das Bundesverdienstkreuz, das dieser 2006 erhalten habe, wieder abzuerkennen.

(reuters/dbe)

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